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Individuell und schnell Alpina Drive Day - der BMW aus der Nische

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Der Alpina XD4 wird 268 km/h schnell und kostet mindestens 82.900 Euro.

(Foto: Roman Raetzke)

Automobile Individualität und Großserienstandard schließen sich aus, könnte man meinen. Mit Fahrzeugen aus dem Hause Alpina lässt sich dieser Zielkonflikt lösen. n-tv.de ist temporär in die Alpina-Welt eingetaucht.

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Alpina B4 S Coupé mit drei Liter großem und aufgeladenem Reihensechszylinder.

(Foto: Roman Raetzke)

Unbedarfte müssen schon genau hinsehen, um die Besonderheit auszumachen: Wenn die traditionellen Dekorstreifen an den Flanken fehlen, ist es auf den ersten Blick schwierig, einen Alpina von einem BMW zu unterscheiden, auf dem er schließlich basiert. Denn zumindest außen prangt das BMW-Logo auch auf den Exoten aus Buchloe. Bereits seit dem Jahr 1983 ist der Traditionsbetrieb aus dem Allgäu als eigenständiger Fahrzeughersteller beim Kraftfahrtbundesamt registriert und damit mehr als ein schlichter Autotuner. Klar, Karosserie und ein großer Teil der Hardware übernehmen die Buchloer von den Bayerischen Motorenwerken, aber sie geben den Modellen eigene Bezeichnungen, kreieren neue Motor-/Getriebe-Kombinationen und setzen auf spannende Nischen, die BMW nicht bedient.

Zum Aufwärmen gibt es ein B4 S Coupé mit drei Liter großem und aufgeladenem Reihensechszylinder-Benziner in der jetzt neuen Edition 99-Ausgabe (99 Exemplare werden aufgelegt, Preise ab 88.900 Euro). Der Zweitürer entspricht BMWs Vierer Coupé-Baureihe und hantiert mit Leistungswerten auf M3-Level. Alpina-Kunden bekommen die Power aber geschmeidiger serviert und Allradantrieb auf Wunsch, der für den M3 erst gar nicht verfügbar ist. Statt Doppelkupplungsgetriebe gibt es ein achtstufiges Wandlerautomatikgetriebe, um 452 PS passend übersetzt an die Hinterräder oder alle vier Räder zu leiten.

Breites Grinsen garantiert

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Ein X4 mit Dreiliter Selbstzünder? Gibt es nicht. Als Alpina XD4 schon.

(Foto: Roman Raetzke)

Ein kleiner Abstecher auf den Track bestätigt die Vorahnung: Der Kandidat mit Hinterradantrieb ist der größere Spaßmacher, lässt sich zur Not auch mal mit dem Gaspedal um die Ecke schubsen und muss immer wieder mal vom Stabilitätsprogramm eingefangen werden, während der 4x4 schon gewaltig provoziert werden muss, um die Elektronik auf den Plan zu rufen. Ein breites Grinsen des Fahrers garantieren sämtliche B4-Varianten, die auf der Straße übrigens viel Komfort spenden. Über souveränes Fortkommen muss man angesichts der Leistung nicht sprechen, wohl aber darüber, dass auch bandscheibengeschädigte Menschen unbehelligt über Kanaldeckel rollen dürfen. Ach ja, bei der Höchstgeschwindigkeit setzt Alpina keine künstliche Grenze – 306 Sachen sind drin. Der Standardsprint auf 100 km/h vollzieht sich binnen 4,2 Sekunden.

Über 300 km/h schafft das mindestens 82.900 Euro teure Mittelklasse-SUV-Coupé XD4 zwar nicht, aber hier setzen die Individualisten aus Buchloe ebenfalls auf eine Nischen-Zielgruppe: Sie pflanzen den vierfach aufgeladenen Dreiliter-Selbstzünder in die X-Karosse, den BMW erst ab einer höheren Klasse (X5) und 10.000 Euro teurer anbietet. Mit geballter Dieselpower von 388 PS und 770 Newtonmeter maximalen Drehmoment schon ab niedrigen 1750 Touren schiebt der Lifestyle-Kraxler urgewaltig an und verwöhnt die Ohrmuschel dabei mit bulligen Selbstzünder-Klängen. Auch für den XD4 gilt: Wenngleich sich der Zweitonner trotz des enormen Leergewichts ungeahnt leichtfüßig über kurvige Landstraßen bewegen lässt, straft er seine Mitfahrer keineswegs mit übertriebener Härte. Übrigens: Der XD4 wird immer noch bis zu 268 km/h schnell und braucht 4,6 Sekunden bis Landstraßentempo.

Außer etwas mehr V8-Bass fehlt nichts

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Alpina B5 Biturbo Allrad mit 608 PS.

(Foto: Alpina)

Auf Nische machen auch die großen Kombis und Limousinen der oberen Mittelklasse und Oberklasse. Wer bei BMW den zivilen, komfortbetonen Achtzylinder in der Fünfer-Reihe schmerzlich vermisst – bei Alpina gibt es ihn. Man muss erlebt haben, wie die 608 PS starke Businessklasse namens B5 Biturbo Allrad ihre menschliche Fracht in die anschmiegsamen Fauteuils drückt, ohne dass der 4,4-Liter unter der Motorhaube seine Stimme heben würde. Liebes Alpina-Team, ein Quäntchen mehr V8-Bass hätte es schon sein dürfen.

Auch wenn der Hersteller die bärenstarken Limousinen und Kombis (ab 112.000 respektive 115.300 Euro) im Rahmen der Präsentation über den Salzburg-Ring scheuchen lässt – richtig wohl fühlen sich die Tourer auf der Langstrecke als handlich anmutende Komfortspender. Schön, dass der Touring nebenbei auch mal eben 1700 Liter Gepäck einladen kann. Einen solchen Express-Kombi findet man im BMW-Modellprogramm derzeit nicht. Schon gar nicht einen, der mit 322 km/h in den Papieren gelistet ist. Auf der 100er-Marke steht die Tachonadel nach 3,5 Sekunden.

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Das Topmodell der Alpina B7 Biturbo Allrad.

(Foto: Roman Raetzke)

Noch komfortabler und geschmeidiger bettet Alpina seine Passagiere im Topmodell B7 Biturbo Allrad, das ab sofort im extrovertierten Look des modifizierten Siebeners an den Start geht. Damit regiert bei der Oberklasse mal wieder die Nische: Alpina kann nun mit dem potenteren Luxusliner aufwarten, denn der BMW M760Li xDrive wurde mit dem Einbau des Ottopartikelfilters auf 585 PS gekappt, während der B7 weiterhin 608 ausgewachsene Pferde sattelt.

Obendrein haben die Ingenieure die Drehmomentkurve abgesenkt – die surrealen 800 Newtonmeter stemmt der Achtender nun schob ab 2000 statt wie bisher ab 3000 Touren. Wer natürlich auf zwölf Zylinder besteht, wird bei BMW fündig gegen 19.200 Euro Mehrpreis – in puncto Performance und Komfort muss Alpina jedenfalls keine Befürchtungen haben.

V12 mit maximal 305 km/h

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In diesen Sitzen kann es auch in der zweiten Reihe mit 330 km/h über die Autobahn gehen.

(Foto: Roman Raetzke)

Wenn sich der B7 auf 330 Sachen aufschwingt, muss der V12 mit maximal 305 km/h die linke Bahn freimachen. Noch beeindruckender als das hohe Tempo selbst ist der Weg dahin: Mühelos zoomt sich der 5,25 Meter-Liner auf jede gewünschte Geschwindigkeit (3,6 Sekunden bis 100 km/h) und bleibt dabei frappierend leise. Dass der B7 hier trotz sportlicher Ausrichtung ein solch hohes Komfortlevel (inklusive Fahrwerk-Abstimmung) bietet, fasziniert durchaus – aber auch für ihn gilt: Ein bisschen mehr Klang wäre toll. Ab 154.800 Euro startet der ausschließlich als Langversion gelieferte B7 – bitte unbedingt bestellen: die Executive Lounge mit klimatisierten Einzelsitzen für 11.080 Euro Aufpreis. Wer dann noch Budget übrighat, dem steht ein umfangreiches Individualisierungsprogramm zur Verfügung, aus dem er wenigstens das himmlisch weiche Lavalina-Leder einmal ausprobieren sollte. Gehört ja zu Alpina wie die Farbklassiker blau und grün plus Dekorstreifen irgendwie dazu.

Quelle: ntv.de

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