Wirtschaft

Schock-E-Mail an die Belegschaft ZF Friedrichshafen baut massiv Stellen ab

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Zu Jahresbeginn beschäftigte ZF konzernweit knapp 148.000 Menschen, davon knapp 51.000 im Inland. Bis Ende 2022 sind betriebsbedingte Kündigungen angeblich ausgeschlossen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Job-Kahlschlag in der Autobranche geht weiter: Der Zulieferer ZF Friedrichshafen will wegen des Absatzeinbruchs in der Corona-Krise allein in Deutschland bis zu 7500 Stellen streichen. Vorstandschef Scheider wendet sich per E-Mail an die knapp 150.000 Mitarbeiter.

Beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen sollen wegen des Absatzeinbruchs in der Corona-Krise in den kommenden fünf Jahren bis zu 15.000 Stellen gestrichen werden. "Aus heutiger Sicht müssen wir bis 2025 weltweit unsere Kapazitäten anpassen und 12.000 bis 15.000 Arbeitsplätze abbauen, davon etwa die Hälfte in Deutschland", heißt es in einem Brief von Vorstandschef Wolf-Henning Scheider an die 148.000 Mitarbeiter, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Der "Südkurier" und die "Saarbrücker Zeitung" hatten als erste darüber berichtet. Dem Konzern, dem zwei Stiftungen gehören, drohten "als Folge des Nachfragestopps auf Kundenseite" in diesem Jahr "hohe finanzielle Verluste", schreibt Scheider der Belegschaft.

Der Vorstand macht sich offenbar Sorgen, dass die Banken und andere Gläubiger die Kredite kündigen, die ZF Friedrichshafen für die milliardenteuren Zukäufe von TRW und Wabco in den vergangenen Jahren aufgenommen hat. Solche Übernahmekredite sind in der Regel an die Erfüllung bestimmter Kennzahlen - meist des operativen Gewinns - geknüpft. Das bedrohe "unsere finanzielle Unabhängigkeit", schreibt der Vorstandschef. "Wenn wir bestimmte Kennzahlen verfehlen, könnten externe Kreditgeber Einfluss auf unsere Geschäftsentscheidungen fordern. Wir möchten das verhindern und weiterhin unabhängig den ZF-Weg gehen." Ein ZF-Sprecher wollte sich zu dem Brief nicht äußern: "Wir nehmen zu interner Kommunikation mit unseren Teams keine Stellung."

Der Vorstand habe die Gewerkschaft IG Metall und die Arbeitnehmervertreter bereits über die Lage und die geplanten Maßnahmen informiert, heißt es in dem Brief weiter. Die Details würden in den nächsten Wochen ausgearbeitet. "All dies ist leider notwendig, um ZF nachhaltig zu sichern, und an die neue wirtschaftliche Realität anzupassen." Die zur Bewältigung der Corona-Krise getroffenen Vereinbarungen, etwa zu Kurzarbeit und Gehaltsverzicht, reichten bei Weitem nicht aus. "Denn die Krise wird länger dauern und wir werden selbst 2022 beim Umsatz spürbar unter unseren Planungen liegen."

Quelle: ntv.de, ddi/rts