Wirtschaft

Konjunkturprognose bleibt düster Zweite Welle bremst Erholung der EU

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Hochgeklappte Containerbrücken im Hamburger Hafen. In Deutschland ist laut EU-Zahlen ein Wirtschaftseinbruch von 5,6 Prozent zu erwarten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Corona-Krise löst eine historische Rezession in der Europäischen Union aus. Im Sommer regeneriert sich die Wirtschaft ein wenig, sodass die EU ihre Konjunkturprognose nun leicht nach oben korrigiert. Die derzeit rapide ansteigenden Corona-Fallzahlen schwächen das Wachstum jedoch ab.

Die Wirtschaftsleistung in der Eurozone wird nach der neuesten Prognose der EU-Kommission dieses Jahr um 7,8 Prozent einbrechen. In der Europäischen Union insgesamt schrumpft sie demnach 2020 um 7,4 Prozent. Die Zahlen veröffentlichte die Kommission in Brüssel. Die Behörde korrigierte damit ihre Konjunkturprognose vom Sommer leicht nach oben. Dafür geht sie nun von einer langsameren wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-Krise sowie einem sprunghaften Anstieg der Neuverschuldung aus.

Für das kommende Jahr werden 4,2 Prozent Wachstum für die 19 Staaten der Eurozone und 4,1 Prozent für die EU-27 vorausgesagt, für 2022 dann jeweils 3 Prozent. Auch im übernächsten Jahr werde aber das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht, hieß es. Die neuen Prognosezahlen für 2020 deuten weiter auf eine beispiellose Rezession hin, fallen aber dennoch etwas besser aus als im Sommer.

Die Schuldenquote der EU-Länder wird wegen der Krise in diesem Jahr voraussichtlich von 79,2 Prozent auf 93,9 Prozent der Wirtschaftsleistung springen. Für die 19 Länder der Eurozone geht Brüssel sogar davon aus, dass sie 100 Prozent der Wirtschaftsleistung übersteigen wird. Spitzenreiter ist hier Griechenland mit 207 Prozent. Italien, Portugal, Spanien, Belgien, Frankreich und Zypern liegen ebenfalls deutlich über 100 Prozent.

Prognose besser als im Sommer

Im Juli hatte die Brüsseler Behörde prognostiziert, dass die Wirtschaftsleistung in der Eurozone um 8,7 Prozent und in der EU insgesamt um 8,3 Prozent schrumpft. Nach einem scharfen Einbruch wegen des Pandemie-Lockdowns im zweiten Quartal war die Wirtschaft aber im dritten Quartal sowohl in der Eurozone als auch in der EU insgesamt um mehr als 12 Prozent gewachsen.

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Jetzt verweist die Kommission auf neue Risiken wegen der zweiten Corona-Welle und der damit verbundenen neuen Pandemie-Auflagen. "Nach der tiefsten Rezession in der Geschichte der EU und einem sehr starken Aufschwung im Sommer ist Europas wirtschaftliche Erholung wegen der wieder höheren Zahl von Covid-19-Fällen unterbrochen worden", sagte Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni. "Das Wachstum kehrt 2021 zurück, aber es wird zwei Jahre dauern, bis die europäische Wirtschaft wieder in etwa an das Niveau vor der Pandemie anknüpfen kann."

Für Deutschland ist der Prognose zufolge in diesem Jahr ein Wirtschaftseinbruch um 5,6 Prozent zu erwarten. Das mit Abstand am stärksten von der Corona-Krise getroffene Land wäre nach den neuen Zahlen aus Brüssel Spanien. Hier ist ein Wirtschaftseinbruch um 12,4 Prozent für 2020 zu erwarten. Es folgen Italien (minus 9,9 Prozent), Kroatien (minus 9,6 Prozent) und Frankreich (minus 9,4 Prozent). Litauen (minus 2,2) und Irland (minus 2,3) kämen hingegen eher glimpflich davon.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP