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Mehr Frage- als Ausrufezeichen Audi A3 Limousine fährt gegen Stuttgart an

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Mit der Audi A3 Limousine wollen die Ingolstädter vor allem in den USA und China der Mercedes A-Klasse Limousine Konkurrenz machen.

(Foto: Audi)

Es ist noch nicht lange her, da feierte der fünftürige Audi A3 Sportback seine Premiere. Jetzt schicken die Ingolstädter die Limousine ins Rennen. Vor allem Mercedes will man damit Kunden abjagen. Nicht hierzulande, aber in China und den USA.

Wenn einst in der Kita-Vorschulgruppe das Zeichnen eines Autos auf dem Programm stand, war das schnell zu Papier gebracht. Steiler Kühler, gerade Motorhaube, Frontscheibe, ein Strich horizontal nach hinten, vertikales Heckfenster und dann der Kofferraum wie ein angepappter Rucksack. So sahen halt die meisten Limousinen aus. Heute würden deutsche Kids wohl eher einen SUV skizzieren und damit ein Problem offenbaren, vor dem nicht nur Audi steht.

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Wenn an der A3 Limousine etwas leuchtet, dann mit LED-Technik.

(Foto: Audi)

SUV-Modelle sind im Trend, die schmächtigeren Fünftürer gerade noch geduldet, aber die klassische Limousinen-Form scheint aus dem Blick der deutschen Fans kompakter Autos einfach verschwunden zu sein. So taucht der weltweit erfolgreiche VW Jetta auf der heimischen Volkswagen-Website gar nicht mehr auf, der viertürige Opel Astra ist ebenso Geschichte wie die Stufenheck-Variante des Ford Focus.

Nur die A-Klasse Limousine von Mercedes hält hierzulande die Klassik-Fahne hoch. Wobei Daimler seine Zielgruppe für die Limousine wohl eher in China und den USA als in heimischen Gefilden sucht. Das ist ein Grund, warum die Stuttgarter in Deutschland nicht so viel Gewese um das Gefährt machten. Zudem fährt unter dem A-Klasse-Stern noch ein Coupé, das die Begehrlichkeiten nach Fahrzeugen mit dem Heckdeckel in Deutschland befriedigen soll.

All das wissen natürlich auch die Ingolstädter. Der Audi A3 ist als Limousine mit 4,50 Metern um 15 Zentimeter länger als das Heckklappen-Modell und um fast genau den gleichen Wert kürzer als der größere und teurere Bruder A4. Der Verkauf des Neulings in der Audi-Kompaktklasse soll in Deutschland im Sommer zu Preisen ab 27.700 Euro beginnen.

Der sportive Geist soll beschworen werden

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Das Stummelheck der Audi A3 Limousine sorgt für den sportlichen Abschluss.

(Foto: Audi)

Die Stufenheck-Version des "Dreiers" gab es auch schon vom bisherigen A3. Mit dem Nachfolger wollen die Designer den sportiven Geist noch deutlicher auf die Straße bringen. Bis zur mittleren Säule übernahmen sie vom Sportback die Frontpartie und den seitlichen Feinschliff. So auch die dickeren Backen rund um die Radhäuser als Hommage an die Ikone Quattro. Die Seitenpartie unterhalb der etwas nach außen ragenden Gürtellinie wölbt sich gleichsam entgegengesetzt einen Hauch nach innen. Das ergibt einen spannenden Effekt aus Licht und Schatten je nach Wetterlage und Sonneneinstrahlung.

Der Unterschied zum Heckklappen-A3 beginnt kurz vor der Hinterachse. Biegt dort die Karosserielinie beim Sportback nach oben ab, folgt sie bei der Limousine dem geraden Weg bis zu den Rückleuchten. Das Limousinen-Dach beginnt seinen Abstieg gen Hinterteil schon über der gedachten Trennlinie zwischen Front- und Fondsitzen und beendet ihn im sanften Schwung erst am Heckspoiler, der das stummelige Heck abschließt. So entsteht die gewünschte coupéartige Anmutung.

Der Viertürer ist mit jetzt 1,43 Metern Höhe um zwei Zentimeter flacher als sein Brüderchen. Da die Sitze um den gleichen Wert tiefer montiert sind, ist der lichte Raum über den Köpfen aller Insassen ausreichend, auch wenn die Hinterbänkler nicht unbedingt die 1,90 Meter überragen sollten. Nicht vergessen: Der A3 gehört nun mal der Kompakt-Gilde an. In den Kofferraum passen wie bisher 425 Liter, fünf Liter mehr als in die Mercedes-Limousine der A-Klasse. Beide haben aber auch nicht fünfköpfige Familien als mögliche Kundschaft im Visier.

Alles was leuchtet vertraut der LED-Technik

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Im Innenraum gleichen sich die A3-Modelle wie eineiige Zwillinge.

(Foto: Audi)

Punkten kann der Neuling dank der Feinarbeit an seiner klassischen Form durch seine Fähigkeit, aalglatt durch den Fahrwind zu flutschen. Dazu trägt der recht große Diffusor unter dem Heck ebenso bei wie die pfiffige elektronische Steuerung der beiden Kühlerjalousien, die den Lufthunger des Triebwerks automatisch befriedigen. Der oft zerklüftete Unterboden ist beim A3 verkleidet. In Summe kommt die Limousine so auf einen cw-Wert von 0,25 im Vergleich zum Vorgänger mit seinen 0,29. Zum "Weltmeister" A-Klasse (cw 0,22) bleibt aber ein Respektabstand.

Der Innenraum, das Motorenangebot, das üppige Paket an Assistenzsystemen und die digitale Invasion in und um das Cockpit herum gleichen dem Fünftürer bis ins Detail. Fast alles, was innen und außen leuchten kann, vertraut auf LED-Technik. Das virtuelle Anzeigesystem im 10,25-Zoll-Format bietet neben Tacho und Drehzahlmesser auf Wunsch viele Zusatz-Infos. Diverse Fahrerwünsche können per Sprachbefehl oder Gekritzel auf einem kleinen Pad per Handschrift an den Audi gemeldet werden. Bald soll auch Alexa zu den Passagieren zählen, die dann unweit des Eigenheims schon mal die Lampen anknipsen kann.

Start im Sommer ist ungewiss

Zum Start im Sommer, der sich natürlich durch die Corona-Krise noch nach hinten verschieben kann, ist wie beim Sportback das Motorenangebot noch überschaubar. Gestartet wird mit einem Benziner in zwei Versionen und einem Diesel. Der 1,5-Liter-35 TFSI mit 150 PS kann entweder mit Sechsgang-Schaltgetriebe oder mit einer Siebengang-Automatik bestellt werden.

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Bei den Motoren ist das Angebot der Audi A3 Limousine weit gefächert.

(Foto: Audi)

Wer Letzteres wählt, bekommt ein 48 Volt Mild-Hybrid-System dazu. Es gewinnt beim Verzögern Energie zurück, unterstützt den Motor beim Anfahren und Gasgeben aus niedrigen Drehzahlen mit bis zu 50 Newtonmeter Drehmoment und lässt die A3-Limousine in vielen Situationen mit ausgeschaltetem Motor segeln. Im Fahralltag soll das den Verbrauch um bis zu 0,4 Liter auf dann rund 4,5 l/100 km senken. Ein traumhafter, aber kaum glaubhafter Wert für den Benziner. Für Diesel-Fans gibt es ein gleichstarkes Zweiliter-Triebwerk in Verbindung mit der serienmäßigen Automatik. Später folgen dann noch schwächere Varianten wie der Benziner mit Einliter-Dreizylinder mit 110 PS oder der Diesel mit 116 PS.

Ob es Audi gelingt, mit seinem Viertürer auch im Heimatland zu punkten, ist ungewiss. Was aber die Strategen letztlich nur wenig interessieren dürfte. In den klassischen Limousinen-Länder wie USA und China leben nämlich gleichzeitig die meisten Audi-Kunden. Auch bei den Russen ist ein Auto mit "richtigem Kofferraum" stets die zweitbeste Wahl nach dem SUV. Deshalb kann Audi es locker verkraften, dass der Abkömmling des Sportback im kleinen Deutschland eher ein Frage- als ein Ausrufezeichen setzten wird.

Quelle: ntv.de, hpr, sp-x