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Bayerische Power-Limousine BMW M340i zieht die Flinte aus dem Futteral

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Optisch verrät der BMW M340i nur sehr dezent, was für eine Sportskanone er ist.

(Foto: Holger Preiss)

Dass BMW immer darauf bedacht ist, seinen Fahrzeugen einen besonders sportlichen Touch zu geben, ist bekannt. Auch, dass einem Alltags- immer noch ein Leistungssportler folgt. In der eben erneuerten 3er-Reihe ist es der M340i, eine echte Sportskanone.

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Aus der doppelflutigen Abgasanlage entlässt der BMW M340i auf Wunsch scharfe Salven.

(Foto: Holger Preiss)

Gerade ist der neue 3er BMW durchgestartet, da schieben die Bayern bereits ein Performance-Modell in Form des M340i hinterher. Vorerst als Limousine, aber in Kürze auch als Kombi für die hiesigen Märkte. Denn so eine Power-Limousine wird vorrangig in den USA und England gekauft. Tatsächlich sind die Briten der zweitgrößte Abnehmer für ein solches Auto. Die Deutschen stehen hier an siebter Stelle, sind aber dafür beim Touring genannten Kombi ganz vorn. Doch wie dem auch sei, der M340i ist auf absehbare Zeit das Ende der Fahnenstange, aber nicht die Wachablösung für einen M3. Der steht außer Frage und in den Startlöchern.

Du hast doch wohl einen Vogel?

Aber bevor der Performer im Endstadium auftaucht, wenden wir uns dem M340i zu. Auch hier darf die Fraktion derjenigen, die große Hubräume und viele PS nicht mögen, die Nase rümpfen oder dem Autor, wie auf der Testfahrt mehrfach passiert, einen Vogel zeigen. Das lag übrigens daran, dass der M340i mit einer Sportabgasanlage bewaffnet ist, die das, was der Reihensechszylinder vorne leistet, hinten klappengesteuert aus den Doppelendrohren entließ. BMW spricht hier von einem "besonders markanten und emotionsstarken Klangbild". Die Umstehenden hatten aber wohl eher Angst, dass der Autor, der im Sport- oder Sport-Plus-Modus vorbeifuhr, des Försters Büchse im Gepäck hatte, aus der des Öfteren Schüsse in Form von Doppelsalven abgefeuert wurden.

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Wer in Sport Plus mit dem BMW M340i um die Kurven wetzt, der sollte nur ganz sanft am Lenkrad drehen.

(Foto: Fabian Kirchbauer)

Nun gut, nachdem einmal der Scheibenwischer und ein zweites Mal der Vogel gezeigt wurden, ließ der Autor geflissentlich vor Ortseinfahrten den Comfort-Modus für Ruhe am Heck sorgen und glitt sanft an den Passanten vorbei. Denn, Vorteil des Ganzen, auf den ersten Blick wird der Laie den M340i nicht als fahrendes Attentat, sondern als bayrisches Kompaktauto erkennen und der Pilot profitiert von den adaptiven Dämpfern des M-Sportfahrwerks, das neben dynamisch auch ganz sanft kann. Zudem ist ein weiterer Bestandteil des Fahrwerks die variable Sportlenkung. Deren Spreizung ist übrigens enorm. Zum einen glänzt sie mit einem souveränen Geradeauslauf, zum anderen ist sie gerade beim Abbiegen und Rangieren butterweich.

Spitz wie Nachbars Lumpi

Aber wehe, wenn die Flinte im Sport-Plus-Modus aus dem Futteral gezogen wird. Wenn der Sechszylinder dank TwinPower-Turbo-Technologie seine 374 Pferde auf die Koppel entlässt und ein maximales Drehmoment von 500 Newtonmetern an alle vier Räder abfeuert, bedarf es nur eines Fingerzeigs und der 3er zuckt in die vorgegebene Richtung. Spitz wie Nachbars Lumpi, dabei aber millimetergenau. Allerdings ist dieser Modus eher was für den Treck als für die Landstraße. Hier wird der Bayer dann echt bissig und will geführt werden, was bei dieser extremen Direktheit schon etwas Übung bedarf. Wer zwischen Wald und Wiese flott ums Eck geht, der sollte das im Sport-Modus machen. Hier haben die BMW-Ingenieure die Lenkung etwas geöffnet und geben den elektronischen Helfern eine Chance zur Unterstützung, ohne dabei zu sehr ins Geschehen einzugreifen.

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Der BMW M340i kann nicht nur schnell, er kann auch Kurven.

(Foto: Fabian Kirchbauer)

Speziell ist hier die elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung gemeint, die für die variable Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse sorgt. Zudem reagiert die Fahrstabilitätsregelung DSC innerhalb von Sekundenbruchteilen auf veränderte Fahrsituationen. Das sorgt tatsächlich für ein ungemein sicheres Gefühl bei extrem sportlicher Fahrweise. Allerdings nimmt sich das Programm im Sport-Plus-Modus deutlich zurück. Hier rückt die hinterradbetonte Abstimmung spürbar in den Vordergrund. Wer das mal im Exzess ausprobieren will, der kann die Vorderräder schräg stellen und das Gaspedal mit ganzer Wucht ins Bodenblech prügeln. Die Drehung um die eigene Achse ist dem Probanden gewiss.

Wer jetzt aber mit Vollgas startet, während die Räder gerade gestellt sind, dem darf versichert sein, dass er in 4,4 Sekunden Tempo 100 erreicht. Nun kann er ohne jede Verzögerung den acht Schaltstufen folgen, bis er bei 250 km/h die Endgeschwindigkeit erreicht hat. Um hier wieder runterzukommen, haben die BMW-Ingenieure dem M340i eine neue Sportbremsanlage an die vorn mit 225er und hinten 255er Gummis bespannten 18 oder 19 Zoll großen Alus geheftet. Vorne hacken vier Kolben in 348 Millimeter große Scheiben, hinten beißt ein Kolben in 345er. Dank eines kurzen Pedalwegs und ausgezeichneten Druckpunkten lässt sich die Bremse aufs Feinste dosieren, wirft aber auf Wunsch auch den Anker und lässt den Bayern tief eintauchen.

Hier mischt sich keiner ein

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Wer die Geschwindigkeit liebt, muss sich natürlich auf einen höheren Spritverbrauch einstellen..

(Foto: Fabian Kirchbauer)

Böse Eingriffe durch die Elektronik muss der Pilot im Übrigen auch bei den Drehzahlen nicht befürchten. Es ist und bleibt Gesetz, dass ein M sich in den Begrenzer fahren lässt, ohne dass der Schaltautomat eingreift. Wer also, aus welchen Gründen auch immer, beim Schalten über die großen Wippen am Lenkrad im Drehzahlbereich jenseits der 7000 hängenbleibt, muss sich schon per Fingerzug selbst befreien. Die Elektronik wird sich hier nicht einmischen. Apropos Umdrehungen, auch das ist ein großes Plus des Sechszylinders im M340i: er ist extrem drehfreudig. Was wiederum zur Folge hat, dass weniger geschaltet werden muss. Klar, wer in hohen Drehzahlen fährt und freudig seine Salven abfeuert, der wird mehr verbrauchen. Auf der Testfahrt rund um München gingen über 130 Kilometer gut 13 Liter Super in Rauch auf. Aber bei den Leistungsdaten und der flotten Fahrweise ist das ein akzeptabler Wert. Das Datenblatt jedenfalls geht bei gemäßigter Fahrweise von einem Verbrauch von knapp 7,5 Litern aus. Der Autor würde eher 8,5 bis 9,0 Liter schätzen.

Akzeptabel ist für diese Sportmaschine im Alltagskleid auch der Einstiegspreis von 62.000 Euro. Denn für diesen Preis gibt es nicht nur den feinen Sechszylinder samt knackiger Bremsanlage und eine exzellente Achtgang-Automatik, es gibt auch Sportsitze im M-Design sowie Aluminiumeinstiegsleisten, 3-Zonen-Klimaautomatik, automatisch abblendende Außenspiegel und ein Ablagenpaket. Außerdem gehören die Park Distance Control mit Sensoren an Front und Heck des Fahrzeugs, das BMW Live Cockpit Plus mit Navigationssystem und 8,8 Zoll großem Control Display sowie das Connected Package Plus einschließlich Real Time Traffic Information, Remote Services, Concierge Services und Apple-CarPlay-Vorbereitung zur Serienausstattung. Und wem die 480 Liter Kofferraumvolumen der Limousine zu wenig sind, der kann selbstredend auf dasselbe Paket in einem M340i Touring zurückgreifen und hat dann 500 bis 1510 Liter Stauraum.

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Die wirklich guten Sportsitze sind im Grundpreis von 62.000 Euro enthalten.

(Foto: Holger Preiss)

Egal, ob Limousine oder Touring, der M340i trägt für den Moment die Krone der Dreierreihe und das zu Recht. Seine gesamte Attitüde ist in allen Details stimmig und damit die logische Folge aus einer in München über die Jahrzehnte entwickelten Handwerks- und Ingenieurskunst. Ob der M340i bei der momentan auf CO2-Neutralität gepolten Gesamtentwicklung in Deutschland ein Auslaufmodell ist, wird sich zeigen. Da er aber auf den Straßen im einstigen Land der Denker und Dichter ohnehin keine Massenerscheinung ist, wird er seine Fans ohnehin vor allem in anderen Teilen der Welt finden.

Quelle: n-tv.de