C-Beyond, das Auto der ZukunftBlick in die Kristallkugel
Beim Zulieferer Visteon denkt man weiter in die Zukunft und versucht gängige Schemata aufzubrechen. Neue Konzepte für Klimaanlagen, Multimediasysteme oder die Beleuchtung im Auto bündelt die Studie C-Beyond, die dem Hersteller als fahrendes Versuchslabor dient.
Automobilzulieferer Visteon wagt einen intensiven Blick in die Kristallkugel der Mobilitäts-Zukunft. Schon im Jahr 2015 sollen die Ideen serienreif sein, die in der Studie C-Beyond gezeigt werden. Aktuell läuft die Vorstellungs-Tour bei den Automobilkonzernen - denn die müssen von der Kreativ-Offensive des Entwicklungspartners erst überzeugt werden. Fiktive Referenz-Person ist Lukas – eine Art Ideal-Autofahrer, entstanden aus Umfragen bei Endverbrauchern über deren Wünsche und Vorlieben rund ums Auto.
Das Szenario der Visteon-Produktplaner: der 8. August 2015. Die "Generation iPad" hat ihren Einfluss ausgebaut, in den Medien, den Konstruktionsbüros der Industrie und auch am Steuer. Man wünscht sich ästhetisches, reduziertes Design, das nicht funktional überfrachtet ist. Das Leben ist kompliziert genug, lasst uns Technik intuitiv bedienbar machen - so der Anspruch. Und: "Technik soll den Fahrer begleiten und führen, ohne zusätzlichen Stress", wie es Visteon-Designer Simon Harris formuliert. "Wir sind Technologie-Dienstleister, aber die Technik einfach zu entwickeln, reicht nicht aus. Wir müssen dem Endverbraucher demonstrieren, was er hierdurch an Lebensqualität gewinnt."
Ideenlabor auf Rädern
Dafür gibt es das Konzeptfahrzeug namens "C-Beyond": Einen schneeweißen Van, der den Visteon-Schriftzug am Bug trägt, aber dennoch unschwer als Citroen C4 Picasso identifizierbar bleibt. Mit diesem Ideenlabor will der Zulieferer einen tiefen Blick hinter die Kulissen gewähren: Mehr als 40 Konzeptideen aus den Bereichen Fahrzeug-Klimatisierung, Interieur-Gestaltung/Design, Kommunikation/Infotainment und Lichtsysteme vereinigt das rollende Schaufenster der Visteon-Techniker.
Eine starke Idee ist die Klimatisierung. "Wir haben ein komplett neues Cockpitlayout realisieren können, weil wir die Klima-Steuereinheit aus dem Bereich hinter dem Armaturenbrett entfernen und nun unter dem Beifahrersitz anordnen", erläutert Designer Harris. Den gewonnenen Platz in der Mitte nutzen die Ingenieure als Stauraum für Handtaschen und Einkaufstüten. Flankiert wird diese Ablage durch zwei säulenartige Einfassungen. Sie nehmen die zwei für Fahrer und Beifahrer getrennten Bedieneinheiten der Klimaanlage in vertikaler Anordnung auf. Den horizontalen Abschluss darüber bilden drei runde Anzeigeinstrumente im Nostalgie-Look klassischer englischer Sportwagen-Cockpits. Rainer Heers, der Verantwortliche für die Komponentenentwicklung im Visteon-Entwicklungszentrum Kerpen: "Das optische Zusammenspiel sehr moderner Screen-Oberflächen mit den Rundinstrumenten schafft einen unverwechselbaren Gesamteindruck."
Offene Systemarchitektur
Neuartig ist die nun vertikal gesteuerte Luftströmung der Klima-Einheit. "Kalte Luft von oben, warme Luft von unten aufsteigend" lautet das Motto. Speziell im Hitzemonat Juli 2010 hätte diese Funktion der "Kühlung aus dem Dach" wohl nicht wenige Autointeressierte überzeugt! "Wir können die Fahrzeug-Insassen jetzt viel gezielter mit Frischluft aus den vier großflächigen Ausströmern im Dach versorgen", verdeutlicht Heers. Sparsam ist die Anlage auch: sie aktiviert nur dort den Luftstrom, wo auch jemand sitzt. Innerhalb von zwei bis drei Jahren, so der Entwickler, lasse sich diese Vertikal-Klimatisierung zusammen mit einem Autohersteller in Serie bringen. "Momentan haben wir es noch mit Vibrationen der Steuereinheit unter dem Sitz zu tun, aber die lassen sich eliminieren. Es wird akustisch keine Abstriche geben im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen", verspricht Heers.
Für die Kommunikation und das Infotainment-Angebot wurde eine kleine Kommandozentrale im vorderen Bereich der verschiebbaren Mittelkonsole entwickelt. Der dafür bereitstehende berührungsaktive Bildschirm dient als Eingabefeld. Mittels "Automotive App"lassen sich iPod und iPhone sowie weitere mobile Geräte einbinden. Alle Internet- und Infotainment-Plattformen basieren auf einer offenen Systemarchitektur, um ein möglichst breites Spektrum der bekannten Elektronik-Standards abzudecken. Um auch das Licht-Ambiente dem jeweiligen Stimmungsbild der Insassen anpassen zu können, sind mittels indirekt leuchtender Vielfarben-LEDs die unterschiedlichsten optischen Anpassungen möglich. Sogar die Hinterleuchtung der Instrumente kann farblich der Innenraum-Gesamtharmonie angepasst werden. "Wir können mit dem Licht spielen. Lichteffekte sind stark daran beteiligt, Wohlfühleffekte zu erzeugen", argumentiert Designer Simon Harris.
Mal sehen, ob die von der virtuellen Testperson Lukas repräsentierten Fahrzeugkäufer das in wenigen Jahren ebenfalls so sehen.