Wirtschaft

VW-Übernahmekrimi vor Gericht Wiedeking: "Ich bin unschuldig"

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Prozessauftakt vor dem Stuttgarter Landgericht: Wendelin Wiedeking (l.) und sein früherer Finanzvorstand Holger Härter.

(Foto: dpa)

Welche Rolle spielte Wendelin Wedeking? In Stuttgart rollt die Justiz eines der wildesten Kapitel der deutschen Wirtschaftsgeschichte neu auf. Der Hauptangeklagte weist gleich zum Prozessauftakt jede Schuld von sich.

Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat im Strafprozess um den VW-Übernahmekrimi die Anklage wegen Marktmanipulation zurückgewiesen. "Den gegen mich erhobenen Vorwürfen trete ich entschieden entgegen", sagte der einstige Top-Manager in einer ersten Stellungnahme vor dem Stuttgarter Landgericht.

Die Staatsanwaltschaft wirft Wiedeking und Ex-Finanzchef Holger Härter vor, Anleger im Übernahmepoker um Volkswagen 2008 mit Falschinformationen gezielt in die Irre geführt und den VW-Kurs manipuliert zu haben.

Mehrjährige Haftstrafe möglich

"Ich bin unschuldig", sagte Wiedeking schon beim Betreten des Gerichtsgebäudes. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm und Härter schlimmstenfalls bis zu fünf Jahre Haft. Porsche hatte unter Wiedekings Führung seit 2005 seine Anteile am viel größeren Volkswagen-Konzern schrittweise erhöht, die Absicht einer vollständigen Übernahme von VW mehrmals in Pressemitteilungen und mündlichen Auskünften aber dementiert.

Nach Ansicht der Strafverfolger hatte der von den Familien Porsche und Piech beherrschte Konzern aber schon längst genau diesen Plan. Mit den Dementis hätten Wiedeking und Härter andere Anleger davon abgehalten, VW-Aktien zu kaufen und so den Börsenkurs der Papiere bewusst gedrückt. Wiedeking erklärte, das sei eine "fernliegende und absurde Verschwörungstheorie der Staatsanwaltschaft".

VW-Aktie geht durch die Decke

Porsche erhöhte der Anklageschrift zufolge damals die Beteiligung an VW vor allem mit Optionsgeschäften über die Maple Bank. Als der Kurs der VW-Aktie im Herbst 2008 massiv sank, musste Porsche sechs Milliarden Euro für die Optionen nachschießen. Um den Preis der Wertpapiere diesmal nach oben zu treiben, habe Porsche am 26. Oktober bekannt gegeben, inklusive Optionen 74,1 Prozent der VW-Stammaktien zu halten und 2009 auf 75 Prozent aufstocken zu wollen, erläuterte die Staatsanwaltschaft.

Ab einer Schwelle von 75 Prozent hätte die Holding einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abschließen können. Die Ankündigung blieb nicht ohne Folgen: Kurz darauf schnellte der Kurs der VW-Aktien in schwindelerregende Höhen. Hedgefonds, die mit Leerverkäufen auf einen sinkenden VW-Kurs gewettet hatten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Um ihre im Rahmen der Optionsgeschäfte verbindlich vereinbarten Verkaufsverpflichtungen erfüllen zu können, mussten sie sich um jeden Preis mit VW-Aktien eindecken - und häuften dabei horrende Verluste auf.

Dutzende Hedgefonds haben Porsche deshalb in Stuttgart, Braunschweig, Hannover und Frankfurt auf insgesamt mehr als fünf Milliarden Euro Schadenersatz verklagt. Erste Klagen wurden bereits zurückgewiesen.

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Quelle: n-tv.de

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