Alternativroute zu HormusWie eine Blockade von Bab al-Mandab den globalen Ölmarkt treffen würde

Über das Rote Meer konnte Saudi-Arabien die Auswirkungen der Blockade der Straße von Hormus in den vergangenen Monaten teilweise auffangen. An diesem Punkt setzt die jüngste Drohung der Huthi aus dem Jemen an. Zeitgleich mit neuen iranischen Attacken auf Schiffe im Persischen Golf könnte das den Ölmarkt hart treffen.
Die mit dem Iran verbündeten Huthi im Jemen haben eine "Seeblockade" gegen Saudi-Arabien verhängt. Gemeint ist damit, dass die schiitische Miliz, die große Teile des Bürgerkriegslands Jemen beherrscht, alle saudischen Schiffe angreifen will, die die Meerenge Bab al-Mandab passieren, den südlichen Zugang zum Roten Meer. Berichten zufolge soll die iranische Führung die Huthis im Zuge der jüngsten Eskalation des Kriegs zwischen den USA und dem Iran gebeten haben, diesen wichtigen Schifffahrtsweg komplett zu sperren.
Für den deutschen Außenhandel hat Bab al-Mandab eine große Bedeutung, allerdings nicht mehr in dem gleichen Maße wie noch vor wenigen Jahren - wegen der Huthi-Miliz. Stattdessen allerdings spielt der Seeweg inzwischen eine wichtige Rolle für den Erdölexport von Saudi-Arabien, vor allem Richtung Asien. Das Nachbarland, das auch im inner-jemenitischen Konflikt eine Rolle spielt, zu treffen, ist das erklärte Ziel der Huthi. Diese Drohung könnte allerdings darüber hinaus den globalen Ölmarkt erschüttern.
Noch 2023 war Bab al-Mandab einer Untersuchung des Ifo-Instituts zufolge das wichtigste Nadelöhr für den deutschen Außenhandel. Fast zehn Prozent der deutschen Importe wurden durch die Meerenge zwischen dem Jemen und Dschibuti und weiter durch das Rote Meer und den Suezkanal transportiert. Deutlich mehr als etwa durch die Straße von Hormus.
Nach dem Hamas-Terrorangriff auf Israel und dem folgenden Krieg im Gazastreifen im Herbst 2023 begannen die Huthi, Handelsschiffe im Roten Meer unter Beschuss zu nehmen. Nach mehr als hundert teils tödlichen Angriffen der Huthi brach der Verkehr dort ein und ein erheblicher Teil der Containerschiffe wurde um Afrika herum umgeleitet. Obwohl die Huthi ihre Angriffe auf Schiffe im vergangenen Jahr wieder einstellten, lag das Transitvolumen des Suezkanals, des nördlichen Ausgangs des Roten Meeres, 2025 bei weniger als der Hälfte des Niveaus von 2023. Die Auswirkungen einer erneuten Angriffswelle der Huthi auf Handelsschiffe wären daher wohl deutlich geringer als noch vor einigen Jahren.
Ölpreis ist schon wieder stark gestiegen
Dafür könnten die Auswirkungen auf den Ölmarkt erheblich sein. Seit die Straße von Hormus und damit die Häfen Saudi-Arabiens am Persischen Golf weitgehend blockiert sind, nutzt der größte Ölexporteur der Welt den Hafen Yanbu am Roten Meer, um seine Rohölausfuhren aufrechtzuerhalten. Im Juni dieses Jahres exportierte Saudi-Arabien mehr als vier Millionen Fass Öl über Yanbu, vor dem Krieg waren es deutlich weniger als eine Million Fass.
Die Umleitung von rund fast zwei Dritteln der saudischen Ölexporte über das Rote Meer und dann zu einem erheblichen Teil durch Bab al-Mandab nach Asien ist einer der wichtigsten Gründe dafür, dass der globale Ölmarkt trotz des nun schon seit fast fünf Monaten anhaltenden Iran-Kriegs relativ stabil geblieben ist. Das könnte sich mit einer Blockade der Meerenge durch die Huthi-Miliz ändern. "Jede nennenswerte Störung könnte Nordostasien einen seiner wichtigsten Rohöllieferanten entziehen", warnt Sarah Raffoul, Senior-Analystin für Ölprodukte bei Argus Media. Das Unternehmen ist auf die Beobachtung von Rohstoffpreisen spezialisiert. Das wiederum könnte "Folgewirkungen für die globalen Märkte für Rohöl und raffinierte Produkte haben".
Im Gegensatz zum Persischen Golf, der für Schiffe nur über die Straße von Hormus zugänglich ist, ist das Rote Meer auch durch den Suezkanal mit dem Mittelmeer verbunden. Zudem ermöglicht die Sumed Pipeline den Transport von Öl über das ägyptische Festland vom Roten zum Mittelmeer. Allerdings könnte Saudi-Arabien so bestenfalls einen kleinen Teil der bisher nach Asien gehenden Öllieferungen nach Westen umleiten. Die Kapazität der Sumed Pipeline ist bereits weitgehend ausgeschöpft und durch den Suezkanal passen nur Schiffe, die etwa halb so groß sind, wie die Supertanker, die gegenwärtig den Großteil der saudischen Ölexporte befördern.
Gleichzeitig hat der Iran seine Blockade der Straße von Hormus noch einmal verschärft und mehrere Öltanker angegriffen. Nachdem sich in den vergangenen Wochen wieder etwas mehr Handelsschiffe durch diese Meerenge gewagt hatten, ist der Verkehr wieder eingebrochen. Als Reaktion darauf stieg der Rohölpreis von etwas über 70 Dollar Anfang dieses Monats wieder auf mehr als 90 Dollar an. Eine Blockade von Bab al-Mandab könnte den Ölpreis einer Schätzung der Großbank JPMorgan zufolge um weitere 20 Dollar nach oben treiben.