Druck aus ChinaWie chinesische Autobauer deutschen Herstellern das Fürchten lehren

Während hierzulande Autobauer wie Volkswagen Tausende Stellen abbauen, werden chinesische Wettbewerber immer stärker. Fünf Grafiken zeigen, wie sich die Kräfte im Automarkt verschoben haben - und warum chinesische Hersteller der Konkurrenz davongezogen sind.
Der wichtigste Wettbewerbsvorteil der chinesischen Autoindustrie beginnt im eigenen Land: Kein anderer Standort weltweit bietet Herstellern einen ähnlich großen Absatz- und Produktionsraum.
Laut der Internationalen Organisation der Kraftfahrzeughersteller (OICA) wurden 2025 in China rund 30 Millionen Pkw produziert. Seit 2021 wächst die Produktion dort kontinuierlich, während sie in Deutschland seit Jahren bei gut vier Millionen Fahrzeugen stagniert. China fertigte damit zuletzt mehr als siebenmal so viele Pkw wie Deutschland. 2016 lag das Verhältnis noch bei rund vier zu eins.
Die Zahlen zeigen, wie stark sich die Gewichte in der Automobilindustrie verschoben haben. Der riesige Heimatmarkt China ermöglicht hohe Stückzahlen, niedrigere Produktionskosten und Investitionen in Milliardenhöhe in neue Modelle, Batterien und Software. Genau diese Skaleneffekte zählen inzwischen zu den wichtigsten Wettbewerbsvorteilen chinesischer Hersteller.
Chinesische Hersteller dominieren den E-Automarkt
Genau diese hohe Produktion schafft auch die Grundlage für den nächsten Vorsprung: die Elektromobilität. Laut den vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) zusammengetragenen Daten wurden 2025 weltweit rund 18 Millionen elektrifizierte Fahrzeuge neu zugelassen. Die Angaben basieren vor allem auf den Erhebungen der Internationalen Energieagentur (IEA), die nicht nur batterieelektrische Fahrzeuge (BEV), sondern auch Plug-in-Hybride (PHEV) sowie Range-Extender-Modelle (REEV) als marktrelevant betrachtet.
Inzwischen tragen chinesische Hersteller den größten Teil dieses Wachstums. Konzerne wie BYD und Geely kommen zusammen auf deutlich höhere Verkaufszahlen als Volkswagen und BMW mit ihren Elektro-Modellen. 2021 lagen beide deutschen Hersteller zusammen noch annähernd gleichauf mit ihren chinesischen Wettbewerbern. Innerhalb weniger Jahre hat sich das Kräfteverhältnis somit grundlegend verändert.
Der Erfolg der chinesischen Hersteller beruht auf mehreren Faktoren: staatlicher Förderung, einem intensiven Preiswettbewerb und vor allem den enormen Stückzahlen des chinesischen Heimatmarkts. Diese senken die Kosten je Fahrzeug und ermöglichen eine Entwicklungsgeschwindigkeit, mit der viele internationale Wettbewerber kaum Schritt halten können.
Die Macht verschiebt sich gen Osten
Aus den Größenvorteilen auf dem Heimatmarkt entstehen inzwischen auch Vorteile auf den Weltmärkten.
Lange galt Japan als die größte Autoexportnation der Welt. Inzwischen exportiert jedoch China mehr Fahrzeuge als jedes andere Land. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Volksrepublik vom wichtigsten Absatzmarkt zum größten Autoexporteur entwickelt.
Beim Exportwert dagegen behauptet Deutschland die Spitzenposition. Das liegt unter anderem daran, dass hochpreisige Premiumfahrzeuge von Mercedes-Benz, BMW, Audi und Porsche im Schnitt weltweit deutlich teurer sind als chinesische Volumenmodelle.
Doch genau hier verändert sich der Wettbewerb. Während Deutschland bislang vor allem auf Premiumfahrzeuge und China auf hohe Stückzahlen setzte, drängen chinesische Hersteller inzwischen zunehmend mit eigenen technologisch anspruchsvollen Modellen in die Mittel- und Oberklasse. Die Trennung zwischen Masse und Klasse beginnt zu verschwimmen.
Deutsche Marken produzieren mittlerweile auch selbst verstärkt in China. In den Zahlen des Deutschen Automobilverbands VDA zu den jährlichen Exporten nach China spiegelt sich das deutlich wider: Nicht einmal 100.000 Fahrzeuge konnten die Deutschen demnach im vergangenen Jahr im Reich der Mitte absetzen. Vor zehn Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele. Die Chinesen kaufen inzwischen offensichtlich lieber Autos aus heimischer Produktion.
Chinesen besser als der Branchendurchschnitt
Chinas Vorsprung zeigt sich inzwischen auch nicht mehr nur bei Produktion, Elektromobilität und Exporten. Auch wirtschaftlich können sich chinesische Hersteller besser behaupten als viele internationale Wettbewerber.
Laut einer Analyse der Unternehmensberatung EY sank die durchschnittliche Ebit-Marge chinesischer Automobilhersteller - sie misst den operativen Gewinn im Verhältnis zum Umsatz - im Jahr 2025 zwar von 6,6 auf 5,2 Prozent. Der weltweite Branchendurchschnitt brach jedoch deutlich stärker ein - von 6,7 auf nur noch 2,8 Prozent.
Für den Vergleich wertete EY die Geschäftszahlen von 19 internationalen Automobilherstellern aus. Zu den chinesischen Unternehmen zählen unter anderem BYD, Geely und Great Wall Motor.
Die Zahlen zeigen: Auch Chinas Hersteller spüren den verschärften Wettbewerb und den anhaltenden Preisdruck. Im internationalen Vergleich bleiben sie jedoch deutlich profitabler als die Branche insgesamt. Das verschafft ihnen finanziellen Spielraum für Investitionen in neue Modelle, Batterietechnik, Software und den Ausbau ihrer internationalen Präsenz.
Genau darin zeigt sich der eigentliche Strukturwandel der Autoindustrie. Der riesige Heimatmarkt verschafft chinesischen Herstellern Größenvorteile, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette wirken und sich in niedrigeren Produktionskosten, technologischen Fortschritten bei der Elektromobilität, wachsender Exportstärke und höherer Ertragskraft niederschlagen. Genau das macht es so schwer, den Vorsprung der chinesischen Autoindustrie aufzuholen.