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Der will hoch hinaus Mit der A-Klasse Limousine in den Wolken

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Die Mercedes A-Klasse-Limousine macht nicht nur bei der Fahrt durch den Mount-Rainier-Nationalpark eine gute Figur.

(Foto: Holger Preiss)

Die A-Klasse als Limousine? Bringt das was? Für Märkte in China und den USA auf jeden Fall. Aber auch in Deutschland könnte der coupéhaft geschnittene Sedan seine Freunde finden, denn der Wagen sieht nicht nur schick aus.

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Die Mercedes A-Klasse Limousine ist mehr sportliches Coupé als ein "Rucksackträger".

(Foto: Holger Preiss)

Auf der Auto-Show in Peking feierte die A-Klasse Limousine ihre Weltpremiere, in den USA soll sie nun den Journalisten ihr Können unter Beweis stellen. Dass die zwei größten Automärkte der Welt gewählt wurden, liegt natürlich auch daran, dass die Limousine im Rest der Welt einen schweren Stand hat. Dabei ist das mit Blick auf die neuen Modelle ungerecht. Viel näher sind die Rucksackträger inzwischen optisch an sportliche Coupés gerückt. In Deutschland könnte man sich sogar vorstellen, dass die schnittige A-Klasse die CLA-Fahrer abholt, die jetzt doch etwas mehr Platz und Komfort suchen. Schnittig genug ist die Limousine allemal. Andererseits verspricht Mercedes die Neuauflage seines kleinsten Coupés. Und wenn man den Insidern glaubt, dann wird das ein "verdammt scharfes Teil".

Manchmal etwas in Wallung

Doch zurück zum Sedan, wie die Limousine in den USA genannten wird. Die darf ebenfalls mit feschen Zügen aufwarten, wenngleich man die in der Front bereits vom Hatchback kennt. Das Heck, wen wundert's, ist natürlich eigen. Am auffälligsten sind die zweiteiligen Heckleuchten und die in den ebenfalls zweiteiligen Heckstoßfänger ausgelagerten Rückstrahler. Für die dynamische Note prangen unterhalb die trapezförmig verblendeten Endrohre. Allerdings hat es mit der Sportlichkeit so seine Tücken. Selbst der als A 220 geführte Vierzylinder mit 190 PS und einem maximalen Drehmoment von 300 Newtonmeter ist kein Rennstreckenmotor. Kann er auch gar nicht sein, will es dem Fahrer aber suggerieren.

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Drei Fahrprogramme stehen dem A-Klasse-Fahrer zur Verfügung.

(Foto: Mike Schaffer)

Das macht er vor allem bei spontaner Leistungsanforderung durch sein tonal ungestümes Aufwallen. Dabei hat er das gar nicht nötig, denn die Kraft läge auch an, wenn die Drehzahlen durch die Elektronik etwas linearer nach oben getrieben würden. Technisch ist die Idee wiederum nachvollziehbar, denn gerade beim Kurvenräubern müssen die Drehzahlen hoch bleiben, damit am Ausgang ohne Verzug aus der Kehre beschleunigt werden kann. Das wird besonders deutlich, wenn man die 168 Kilometer von Seattle nach Yakima durch den Mount-Rainier-National-Park zurücklegt. Kurvenreich zieht sich der Highway 12 durch ein Gebiet, das zum einen dem Schwarzwald mit riesigen dunklen Tannenwäldern gleicht, um kurz darauf in den Wolken zu landen und dann auf eine üppige Landschaft zuzustürzen, in der vor allem Äpfel und Wein angebaut werden. Nur wenige Meilen später kommt der abrupte Bruch und eine fast karge Berglandschaft tut sich über weite Strecken auf.

Fein ausgefedert und allradgetrieben

Doch zurück zum A 220, der hier behände seine Bahn zieht. Unterstützt durch die direkte Lenkung mit feiner Rückmeldung wird der Fahrer schnell verleitet, hier den Fuß immer weiter auf den Pin zu stemmen. Und der Schwabe kann es, denn der A 220 fährt ausschließlich mit Allradantrieb vor. So kann die Kraft, die im Normalfall zu 100 Prozent an die Vorderachse geht, in Grenzbereichen durch die Elektronik in ein Verhältnis 50 zu 50 gewandelt werden. Aber auch der Fahrer hat die Möglichkeit, ins Geschehen einzugreifen. Über den Fahrmodi-Regler kann er zum Beispiel die Charakteristik des über sieben Stufen schaltenden Automatikgetriebes beeinflussen. Zwei Kennlinien stehen für die Kupplungssteuerung zur Verfügung. Wobei die sportliche den ersten Gang an der Kreuzung reinzimmert, als wolle Lewis Hamilton das Rennen von der Pole in einem Ritt gewinnen.

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Das Cockpit mit zwei 10,25-Zoll-Displays gibt es optional für die A-Klasse.

(Foto: Mike Schaffer)

Während der Pilot noch den harten Schlag vom Start verdaut, darf er sich sieben Sekunden später über Tempo 100 freuen, über ein Fahrwerk, das den Lauf stabil hält und eine Dämpfung, die Unebenheiten sanft ausfedert. Nichts ist da mehr von der unwirtlichen Härte der Erstauflage der kompakten A-Klasse zu spüren, auch nicht im Spitzentempo von 235 km/h. Wer auf das Höchsttempo verzichtet, der wird auch feststellen, dass sich mit längerer Fahrt auch die tonale Anstrengung des Motors verläuft. Wesentlich deutlicher werden jetzt die Rollgeräusche, die die 19-Zoll-Niederquerschnittreifen je nach Straßenbelag in den Innenraum senden, wahrgenommen. Ein Umstand, der sich mit anderen Gummis und einer anderen Felgengröße zweifelsfrei umgehen ließe. Allerdings würde der Wagen dann gerade in der Silhouette einiges an Stand verlieren.

Einfach die Beine baumeln lassen

Natürlich ist, wer in den USA beseelt durch die Kurven rauscht, immer jenseits geltender Gesetze. Deshalb darf sich freuen, wer hier die gesamte Sammlung an Assistenzsystemen in der Optionsliste angekreuzt hat. So bestückt kann der Pilot auf Wunsch seinen A 220 Sedan fast allein über den Highway 12 düsen lassen. Auf Wunsch hält der Wagen die Spur, überwacht den toten Winkel und korrigiert die Geschwindigkeit entsprechend den Vorgaben am Straßenrand. Wer das Navi bemüht, um den rechten Weg zu finden, der kann noch einen drauflegen: Jetzt passt das System nämlich auch die Geschwindigkeit in Kurven und Kreisverkehren an und das macht es bravourös.

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In der zweiten Reihe lässt es sich durchaus reisen.

(Foto: Mike Schaffer)

Die über das Navi gesammelten Daten der Strecke werden im Zusammenspiel mit den Tempoanweisungen auch bei den Kurvengeschwindigkeiten angepasst. Wer also in Comfort unterwegs ist, wird langsamer ums Eck gezirkelt als der, der in Sport seine Bahnen zieht. Nun mag der eine oder andere tönen, dass hier seine fahrerische Freiheit und Individualität beschnitten werde. Dem ist mitnichten so, denn die Assistenzsysteme lassen sich alle deaktivieren, bis hin zum ESP.

Diejenigen, die die Fahrt aber technikgesteuert hinter sich bringen, haben Gelegenheit, einfach mal die Beine "baumeln" zu lassen und zu genießen, was oben bereits blumig beschrieben wurde. Den Blick aus dem Fenster können natürlich auch die Fond-Passagiere wagen, die mit einem recht guten Platzangebot bedacht sind. Jedenfalls, solange die Körperlänge die 1,85 Meter nicht überschreitet. Hier wird es nicht nur für die Knie schwierig, sondern auch für Sichtachse nach draußen. Die coupéartige Dachlinie sorgt im Zusammenspiel mit der C-Säule für Einschränkungen.

Freiheit im Gepäckabteil

Mehr Freiheit gibt es im Gepäckabteil. Das fasst jetzt 420 Liter und ist mit einer recht niedrigen Kante ladefreundlich. Der Zuladung kommen auch die 95 Zentimeter breite Gepäckraumöffnung und die Diagonale zwischen Schloss und Unterkante der Heckscheibe von 46 Zentimetern entgegen. Ein Punkt, der hier noch keine Erwähnung fand, ist der Verbrauch. Ehrlich gesagt ist der erfahren auf US-amerikanischen Straßen nicht repräsentativ. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 113 km/h ist es ein Leichtes, den angegebenen Durchschnittsverbrauch von 6,7 Litern über 100 Kilometer zu erreichen. Auf deutschen Straßen, mit anderen Leistungsanforderungen werden mit Sicherheit ein bis zwei Liter dazukommen.

Natürlich ist die Motorenpalette auch bei der A-Klasse Limousine deutlich breiter aufgestellt. Den Einstieg bildet der A 200, der seine Kraft von 163 PS aus 1330 Kubikzentimetern Hubraum schöpft und seinen preislichen Einstieg bei 31.000 Euro hat. Dazwischen liegt der oben beschriebene A 220, der bei 36.400 Euro startet. Die momentane Leistungsspitze liegt beim 224 PS starken A 250 für 37.300 Euro. Im Bereich der Diesel steht ein Fahrzeug zur Verfügung, der A 180d mit 116 PS. Kostenpunkt sind hier 32.000 Euro.

Quelle: n-tv.de

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