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Antizyklische Abwechslung Skandinavien im Blick

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(Foto: REUTERS)

Skandinavien setzt sich langfristig durch, ist Gerd Bennewirtz überzeugt. Im Norden Europas liegen die Dinge klar. Einfallsreichtum dank unabhängigem Denken und Handeln. Eine antizyklische Abwechslung vom europäischen Schuldensumpf.

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Skandinavische Märkte rücken politisch und finanziell in den Fokus. Dänemark lässt die Grenzkontrollen zu Deutschland wieder fallen. Finnland fordert Pfand für Griechenlandhilfen. Aus gutem Grund: Unter den fünf skandinavischen Staaten Dänemark, Island, Norwegen und Schweden gehört allein Finnland zur Eurozone.

Dabei gehört das Land zu denjenigen mit dem größten finanzpolitischen Spielraum. Laut Eurostat liegt die Staatsverschuldung Finnlands bei 48,4 Prozent des BIP. Der Durchschnitt in der Eurozone liegt bei 85,1 Prozent. Solide sieht es auch in Schweden, Norwegen und Dänemark aus. Die Staatsschuldenquote liegt dort zwischen 39,8 und 44,7 Prozent.

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Weiteres Indiz der Geldwertstabilität in Skandinavien ist der moderate Anstieg der Hauptverbraucherpreise. Mit 1,3 Prozent bzw. 1,6 Prozent Inflation zählen die norwegische und schwedische Krone zu den wertstabilsten Währungen weltweit. Das bestätigt die Einschätzung von Analysten, skandinavische Währungen eigneten sich zur Diversifikation.

Nach der Eurobindung des Schweizer Franken haben entsprechende Währungsbewegungen eingesetzt. Die wirtschaftliche Substanz Skandinaviens basiert auf der Innovationskraft der Unternehmen. Nach einer Studie der DB-Research gehört Skandinavien weltweit zu den Regionen mit der größten „F&E-Elastizität“, einer Kombination aus Intensität der Forschung und Entwicklung und Marktkapitalisierung. In Skandinavien liegt dieser Faktor bei rund 0,53x und damit über dem weltweiten Durchschnitt von 0,47x.

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Das bedeutet: Eigenkapitalgeber belohnen skandinavische Unternehmen durch vermehrte Investitionen. Diese belohnen Investoren durch eine verbesserte Produktivität und Gewinnmarge. Der Umsatz pro Mitarbeiter lag zwischen 1990 und 2007 rund 25,0 Prozentpunkte über dem Durchschnitt.

Die positive Folge ist eine geringe Arbeitslosigkeit. Deren Anteil rangiert in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden zwischen 3,2 und 7,8 Prozent. Der EU-Durchschnitt liegt bei 10,0 Prozent. Investoren profitieren in Skandinavien gleich doppelt. Einerseits von produktiven Substanzunternehmen. Und andererseits vom günstigen Marktmomentum.

Der MSCI Nordic Countries gab auf Eurobasis per 30. September 2011 über ein Jahr -16,66 Prozent ab. Das liegt über dem europäischen und weltweiten Durchschnitt. Der MSCI Europe verlor im gleichen Zeitraum -11,17 Prozent, der MSCI All Country World -5,44 Prozent. Durch diese stärkeren Kursabschläge sinkt die Bewertung des tendenziell in Skandinavien höheren KGV auf ein für Investoren interessantes Aktienpreisniveau.

Skandinavien setzt sich langfristig durch. Über zehn Jahre legte der MSCI Nordic Countries +4,89 Prozent p.a. zu. Der MSCI All Country World +0,83 Prozent p.a. SJB Fazit: Im Norden Europas liegen die Dinge klar. Einfallsreichtum dank unabhängigem Denken und Handeln. Eine antizyklische Abwechslung vom europäischen Schuldensumpf.

 

Quelle: n-tv.de