Wirtschaft

High Noon in Jackson Hole Yellen wird die Fassade aufrechterhalten

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Was wird hier geredet? Fed-Chefin Janet Yellen mit EZB-Chef Mario Draghi vor zwei Jahren in Jackson Hole.

(Foto: REUTERS)

Das jährliche Treffen der internationalen Finanzelite in der Idylle von Wyoming hat in der Vergangenheit für manchen Paukenschlag gesorgt. Die Spannung vor der Rede von US-Notenbankchefin Yellen könnte deshalb kaum größer sein.

Der Auftritt von Janet Yellen auf dem internationalen Notenbank-Symposium in Jackson Hole, im US-Bundesstaat Wyoming um 16 Uhr ist endlich wieder ein richtiger Höhepunkt nach der langen Sommerpause. Nachdem Yellen im Vorjahr fehlte, soll die Hüterin des Geldes diesmal bei Investoren zumindest für etwas mehr Klarheit über die mögliche Zinsentwicklung in den nächsten Monaten sorgen. Die jüngsten widersprüchlichen Aussagen von Fed-Mitgliedern hatten Investoren erheblich verunsichert. Während einige ein Bild einer starken US-Wirtschaft zeichnen und fordern, dass die Zinsen möglichst bald erhöht werden müssen, raten andere Mitglieder unter Hinweis auf eine maue Konjunktur von Zinserhöhungen weiterhin klar ab.

Wie stark ist die US-Wirtschaft tatsächlich?

Dabei gäbe es eine Menge Gründe, warum die Fed die Zinsen schon längst hätte erhöhen können. So ist die Arbeitslosenquote auf nur mehr 4,9 Prozent gesunken. Bei einem derartig niedrigen Niveau sollte es Arbeitnehmern leicht fallen, Gehaltserhöhungen durchzusetzen, womit die Inflation angeheizt werden würde. Wenn die Ölpreise weiter steigen sollten, könnte die Inflation, die zuletzt bei 0,8 Prozent lag, deutlich nach oben drehen und sich damit der Marke von zwei Prozent nähern, die die Fed anpeilt.

Yellen hätte also schon längst zur Tat schreiten können, zumal sie bei jeder Gelegenheit betont, wie stark die US-Wirtschaft sei. Möglicherweise bestehen jedoch Zweifel. So waren die Arbeitsmarktdaten für die vergangenen zwei Monate deutlich stärker als erwartet. Viele andere Daten deuten jedoch darauf hin, dass die Wirtschaft schwächelt. So lagen die Einzelhandelsumsätze für Juli lediglich auf dem Niveau des Vormonates und damit deutlich unter den Erwartungen der Volkswirte. Zuvor hatten die Daten zur Produktivität Experten herb enttäuscht. Die waren im zweiten Quartal um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesunken. Das war der dritte Rückgang in Folge - das ist letztmals im Jahr 1979 passiert.

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Die Folge derart schwacher Daten sind sinkende Wachstumserwartungen. "Die Prognose der Volkswirte für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr sinkt immer weiter und hat zuletzt mit nur mehr 1,5 Prozent ein Rekordtief erreicht", erklärt Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. Vor einem Jahr hatten die Experten noch ein Plus von 2,7 Prozent vorhergesagt. Die US-Notenbank dürfte daher bei der Sitzung am 21. September die Prognose für das Wachstum für 2016 das dritte Mal in diesem Jahr senken. Bislang liegt sie noch bei 1,9 bis 2,0 Prozent.

Zweifel an einer Zinserhöhung wachsen

Dennoch dürfte Yellen in Jackson Hole einmal mehr betonen, dass eine Zinserhöhung weiterhin auf dem Tisch liegt. "Wir erwarten aber keine näheren Angaben über den Zeitpunkt der nächsten Zinserhöhung", schreibt Michelle Meyer, Chefvolkswirtin bei der Bank of America Merrill Lynch. Trotz der regelmäßigen Beteuerungen von Yellen und ihren Kollegen zweifeln viele Investoren immer mehr, dass es bald zu einer Erhöhung kommen könnte. Die Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung im September liegt bei lediglich 21 Prozent, für den Dezember beträgt sie noch 50,6 Prozent. Bei anhaltend schwachen US-Daten dürfte die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung aber in den nächsten Monaten deutlich sinken.

Die Erwartungen an Yellens Rede über Hinweise zur weiteren Geldpolitik sind riesig. Allerdings könnten sie enttäuscht werden, da sie sich alle Möglichkeiten offen halten dürfte, um flexibel auf die wirtschaftliche Entwicklung zu reagieren. In diesem Umfeld könnte der US-Dollar zur Schwäche neigen und der S&P 500 seine Rekordfahrt fortsetzen. Insbesondere wenn Investoren beginnen sollten, auf ein mögliches Konjunkturprogramm statt auf eine Zinserhöhung zu spekulieren.

Quelle: n-tv.de

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