Marktberichte

Öl, Gold, Rüstungsaktien gefragt US-Iran-Konflikt belastet Wall Street

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Der Jahresauftakt an der Wall Street war stark, nun ging es bergab.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Die US-Börsen schließen im Minus, nachdem sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran verschärft hat. Es gibt unter anderem die Befürchtung, Teheran könnte die Straße von Hormus für Öltanker sperren. Der Ölpreis schießt deshalb nach oben, was wiederum einige Aktien auf Talfahrt schickt.

Nach einem fulminanten Jahresauftakt haben die US-Börsen Verluste verzeichnet, nachdem bei einem US-Militärschlag nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad ein hochrangiger iranischer General getötet wurde. Zudem verstärken die USA ihre Truppenpräsenz in der Region. Die Aktienmärkte erholten sich allerdings von ihren Tagestiefs zu Handelsbeginn im weiteren Verlauf wieder etwas.

US-Präsident Donald Trump zeigte sich indessen von Vergeltungsdrohungen Teherans unbeeindruckt. Er sei entschlossen, zu tun was notwendig sei, so Trump. Er strebe jedoch keinen Regimwechsel im Iran an.

Der Dow-Jones-Index gab 0,8 Prozent nach auf 28.635 Punkte. Der S&P-500 schloss 0,7 Prozent leichter bei 3.235 Punkten, während der Nasdaq-Composite ebenfalls 0,8 Prozent verlor auf 9.021 Punkte.

Geopolitische Risiken seien nicht verschwunden, nur weil der Aktienmarkt zuletzt gut gelaufen sei, kommentierte Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet Asset Management, die jüngste Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran. Sobald sich am Markt eine gewisse Selbstzufriedenheit breitgemacht habe, könne schon ein vergleichsweise unbedeutendes Ereignis einen abrupten Richtungswechsel herbeiführen. Andere Beobachter zitierten hingegen die alte Börsenweisheit, dass politische Börsen kurze Beine haben.

US-Industrie wächst langsamer

Veröffentlichte Konjunkturdaten zeigten indessen Licht und Schatten. Während die Bauausgaben im November saisonbereinigt um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat stiegen und die Erwartungen einer Zunahme um 0,4 Prozent von Ökonomen übertroffen haben, hat sich das Wachstum der US-Industrie im Dezember weiter verlangsamt. Der vom Institute for Supply Management (ISM) berechnete Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes ermäßigte sich auf 47,2 (Vormonat: 48,1). Ökonomen hatten indessen einen Anstieg auf 49,0 prognostiziert.

Die US-Währungshüter haben bei ihrer Ratssitzung am 10. und 11. Dezember keine Eile gezeigt, die drei Zinssenkungen des vergangenen Jahres schnell wieder rückgängig zu machen. Wie aus dem Protokoll der Sitzung hervorging, sehen die Notenbanker trotz der jüngsten Verbesserungen ein erhöhtes Risiko, dass das Wirtschaftswachstum schwächer als erhofft ausfällt. Gründe seien in der schwächeren Weltwirtschaft und dem Handelskonflikt mit China zu finden.

Ölpreise steigen - "Sichere Häfen" gesucht

Die Nachricht vom Tod des iranischen Generals Kassem Soleimani ließ die Ölpreise steigen, denn am Markt geht die Angst um, dass Teheran die Straße von Hormus am Persischen Golf für Öltanker sperren könnte. Der Preis für ein Barrel US-Rohöl der Sorte WTI stieg um 2,9 Prozent auf 62,96 Dollar, die europäische Referenzsorte Brent verteuerte sich um 3,6 Prozent auf 68,64 Dollar.

Die US-Öllagerbestände gaben dem Markt keinen zusätzlichen positiven Impuls. Sie fielen zwar nach Angaben der staatlichen Energy Information Administration (EIA) deutlich um 11,46 Millionen Barrel gegenüber der Vorwoche. Analysten hatten einen Rückgang um 3,3 Millionen Barrel vorhergesagt. Jedoch stagnierte die Ölproduktion in den USA auf einem Rekordniveau von 12,9 Millionen Barrel pro Tag.

Gefragt waren auch vermeintlich sichere Häfen wie Gold oder Staatsanleihen. Der Preis für die Feinunze Gold stieg um 1,2 Prozent auf 1.549 Dollar, dem höchsten Stand seit vier Monaten. Am Anleihemarkt drückten steigende Notierungen die Rendite zehnjähriger US-Anleihen deutlich um 8,7 Basispunkte auf 1,79 Prozent.

Nutznießer der Ereignisse im Irak waren Fluchtwährungen wie der Yen. Der Dollar sank auf 108,11 Yen, nachdem er am Donnerstag in der Spitze noch 108,87 Yen gekostet hatte. Der Euro erholte sich von seinem Tagestief zum Dollar etwas. Zu Handelsschluss notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,1162 Dollar gegenüber 1,1125 im Tief. Am Vortag zur gleichen Zeit ging der Euro noch für 1,1195 Dollar um.

Rüstungsaktien begehrt, Tesla mit Rekordabsatz

Aktien von Rüstungsunternehmen profitierten von der Eskalation des US-iranischen Konflikts. Lockheed Martin rückten 3,6 Prozent vor, Northrop Grumman um 5,4 Prozent und Raytheon um 1,5 Prozent.

Aktien der Energiebranche zeigten sich im Windschatten der Ölpreise uneinheitlich. Für Exxon Mobile ging es um 0,8 Prozent nach unten und Chevron notierten 0,3 Prozent leichter. Chesapeak Energy hingegen stiegen um 6,6 Prozent.

Für Fluggesellschaften sind höhere Ölpreise negativ. Entsprechend gaben die Aktien des Sektors überdurchschnittlich nach. American Airlines verbilligten sich um 5,0 und Delta um 1,7 Prozent. Alaska Air Group gaben um 1,8 Prozent nach.

Die Tesla-Aktie stieg derweil auf ein Rekordhoch und schloss 3,0 Prozent fester. Der Hersteller von Elektroautos hat im vierten Quartal einen Rekordabsatz verzeichnet.

Quelle: ntv.de, hul/DJ