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Für ganz besondere Momente AMG 63 S E-Performance - Formel-1-Luxus-Bolide

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Der Mercedes-AMG 63 S E-Performance kann dank seiner Formel-1-Technik auch auf der Rennstrecke gefahren werden, macht aber auf der Landstraße noch viel mehr Spaß.

(Foto: Daniel Maurer )

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Der Mercedes-AMG S E-Performance ist das beste Beispiel, dass sich Rennsporttechnik eins zu eins in ein Straßenfahrzeug übertragen lässt. Dass das dann, wenn es unter dem Stern fährt, sowohl sportlich als auch luxuriös sein kann, konnte ntv.de nicht nur auf der Rennstrecke erfahren.

Als Mercedes-AMG im Jahr 2018 den GT 4-Türer als GT 63 S vorstellte, fragten sich viele, welche mutmaßliche Lücke hier im Portfolio geschlossen werden soll. Zudem war man - der Autor eingeschlossen - der Meinung, dass ein Auto mit einem 4,0-Liter-V8, der 639 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 900 Newtonmetern auf die Antriebsräder feuert, nicht mehr zu übertreffen ist. Immerhin redete man seinerzeit von einem Familienauto, das mit über fünf Metern Länge und einem Radstand von 2,95 Meter auch im Fond noch zwei sehr bequeme Sitzplätze zu bieten hatte.

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Was den Anschaffungspreis des Mercedes-AMG 63 S E-Performance betrifft, gleicht der Preis dem einer guten Ferienwohnung.

(Foto: Daniel Maurer)

Insofern war der GT 63 S schon damals, auch was den Preis von 167.000 Euro betrifft, so etwas wie eine rasende Ferienwohnung. Und das ist wörtlich gemeint, denn dieses Schiff beschleunigte sich aus dem Stand in nur 3,2 Sekunden auf Tempo 100 und ist mit einer Endgeschwindigkeit von 315 km/h kaum einzuholen. Das Ende der Fahnenstange schien erreicht. Bis jetzt. Bis zu dem Moment, in dem AMG den GT 63 S E Performance präsentiert. Ja, das hört sich erst mal nach Elektroauto an. Und ja, ein bisschen ist es das auch, aber eben nur ein bisschen. Um die Nähe zu den Q-Modellen von Mercedes akustisch deutlich zu machen, säuselt auch der GT 63 S E Performance beim Drücken des Startknopfes die gleiche sphärische Melodie, die Mercedes für seine Elektroautos erfunden hat.

Der Auftakt einer Symphonie

Am Ende ist das hier gesungene Lied aber nur der Auftakt zu einer Symphonie, die den Wolf im Schafspelz heulen lässt. Denn wie gehabt ist das Haupttriebwerk auch beim 63 S E Performance ein 4,0-Liter-V8-Biturbomotor. Hinzu kommt ein permanenterregter Synchron-Elektromotor, der von einer High-Performance-Batterie gespeist wird, die nicht nur von AMG entwickelt wurde, sondern sich in ähnlicher Form bereits in der Formel 1 bewährt hat. So gesehen ist der 63 S E Performance dann eigentlich auch ein Hybrid. Doch anders als bei dem ist die AMG-Batterie auf permanente und häufig hintereinander abrufbare Leistung ausgelegt. Das bedeutet, dass die Energieaufnahme sehr schnell und die Leistungsdichte hoch sein muss. Das wiederum hat zur Folge, dass es eines ausgeklügelten Temperaturmanagements bedarf. Herkömmliche Kühlsysteme, die mit Luft oder Wasser arbeiten, stoßen hier schnell an ihre Grenzen.

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Trotz seines Gewichts von knapp 2,4 Tonnen macht der Mercedes-AMG 63 S E-Performance in den Kurven einen leichtfüßigen Eindruck.

(Foto: Daniel Maurer)

Deswegen zirkulieren in der nur 89 Kilogramm schweren 400-Volt-Batterie 14 Liter Kühlmittel, die mithilfe einer elektrischen Hochleistungspumpe von oben nach unten durch die gesamte Batterie an jeder Zelle vorbeifließen können. Die Hitze wird von einem Wärmetauscher in einen der beiden Niedertemperaturkreisläufe des Fahrzeugs abgeleitet und schließlich in die Umgebungsluft abgegeben. In Summe sorgt das dafür, dass das Arbeitstemperaturfenster auch bei permanenten Leistungsabrufen auf der Rennstrecke konstant bei 45 Grad Celsius liegt. Dieses Temperaturfenster ist auch der Grund, warum die Batterie eine enorm hohe Rekuperationsleistung und -geschwindigkeit zulässt.

Abseits der Theorie

Doch was ist alle Theorie wert, wenn man sie nicht in der Praxis bestätigen kann? Ein Grund, warum Mercedes-AMG auf den Circuito Monteblanco eingeladen hat, um sich ein Bild von dem Auto zu machen, das im Datenblatt eine Systemleistung von 843 PS verspricht und in Summe ein maximales Drehmoment von 1400 Newtonmeter auf alle vier Räder feuert. Tatsächlich hat dieser Familien-Bolide damit mehr Leistung als ein Formel-1-Rennwagen. Zugegeben, der wiegt auch keine 2,4 Tonnen. Allerdings geht dieses kombinierte Kraftwerk im 63 S E Performance so spielerisch mit dieser Masse um, dass man sich spätestens bei der Beschleunigungsorgie auf der Geraden fragt, ob es je einen Weg zurück geben wird.

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Lediglich 2,9 Sekunden benötigt der Mercedes-AMG 63 S E-Performance für den Sprint auf Tempo 100.

(Foto: Daniel Maurer)

Wir stecken das mal kurz in ein Zeitfenster: 2,9 Sekunden dauert es bei einem Race-Start, befeuert durch die zwei Motoren, bis Tempo 100 erreicht ist. Keine sieben Sekunden später sind 200 km/h erreicht. Und theoretisch endet der freie Flug erst bei Tempo 316. Theoretisch, weil diese Schallmauer weder auf der Rennstrecke noch auf der Landstraße durchbrochen werden konnte. Aber wer mit 254 km/h auf der Geraden kurz vor dem Überschallknall ist, zweifelt auf keinen Fall daran, dass es auch noch schneller geht. Doch vor der scharf abknickenden Rechtskurve muss erst einmal der Anker geworfen werden. Das ist der Augenblick, in dem die hier entstehende kinetische Energie schnellstmöglich in den Hochleistungs-Akku zurückgeführt werden muss, damit beim nächsten Kick-down der maximale Schub zur Verfügung steht.

Worum es eigentlich geht

Und dabei geht es bei diesem Familien-Boliden mit Formel-1-Technik am Ende gar nicht darum, auf dem Race Track als Erster die karierte Fahne zu sehen. Zumal ein Käufer, der ohne Extras für einen AMG GT 63 S E Performance 194.000 Euro ausgegeben hat, im Normalfall den sportlichen Wettbewerb meiden dürfte. Aber, und das ist das Schöne, dieser Familien-Bolide funktioniert mit all seiner Sportlichkeit auch auf der Straße. Und irgendwie hatte der Autor das Gefühl, dass der Spaß und die Herausforderung auf kurvenreichen Bergstrecken viel größer war als auf dem Rundkurs.

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Wer im Mercedes-AMG 63 S E-Performance in der zweiten Reihe reist, wird dort ebenfalls standesgemäß sitzen.

(Foto: Daniel Maurer)

Dort sorgt das Fahrprogramm Race für maximale Performance und Leistung. Aber wer im Sport-Plus-Modus durch die Berge jagt und sich abseits der Ideallinie auf öffentlichen Straßen bewegt, merkt wirklich, mit welcher unbändigen Kraft dieser Mercedes-AMG 63 S E Performance anschiebt, wie hart er sich einbremsen lässt, wie zielgenau er durch die Kehren schießt und wie schnell die Energie für den nächsten Boost wieder im Akku ist. Für den Bruchteil einer Sekunde spürt der Fahrer vielleicht auch, wie das ESP am linken Hinterrad regelt, damit der Bolide auch beim harten Zug ums Eck stabil bleibt, während das AMG-Ride-Control-Plus-Fahrwerk und die Dämpfer zeitgleich die schiere Masse einfangen. Untermalt wird das alles natürlich von dem unnachahmlichen Sound des V8, der aber irgendwie zurückhaltender klingt und weniger brachial nach hinten schreit, sondern souverän und taktvoll auf sein nunmehr partnerschaftliches Potenzial mit der E-Maschine aufmerksam macht.

Für Leute mit Hang zu ausgeklügelter Technik

Doch diese Partnerschaft hat noch eine andere Seite, die des sanften Gleitens. Nahezu lautlos rollt der AMG 63 S E Performance durch die Stadt und sammelt hie die in Hülle und Fülle zur Verfügung stehende Brems- und Rollenergie ein. Über den Fahrmodischalter am Lenkrad lässt sich nämlich nach längerem Druck über den Drehring die Rekuperationsleistung in vier Stufen einstellen. Stufe vier ist am Ende eine Art One-Pedal-Drive, wo je nach Fahrzustand bis zu 100 kW Leistung in die Batterie zurückgeführt werden kann. Wer hier mit Gefühl unterwegs ist, kann bis zum Stillstand an die Ampel rollen, ohne die Bremse bemühen zu müssen.

Selbstredend verbraucht dieser Formel-1-Sport-Hybrid im Luxuslimousinen-Format auch Benzin. Braucht er - wie kann es anders sein für den V8. Aber nimmt man die oben genannten Leistungsdaten, den Fahrspaß, Luxus und Gewicht, sind kombinierte 7,9 Liter eine geradezu vernachlässigbare Größe. Dennoch mag man sich mit Blick auf die Elektrifizierungsstrategie von Mercedes bei einem 63 S E Performance die Sinnfrage stellen. Wer soll sich dieses sündhaft teure Familien-Sportgerät kaufen? Leute mit Geld, die eine Affinität für ausgeklügelte Technik im Zusammenspiel mit unglaublicher Leistung haben. Menschen, denen Geschwindigkeit ebenso viel bedeutet wie mit höchstem Komfort von A nach B zu kommen. Und jene, die wenigstens einmal mit den Kumpels auf die Rennstrecke fahren, um sich daran zu erfreuen, wie denen der Atem schwindet, wenn das Gaspedal einmal richtig durchgetreten wird.

Quelle: ntv.de

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