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Sportler mit großer Niere BMW M440i Coupé - das ist kein 3er mehr

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Der BMW 4er sieht nicht nur anders aus als der 3er, er fährt sich auch sportlicher.

(Foto: Bernhard Limberger)

Der 4er ist kein 3er. Das hat BMW seit Jahren propagiert. Nur wurde es nicht ersichtlich. In der Neuauflage sieht das Coupé nicht nur anders aus, es hat auch fahrtechnisch einiges an die Hand bekommen, dass es vom 3er unterscheidet. ntv.de hat es am M440i Coupé getestet.

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Auch am Heck zeigt der BMW 4er klare Kante.

(Foto: Bernhard Limberger)

Bislang galt die 4er Baureihe vielen schlicht als 3er Coupé. Da das aber eigentlich nie so war, wollte BMW mit der neuen Generation klare Zeichen setzen und hat dem Sportler mal kurzerhand eine markante Front in Form einer vertikalen Niere verpasst, eine Seitenlinie gezogen, die das Coupé weiter Richtung Boden drückt und ihm eine ausgeprägte und sehr starke Schulter an den hinteren Kotflügeln ins Blech gefalzt und dabei auch gleich noch das Heck verschärft. All das steht dem Bayern ausgesprochen gut und hebt ihn deutlich vom 3er ab.

Am Ende reichte den Verantwortlichen die optische Trennung aber nicht und sie sorgten dafür, dass der 4er sich auch wie ein echtes Sportcoupé fährt. Das darf aber nicht missverstanden werden. Es ging nicht darum ein Auto zu erschaffen, dass auf dem Rundkurs bestehen kann, vielmehr wollte man einen Dynamiker auf die Räder stellen, der eben nicht bei jeder Querfuge die Plomben des Fahrers zum Wackeln bringt, sondern bei allem Fahrspaß auch den Komfort bietet, den es für gepflegte Langstreckenfahren braucht. Am Ende also der ewige Spagat, dem sich der Premiumhersteller hier unterworfen hat.

Das M ist nicht das Hauptprogramm

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Das 4er Coupé kann aber nicht nur sportlich. Der Bayer hat auch ganz hervorragende Eigenschaften als Langläufer.

(Foto: Bernhard Limberger)

Wer es dennoch klar in Richtung Sport treiben will, kann sich optional das M Sportfahrwerk ans Chassis heften lassen. Wer es ausgewogener mag, ordert das Adaptive M Fahrwerk mit variabler Sportlenkung. Nicht die preiswerteste, aber mit Abstand die vielseitigste Möglichkeit in allen Gangarten mit bestem Federungskomfort oder eben bester Kurvenstabilität unterwegs zu sein. Prinzipiell wurde bei allen 4er-Modellen mit Hilfe eines spezifischen Strebenkonzepts die Karosseriesteifigkeit erhöht, was prinzipiell andere Kurvenfahrten zulässt als zum Beispiel in einem Dreier. Und ganz ehrlich, auch der hat in den Kehren nicht wirklich Probleme.

Die Probe aufs Exempel machte ntv.de in München mit dem M440i. Zugegeben, nicht ganz fair, denn unter der Haube des bereits mit dem Buchstaben der Sportabteilung von BMW geadelten 4er zündet der bekannte Drei-Liter-Reihensechszylinder mit Twinturbo-Aufladung, also einem kleinen und einem großen Lader, der dem Treibsatz beim Atmen hilft. Zudem gibt es für den ohnehin 374 PS zur Verfügung stellenden Benziner durch die 48-Volt-Technologie einen zusätzlichen Boost von 11 PS. Wer also hier in den zwei Zentimeter tiefer als im 3er liegenden Sportsitz eintaucht, wird auf BMW-typische Art in das Fahrzeug eingebunden.

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Wie bei BMW üblich wird der Fahrer auch im 4er Coupé Teil des Fahrzeugs.

(Foto: Bernhard Limberger)

Der Griff in das sehr dicke Lenkrad, lässt den Piloten sofort die großen Schaltwippen ertasten, die es bei der 8-Gang Steptronic auch für eine sportliche Fahrweise nur braucht, wenn der Pilot sehr ambitioniert ist und der Überzeugung, dass er die Schaltpunkte besser findet als die Elektronik. BMW bietet für den Sportler selbstredend fünf Fahrprogramme wobei natürlich Sport und Sport Plus die Stufen sind, die nicht nur ein emotionales Klangbild versprechen, sondern auch für einen Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in 4,5 Sekunden sorgen. Das überrascht angesichts der oben genannten Kraftausbeute wenig, erfreut aber, weil der Reihensechser seine Arbeit so souverän, linear und klaglos verrichtet, das man keine Sekunde das Gefühl hat, dass an irgendeiner Stelle auch nur ein Quäntchen Kraft fehlen könnte.

Pfiffiges für den Sprint

Und weil das so ist, hat sich BMW noch etwa sehr pfiffiges einfallen lassen. Angesichts der Tatsache, dass wohl kaum jemand, auch angesichts eines dann durchaus zweistelligen Verbrauchs, im Dauersprint über die Straßen feuert, aber durchaus bei Überholmanövern einen spontanen Antritt wünscht, wurden die Schaltwippen genau zu diesem Zweck entsprechend belegt. Das heißt, wenn der Katapultstart gewünscht wird, zieht der Fahrer eine Sekunde am linken Paddle und sofort wird der Sport-Modus scharf geschaltet. Die Drehzahlen erhöhen sich, die Gaspedalkennlinie wird spitzer und der M440i schießt auf Wunsch nach vorn. Ist der Überholvorgang abgeschlossen, kehrt der Bolide in den Comfort-Modus zurück. Wer das jetzt für Spielerei hält, der irrt. Während der Testfahrt bereitete dieses Feature nicht nur gehörigen Spaß, sondern erschien auch sinnvoller, als immer in der Mittelkonsole das Fahrprogramm auf Tastendruck zu verändern.

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Die Sportsitze im BMW 4er taugen auch auf langer Strecke.

(Foto: Fabian Kirchbauer)

An dieser Stelle muss aber unbedingt noch ein Wort über die Lenkung des 4er Coupés verloren werden. BMW ist bekannt dafür gerade bei seinen sportlichen Ablegern der Lenkung einen sehr strammen und spitzen Charakter zu geben, der bisweilen bei falscher Handhabung einige Unruhe ins Fahrzeug bringen kann. Nicht so beim 4er. Die hier applizierte variable Sportlenkung glänzt mit hoher Präzision, ohne auch nur im Ansatz zickig zu wirken.

Selbst bei schnellen Lastwechseln blieb der Wagen erstaunlich ruhig, schob, wie man es von einem BMW erwartet, nachdrücklich mit den Hinterrädern, ohne dabei auch nur eine Sekunde ans Ausbrechen zu denken. Und das selbst bei nasser Fahrbahn nicht. Ja, alles hat seine Grenzen und auch einem M440i steht irgendwann die Physik im Weg. Aber, die Kunst besteht halt darin diese Grenze so weit wie möglich nach hinten zu verschieben. Ein letztes Lob gebührt der M Sportbremsanlage, die im M440i serienmäßig verbaut ist und dank kurzer Pedalwege und bester Dosierbarkeit für ausgezeichnete Verzögerungen in allen Situationen sorgte.

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Für Kinder gibt es in der zweiten Reihe des 4er Coupé ausreichend Platz, aber wegen der hohen Schulter wenig zu sehen.

(Foto: Fabian Kirchbauer)

Aber noch mal: der 4er ist auch als M440i kein Rennwagen, er steht vor allem für die entspannte Reise. Die gelingt in der ersten Reihe auf jeden Fall. Ob man sich als Erwachsener über die Distanz gerne in den Fond zwängt, hängt von der Größe ab. Kinder finden in jedem Fall ausreichend Platz auf den zwei Einzelsitzen, dürften aber aufgrund der hohen Schulterlinie auf Dauer über mangelnde Aussicht klagen. Da hilft dann wohl auch nicht das optional erhältliche Glas-Hubdach, das erstmals eine Länge von einem halben Meter hat.

Zwei Linien, viele Pakete

Und damit haben wir auch gleich die Kurve zu den Beigaben bekommen, die BMW für den 4er anbietet. Hierbei muss angemerkt werden, dass die Bayern beim 4er auf die einzelnen Linien verzichten, die es früher gab. Vielmehr bieten sie für alle Fahrzeuge eine Serienausstattung an oder ein Modell M Sport. Zur Serienausstattung die mit dem 420i und einem 184 PS starken Vierzylinder mit 48-Volt-Technologie daherkommt starten die Preise bei 44.645 Euro. Darin enthalten sind zum Beispiel der adaptive Tempomat, der den Abstand und die Geschwindigkeit zum Vordermann halten kann inklusive Stauassistent.

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Auf Wunsch gibt es für das BMW 4er Coupé ein 50 Zentimeter langes Glasdach.

(Foto: Fabian Kirchbauer)

Alle anderen Features bietet BMW für den 4er in der Optionsliste an. Entweder einzeln oder in Paketen sind so eine aktive Navigationsführung und der automatische Rettungsgassenassistent zu bekommen. Ein neues und wirklich brillantes Head-up-Display und 3D-Umgebunsgvisualisierung im Zentrum der Cockpit-Anzeige wäre eine weiter Option. Ebenso der Park Assistent, den es nur noch in Verbindung mit dem Rückfahrassistenten gibt. Der merkt sich nämlich die vorwärts gefahrene Strecke und kann sie im Notfall exakt so zurückfahren. Super Sache, wenn man versehentlich in die Tiefgarage gefahren ist und unten feststellt, dass die Wege doch versperrt sind.

Am Ende ist es aber wie immer: Wer viel will bekommt viel und bezahlt dafür ordentlich. So ein M440i startet immerhin bei 65.213 Euro. Packt man ihn richtig voll, und hier sind vor allem die Assistenzsysteme gemeint, landet man locker bei 75.900 Euro. Gemessen an einen M4 Competition Coupé ist das aber noch ein Schnapp. Der ultimative Sportler kostet nämlich mindestens 88.705 Euro. Ein Tipp sei für sportliche Vielfahrer ausgesprochen: Ab dem kommenden Jahr wird BMW auch ein M440d xDrive Coupé anbieten. Befeuert wird das von einem Reihensechszylinder-Dieselmotor der 340 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 700 Newtonmetern generiert. Unterstützt wird der Selbstzünder mit 11 PS durch die 48-Volt-Mild-Hybrid-Technologie. Der Sprint auf Landstraßentempo dauert 4,7 Sekunden, Spitze sind abgeregelte 250 km/h. Den Verbrauch gibt BMW nach WLTP mit 6,7 Liter an.

Quelle: ntv.de