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Gegen Mercedes GLC und Co. Cadillac XT4 - der hält die Fahne hoch

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Das ganz eigene Design eines Cadillac ist auch dem XT4 eigen, und dennoch sieht der neue gefälliger aus als seine älteren Kollegen.

(Foto: Lena Willgalis)

Mit dem XT4 will sich Cadillac in Europa neu positionieren. Aber nicht nur das: Angesagte Gegner sind Mercedes GLC, BMW X3 oder Audi Q3. Genau den Platzhirschen möchte man die Kundschaft abspenstig machen. Aber hat der US-Amerikaner das Zeug dazu?

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Während die jungen Designer die Seiten des Cadillac XT4 betont glatt gestaltet haben, sind im Heck einige Kanten zu erkennen.

(Foto: Lena Willgalis)

Während sich Chevrolet komplett vom europäischen Markt zurückgezogen hat, hält Cadillac die Stars-and-Stripes-Flagge hierzulande weiter hoch. Und das sogar mit einem völlig neuen Modell, das Bestsellern wie Mercedes GLC, Audi Q3, BMW X3 oder Volvo XC40 in die Parade fahren soll. Der Name des Gegners: XT4. Der Kenner wird sich erinnern, es gab schon mal einen XT5. Den gibt es immer noch, aber nicht hierzulande. Denn das Mittelklasse-SUV steht auf einer völlig neuen Plattform, die nicht nur die technischen Voraussetzungen für die immer strenger werdenden Abgasnormen in Europa erfüllt, sondern auch die Möglichkeit, neben Benzin- und Dieselmotor auch andere Antriebsarten anzubieten.

Vorerst wird der Cadillac XT4 aber mit einem 2,0-Liter-Turbo-Diesel und einem ebenso große Benziner an den Start gehen. Doch während der Zweitgenannte erst im kommenden Jahr verfügbar ist, können Interessenten bereits ab dem 10. Oktober die Launch Edition in den zehn Schauräumen in Deutschland in Augenschein nehmen. Die normalen Modelle starten ab 35.800 Euro, für die Launch Edition werden mindestens 42.900 Euro fällig. Wer sich hier noch für die Sport-Version entscheidet, muss mindestens 47.100 Euro vom Konto räumen.

Einiges ins Fahrzeug gepackt

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Die Sitze im Cadillac XT4 können nicht nur kühlen und heizen, sie massieren auch den Rücken und vibrieren bei Gefahr.

(Foto: Lena Willgalis)

Dafür haben die US-Amerikaner dann aber auch einiges in das Fahrzeug gepackt: Da gibt es neben einem automatischen Parkassistenten eine 360-Grad- und eine Rückspiegelkamera. Ebenfalls im Angebot ist ein Head-up-Display, eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage sowie eine Verkehrszeichenerkennung. Hinzu kommen ein Panoramaschiebedach, eine elektrisch öffnende und schließende Heckklappe sowie beheizte und belüftete Vordersitze mit Massagefunktion. Nicht zu vergessen die "Safety-Alert-Warnsitze", die je nach Gefahrenseite unter der linken oder rechten Pobacke vibrieren.

Aber all das sind feine Beigaben, die noch nichts darüber aussagen, wie sich so ein XT4 denn fährt. Für einen ersten Test stand die Launch Edition Sport zur Verfügung, und die wurde, wie schon erwähnt, von dem 2,0-Liter-Turbo-Diesel in Bewegung gesetzt. Der leistet 174 PS und stemmt auf Wunsch die 381 Newtonmeter maximales Drehmoment auf alle vier Räder. Das reicht aus, um das 4,60 Meter lange und knapp 1,8 Tonnen schwere SUV in 10,6 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen. Und mit etwas Anlauf wird der XT4 dann auch bis zu 200 km/h schnell. Allerdings ist das auf gar keinen Fall die Reisegeschwindigkeit für den US-Amerikaner. Die liegt eher bei 160 km/h. Nicht, weil es etwa übermäßig laut wird im Innenraum. Vielmehr, weil danach kaum noch spontaner Druck nach vorne entsteht.

Sport-Modus braucht es nicht

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Geschaltet wird im Cadillac XT4 automatisch über neun Stufen.

(Foto: Lena Willgalis)

Aber der XT4 will ja auch keine Rennmaschine sein, sondern beglückt seine Insassen im Falle der Launch Edition Sport mit einem aktiven Sport-Fahrwerk, das dank einer kontinuierlichen Dämpfungs-Kontrolle recht charmant mit Kopfsteinpflaster, tief liegenden Gullydeckeln und Querfugen umgeht. Geschaltet wird typisch US-amerikanisch natürlich über ein Automatikgetriebe und hier sogar über neun Stufen. Auffällig ist nur, dass es den Hauch eines Gummibandeffekts gibt. Der ist vor allem zu spüren, wenn sich die Gänge von oben nach unten bewegen. Das ist jetzt aber ebenso wenig kriegsentscheidend wie der Umstand, dass der Diesel in den unteren Gängen einen doch recht rauen Ton anschlägt, der sich erst ab Stufe drei beruhigt.

Natürlich bietet auch Cadillac für sein Sport-Modell unterschiedliche Fahrmodi an. Neben Tour, Snow und - für die Allradmodelle - Off-Road gibt es auch noch Sport. Ob es den am Ende braucht, ist fraglich, denn das Ansprechverhalten des Motors wird hier ebenso marginal verändert wie das der Lenkung. Anders verhält es sich bei den auf den Allradantrieb zugeschnittenen Programmen. Da der XT4 als AWD über ein Allraddifferential mit zwei Kupplungen verfügt, hat er neben einer permanenten Radschlupfanpassung die Möglichkeit, die Achsen komplett zu sperren und bei Bedarf mit jeweils 100 Prozent der Kraft zu versorgen.

Wirklich effizient?

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Der Kofferraum des Cadillac XT4 liegt mit 630 Litern über dem Durchschnitt der Mitbewerber.

(Foto: Lena Willgalis)

Nun verspricht Cadillac für den XT4 gerade wegen der Umschaltung im Tour-Modus auf reinen Vorderradantrieb auch eine deutliche Effizienzsteigerung. Das heißt, der Verbrauch sollte deutlich sinken. Für die erste Ausfahrt rund um Berlin kann das nicht bestätigt werden. Das mag aber zum einen einem großen Anteil Stadtverkehr geschuldet sein. Der hier erfahrene Drittelmix war mit knapp acht Litern am Ende für einen Diesel dennoch erstaunlich hoch. Cadillac selbst gibt den Verbrauch beim Frontantrieb mit 6,4 und beim Allrad mit 6,9 Litern über 100 Kilometer an. Natürlich, und das soll nicht unerwähnt bleiben, entspricht das Dieseltriebwerk der Abgasnorm Euro 6d.

Werfen wir noch einen Blick in den Innenraum. Wer die unter der GM-Ägide gebauten Opel kennt, wird sich im XT4 schnell zurechtfinden, denn die einstige Verwandtschaft ist auch beim Cadillac unverkennbar. Dabei wirklich angenehm ist der Umstand, dass die US-Amerikaner ein sehr gesundes Verhältnis zwischen Digitalisierung und analogen Tasten gefunden haben. Natürlich gibt es ein - und auch das überrascht - sehr flach im Dashboard liegendes TFT, aber darunter befindet sich eine Reihe mit Tasten, über die alle wesentlichen Bedienpunkte auf Fingerdruck gesteuert werden können. Die Menüs auf dem TFT selbst sind per Touch oder über einen Drehregler auf der Mittelkonsole anzusteuern.

Mischung aus analog und digital

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Der Arbeitsplatz des Fahrers ist im Cadillac XT4 eine gesunde Mischung aus analogen und digitalen Elementen.

(Foto: Lena Willgalis)

Auch im Zentraldisplay hat man sich bei Cadillac für eine Mischung aus analog und digital entschieden. Wie gehabt sind Drehzahlmesser und Tacho mechanisch, während die dazwischenliegende Matrix aus einem Vollfarbdisplay besteht, auf dem unterschiedlichste Menüs angezeigt werden können, die sich über die Tasten des satt in den Händen liegenden Lenkrades ansteuern lassen. Natürlich ist die Multimediaeinheit auch bereit, die Bedienoberfläche des Smartphones über Android Auto oder Apple-Car-Play zu spiegeln. Leider geht das noch nicht ohne Kabel, wie bei den neuesten VW-Modellen, sondern nur über einen USB-Anschluss. Aber Cadillac war so clever, neben einem USB-C- auch noch einen einfachen USB-Anschluss zu installieren. Das entbindet den Besitzer eines älteren Handys vom Kauf eines Adapters.

Leider gilt das nicht für die zweite Reihe. Die hat nur die modernen USB-C-Anschlüsse. Dafür haben die Reisenden dort ausreichend Platz an Knie und Kopf. Und auch das Gepäckabteil ist mit 637 bis 1385 Litern ausreichend groß, um längere Reisen mit Gepäck anzutreten. Im Vergleich mit den Mitbewerbern hat der XT4 damit übrigens den größten Kofferraum und im Übrigen auch ein sehr spannendes Heck. Das wurde nämlich, wie das Auto überhaupt, von dem im Durchschnitt jüngsten Designteam, das es je bei Cadillac gegeben hat, entworfen. Und das spricht, ohne dass man sich hier von den hauseigenen Genen verabschiedet hätte, eine sehr zackige Sprache, die auch den europäischen Geschmack eher treffen wird als die Optik früherer Modelle.

Wer sich jetzt für das Design begeistern kann, aber vom Diesel nicht überzeugt ist, dem seien kurz noch die Daten des 2,0-Liter-Turbo-Benziners übermittelt. Der hat nämlich 230 PS und generiert ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmetern. Hier wird die Kraft übrigens immer an alle vier Räder weitergegeben, was nichts anderes heißt, als dass es die Motorisierung nur mit Allradantrieb gibt.

Quelle: ntv.de