Trotz belastender FaktorenZEW blickt überraschend optimistisch auf deutsche Wirtschaft

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist weiterhin gedämpft. Nicht nur ausbleibender Regen und Niedrigwasser geben Anlass zur Sorge. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ist trotzdem zuversichtlich für das nächste halbe Jahr. Denn es gibt auch Lichtblicke.
Finanzexperten blicken trotz neuer Belastungen durch das Niedrigwasser am Rhein überraschend optimistisch auf die deutsche Wirtschaft. Das Barometer der Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate stieg im August um 7,9 Zähler auf 34,2 Punkte. Das sei bereits der vierte Anstieg in Folge und der beste Wert seit Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner monatlichen Umfrage unter 185 Investoren und Analysten mit. Ökonomen hatten nur einen Anstieg auf 30 Punkte erwartet.
"Dies dürfte mit den guten Quartalszahlen und dem jüngsten Exporthoch zusammenhängen", kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach das überraschend gute Abschneiden. "Während die deutsche Wirtschaft weiterhin von den Infrastrukturprogrammen der Bundesregierung profitiert, birgt das Rekord-Niedrigwasser am Rhein kurzfristig ein akutes zusätzliches Risiko für die Konjunktur."
Die aktuelle Lage schätzten die Börsianer im August wie bisher nüchtern ein: Dieses Barometer lag mit minus 61,1 Punkten zwar um 16,5 Zähler über dem Vormonatswert, verharrte aber tief im negativen Bereich. "Ob die positiven Impulse ausreichen, um die wirtschaftliche Talsohle nachhaltig zu überwinden, muss sich erst noch zeigen", sagte Analyst Elmar Völker von der Landesbank LBBW.
Das sehen andere Experten auch so. "Angesichts der Stimmungskiller Rekordhitze, Niedrigwasser und Ernteausfälle überrascht der Indexanstieg", sagte der Chefvolkswirt der Bank Bethmann HAL, Alexander Krüger. Die Hitzewelle sei auch ein Vorbote für einen neuerlichen Inflationsschub. Steigende Transportkosten und längere Transportwege bremsten die Industrie, Versorgungsengpässe könnten die erhoffte Konjunkturerholung zurückwerfen. "Es ist daher fraglich, ob der Stimmungsanstieg halten wird", betonte Krüger.
Leichtes Wirtschaftswachstum
Die deutsche Wirtschaft wuchs im Frühjahr um 0,2 Prozent und damit bereits das dritte Quartal in Folge. Dazu trug auch der Außenhandel bei: Im Juni wurden Waren im Wert von 139,3 Milliarden Euro exportiert - so viel wie noch nie in einem einzelnen Monat. Den Experten des Beratungsunternehmens Oxford Economics zufolge könnte das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal dadurch um bis zu 0,2 Prozentpunkte geringer ausfallen. Das könne ausreichen, um Europas größte Volkswirtschaft im Sommer schrumpfen zu lassen.
Die deutsche Konjunktur könnte der Bundesregierung zufolge aber durch das Rekord-Niedrigwasser auf vielen Flüssen ausgebremst werden. Frühindikatoren signalisierten für das laufende dritte Quartal zwar eine positive Entwicklung, heißt es im aktuellen Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums. "Mit den aktuellen Niedrigwasserständen auf wichtigen deutschen Binnengewässern ist jedoch das Risiko für temporäre, regionale Materialengpässe vor allem in der Mineralöl-, Chemie-, Bau- und Stahlindustrie gestiegen."