Marktberichte

Corona plus Zollkrieg? Börsianer sind auf das Schlimmste gefasst

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Im Auge des Taifuns? Vergangene Woche hat der Dax das größte Minus seit den Panik-Verkäufen von Mitte März gesehen.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Vier Prozent hat der Dax vergangene Woche eingebüßt. "Die Lage bleibt angespannt", warnt die DZ-Bank. "Möglicherweise befinden wir uns im 'Auge des Taifuns'". Frische Konjunkturdaten sollen Orientierung geben. Aber nicht nur das Virus bereitet Börsianern Sorgen.

Für Anleger wird der Mai in diesem Jahr Experten zufolge alles andere als ein Wonnemonat. "Die Lage bleibt angespannt", warnt DZ Bank-Analyst Christian Kahler. "Möglicherweise befinden wir uns im 'Auge des Taifuns' und die Situation an den Märkten wird sich wieder verschärfen." Alles hänge davon ab, wie die Coronavirus-Pandemie verlaufe und ob es zu einer zweiten Infektionswelle komme.

Die Furcht vor wieder steigenden Ansteckungszahlen und einer langwierigen weltweiten Rezession brockte dem Dax in der alten Woche einen Kursverlust von etwa vier Prozent ein. Das ist das größte Minus seit den Panik-Verkäufen von Mitte März. "Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Erholung nur graduell sein wird und die Konjunkturhilfen nur den völligen Kollaps der Wirtschaft verhindern", sagt Roger Jones, Aktienchef des Vermögensverwalters London & Capital.

Jean-Marie Mercadal, Chef-Anleger des Vermögensverwalters OFI, warnt ebenfalls vor überzogenen Erwartungen. "Die Erholung in den meisten westlichen Volkswirtschaften wird davon abhängen, ob das Verbrauchervertrauen zurückkommt, um die Nachfrage wieder anzukurbeln. Erst dann werden die Unternehmen wieder anfangen zu investieren."

"Zudem besteht weiterhin das Risiko einer Eskalation des Handelsstreits mit China", warnt Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. "Zwar gab es vor kurzem eine Annäherung der beiden Supermächte. US-Präsident Donald Trump aber bleibt unberechenbar und könnte seine Strategie schnell wieder ändern." Im Streit um Chinas Rolle in der Virus-Krise brachte Trump einen Abbruch der Beziehungen ins Gespräch.

Stimmungsindikatoren im Blick

Mit dem Auslaufen der Berichtssaison rücken Konjunkturdaten wieder in den Vordergrund. Den Anfang in der neuen Woche macht am Dienstag der ZEW-Index, der die Stimmung der deutschen Börsenprofis widerspiegelt. Am Tag darauf folgt das Barometer für die Laune der europäischen Verbraucher. Den Abschluss bilden am Freitag die Indikatoren für die Stimmung der deutschen und europäischen Einkaufsmanager. "Mit der Lockerung der Beschränkungen werden die wirtschaftlichen Aktivitäten wieder zunehmen", sagt Commerzbank-Analyst Christoph Weil. "Die Frage ist nur, in welchem Tempo die Erholung voranschreitet, und dies werden auch die Einkaufsmanagerindizes für Mai kaum beantworten können."

Jenseits des Atlantiks richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Konjunkturbarometer der Federal Reserve Bank von Philadelphia und die Frühindikatoren am Donnerstag. Für beide Indizes sagen Experten eine leichte Verbesserung voraus. Bei den zuletzt viel beachteten Erstanträgen auf US-Arbeitslosenhilfe - ebenfalls am Donnerstag - erwartet Commerzbank-Experte Weil einen Wert von 2,6 Millionen. "Die US-Arbeitslosigkeit hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht." Zuletzt lag die wöchentliche Zahl bei 2,98. Seit dem 21. März summierten sich diese Anträge auf rund 36 Millionen. Allerdings nimmt die Zahl der Anträge seit einigen Wochen kontinuierlich ab.

Quelle: ntv.de, ddi/rts