Wirtschaft

Boom auch in ländlichen Regionen Wohnimmobilien verteuern sich rapide

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In dünn besiedelten Regionen stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um bis zu 15,5 Prozent.

(Foto: picture alliance / Kirchner-Media/Wedel)

Der deutsche Wohnimmobilienmarkt boomt sowohl in Metropolen als auch auf dem Land: Mit durchschnittlich 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erreicht der Preisanstieg im dritten Quartal ein Rekordhoch. DIW-Chef Fratzscher warnt deshalb vor Preisblasen in Städten, auf die man "sehr genau aufpassen" müsse.

Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland sind im dritten Quartal erneut in Rekordgeschwindigkeit gestiegen. Sie wuchsen von Juli bis September um durchschnittlich 12,0 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. "Dies ist zum zweiten Mal in Folge der größte Preisanstieg bei den Wohnimmobilientransaktionen seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2000", hieß es. Der bisherige Rekord, der erst im zweiten Quartal mit 10,8 Prozent aufgestellt wurde, wurde damit deutlich übertroffen.

Niedrige Zinsen, knapper Wohnraum, fehlende Anlagealternativen gerade für Großinvestoren und eine robuste Wirtschaft treiben den Immobilienboom seit Langem an. Mit der Corona-Krise und dem Trend zum Homeoffice sind Immobilien auch auf dem Land zunehmend gefragt. Gegenüber dem zweiten Quartal verteuerten sich Wohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser im Schnitt um 4,2 Prozent, wie es weiter hieß.

Einen besonders starken Preisanstieg von 14,5 Prozent im Jahresvergleich stellten die Statistiker nicht nur in den sieben größten deutschen Städten Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf fest. Auch in dünn besiedelten ländlichen Kreisen stiegen die Immobilienpreise rasant. Dort verteuerten sich Ein- und Zweifamilienhäuser um 15,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und Eigentumswohnungen um 11,2 Prozent. In dichter besiedelten ländlichen Kreisen legten die Preise für Häuser und Wohnungen laut der Angaben ebenso deutlich zu: Ein- und Zweifamilienhäuser kosteten dort im Schnitt 12 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, Eigentumswohnungen 12,3 Prozent.

DIW befürchtet Preisblasen in Metropolen

In Ballungszentren wie Berlin sind die Preise in den vergangenen Jahren wegen des starken Zuzugs deutlich gestiegen. Wegen der niedrigen Zinsen können sich viele Häuslebauer höhere Preise leisten. Einige Experten wie der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, sehen die Entwicklung auf dem deutschen Immobilienmarkt skeptisch und warnen vor Preisblasen. "Es gibt sicherlich punktuell in den Städten in Ballungsbereichen Anzeichen für Blasen", sagte der Berliner Forscher kürzlich. "Aber wir sehen diese Preisblasen nicht wirklich flächendeckend."

Sollte diese Blase platzen und dann eine zu hohe Verschuldung da sein, könne es zu wirtschaftlichen Verwerfungen kommen. Eine Immobilienpreisblase sei für Zentralbanken sehr viel wichtiger als eine Überbewertung bei Aktien. "Deshalb muss man bei den Immobilienmärkten sehr genau aufpassen."

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DIW-Immobilienexperte Konstantin Kholodilin warnt angesichts der immer weiter steigenden Immobilienpreise ebenfalls vor "spekulativen Übertreibungen", insbesondere in Großstädten. "Die Zeichen mehren sich, dass die Wohnungspreise in einigen Städten und Marktsegmenten nicht mehr allein durch die Entwicklung der Mieten und die niedrigen Zinsen zu erklären sind." Das Institut untersuchte die Immobilienmärkte der 114 größten deutschen Städte mit mindestens 50.000 Einwohnern - hier stiegen die Preise für Eigentumswohnungen und Eigenheime gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich neun Prozent. Die Preise für Bauland stiegen ebenfalls, und zwar um acht Prozent.

Auch die Mieten stiegen an, jedoch nur in etwa halb so stark wie die Preise für den Kauf von Immobilien: Im bundesweiten Durchschnitt kostete eine Immobilie den 24-fachen Jahresmietertrag. Laut DIW handelte es sich dabei um den höchsten Stand seit Mitte der 90er Jahre. Damals habe es sich um den Höhepunkt des letzten Wohnungsmarktzyklus gehandelt - es folgte ein Jahrzehnt stagnierender und sinkender Immobilienpreise.

Quelle: ntv.de, mbu/AFP/dpa/rts

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