Wirtschaft

Werbung vor IS-Videos Youtube hat ein Hass-Problem

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Die Bundesregierung bereitet ein Gesetz vor, wonach Unternehmen wie Youtube Hassreden und andere illegale Inhalte schnell löschen müssen.

(Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)

Wer auf Youtube wirbt, kann seine Reklame auch vor extremistischen Videos finden. Werbekunden sind verärgert, die Google-Tochter ist auf der Suche nach einer Lösung.

Youtube hat Ärger mit Werbekunden. Weil Reklame-Spots etwa vor Videos mit homophoben oder antisemitischen Inhalten liefen, stoppten Firmen ihre Werbung bei der Google-Tochter - oder kündigten das zumindest an. Zu ihnen gehören der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson, die US-Großbank JPMorgan, die US-Mobilfunkkonzerne Verizon und AT&T, der britische Einzelhändler Marks and Spencer sowie die BBC.

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"Es war nie unsere Absicht, Werbung um Inhalte zu platzieren, die unangemessen sind oder nicht im Einklang mit der Marke unserer Werbepartner stehen", sagte Youtube-Chefin Susan Wojcicki der "Wirtschaftswoche". "Wir entschuldigen uns bei unseren Partnern, bei denen das passiert ist. Das Thema hat die höchste Priorität für uns. Jeder arbeitet rund um die Uhr daran, das Problem zu lösen". Mit anderen Worten: Das Problem besteht weiterhin.

Das liegt vor allem daran, dass Werbeplätze im Umfeld von Youtube-Videos weitgehend automatisiert über diverse Marktplätze befüllt werden. Das führte dazu, dass Anzeigen vor Videos angezeigt wurden, in denen das Terrornetzwerk IS glorifiziert wurde.

Sie sei persönlich damit beschäftigt, eine Lösung zu finden, sagte Wojcicki in Berlin. Die Google-Videoplattform habe Maßnahmen getroffen, um Anzeigenkunden mehr Kontrolle darüber zu geben, wo ihre Werbung zu sehen sei, bekräftigte sie. Außerdem gebe es nun mehr Kategorien von Videos, neben denen grundsätzlich keine Werbung angezeigt werde. Youtube werde bereits umgesetzte Maßnahmen wie strengere Vorgaben an Video-Blogger und das Löschen extremistischer Inhalte schneller vorantreiben, Werbekanäle schließen und enger mit den Werbekunden zusammenarbeiten, fügte Wojcicki hinzu.

Wojcicki sieht Meinungsfreiheit in Gefahr

Zugleich sprach sich die Youtube-Chefin gegen gesetzliche Regelungen aus, die - wie gerade in Deutschland geplant - Online-Dienste verpflichten würden, auf eigene Faust rechtswidrige Inhalte zu finden und zu löschen. "Solche Gesetzgebung führt dazu, dass zu viel zensiert wird, dass Plattformen Inhalte entfernen, die nicht entfernt werden sollten", sagte Wojcicki und ergänzte, dass dadurch die Meinungsfreiheit eingeschränkt werde.

Das von Bundesjustizminister Heiko Maas geplante neue Gesetz sieht hohe Geldstrafen vor und setzt ein Zeitlimit von 24 Stunden, innerhalb dessen Unternehmen wie Youtube Hassreden und andere illegale Inhalte löschen müssen.

"Gerade wenn es um politische Meinungsäußerungen geht, kommen wir schnell in unsicheres Fahrwasser", sagte Wojcicki. Manche politische Äußerungen seien möglicherweise nicht besonders populär, müssten aber in einer Demokratie angehört werden. "Wir riskieren deshalb mit dem Gesetzentwurf, ganze gesellschaftliche Gruppen zu zensieren", so Wojcicki weiter. Die Managerin machte sich für das jetzige Modell stark, in dem die Unternehmen von selbst handeln. Bei Youtube würden bereits 90 Prozent der angezeigten Hass-Inhalte gelöscht. "Bei uns funktioniert das jetzige System", sagte sie.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa/DJ

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