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Traffic Index 2020 Covid-19 bremst Verkehr nicht überall aus

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In Berlin hat sich das Verkehrsaufkommen im Jahr 2020 nur teilweise beruhigt.

(Foto: dpa)

Die Covid-19-Pandemie hat die Mobilität der Menschen grundlegend verändert. Nach Angaben des Traffic Index 2020 von Tomtom ist das globale Stau-Niveau deutlich gesunken. Allerdings gilt das für einzelne Städte in unterschiedlichen Maße und dürfte wohl am Ende auch kein Trend sein.

Einmal im Jahr veröffentlicht Tomtom seinen Traffic Index. Darin gibt der Anbieter von Navigationssystemen einen detaillierten Einblick in das weltweite Verkehrsaufkommen in 416 Städten und 57 Ländern. Allein für Deutschland liegen die Daten für 26 Städte vor.

Wie in fast allen Ländern der Welt hat sich das Verkehrsgeschehen im Zuge der Corona-19-Pandemie im Jahr 2020 dramatisch verändert. "Letztes Jahr haben wir bekannt gegeben, dass das globale Stau-Niveau zum neunten Mal in Folge gestiegen ist", erklärt Ralf-Peter Schäfer, Traffic Director bei Tomtom. "Im Jahr 2020 sehen wir ein völlig anderes Bild. Durch Lockdowns bis hin zu geschlossenen Grenzen hat sich die Mobilität der Menschen grundlegend verändert - und zwar sehr schnell", so Schäfer.

Erstmals sinkendes Stau-Niveau in Deutschland

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Der Rückgang des Verkehrsaufkommens in deutschen Städten im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr.

(Foto: TomTom)

In Deutschland hat Tomtom erstmals in der Geschichte des Traffic Index ein sinkendes Stau-Niveau in allen 26 untersuchten Städten festgestellt. Dennoch fällt der Rückgang von Stadt zu Stadt höchst unterschiedlich aus. Während er in Bonn und Bremen bei acht Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2019 liegt, beträgt er in Leipzig, Bielefeld und Wuppertal lediglich einen Prozentpunkt. Die deutlichsten Veränderungen zeigen sich beim Berufsverkehr am Morgen und Abend. Allerdings sind auch hier große Unterschiede zu verzeichnen. In Städten wie Frankfurt oder Düsseldorf, mit seinen großen Arbeitgebern im Bereich der Finanzdienstleistungen und Arbeitsaufgaben, die aus dem Homeoffice zu erledigen sind, sinkt das Stauaufkommen massiv. Hier liegt der Rückgang während der morgendlichen Rushhour bei 16 Prozentpunkten. In Stuttgart hingegen, wo eine Großzahl der Pendler im sekundären Sektor, also in der Produktion arbeitet, sind es lediglich 10 Prozentpunkte.

Betrachtet man die Menge der Tage, an denen extrem wenig Verkehr in den deutschen Städten war, dann liegt auch hier Bremen mit 93 Tagen vor Kassel mit 77 Tagen, Bonn mit 61 und Frankfurt am Main mit 56 Tagen. Am wenigsten beruhigte sich der Verkehr in Leipzig mit 12 Tagen, gefolgt von Kiel mit 16 Tagen. Auch in Berlin und Bielefeld wurde mit lediglich 20 Tagen kaum eine Verkehrsberuhigung im Jahresdurchschnitt erzielt. Allerdings heben sich die Zeiten der beiden Lockdowns im Jahr 2020 deutlich heraus. Verglichen mit dem Stau-Niveau des Vorjahres lagen die Werte in den Monaten März, April und Mai sowie im November und Dezember deutlich darunter. Im Stau-Ranking der Städte hat sich übrigens Berlin an die Spitze gesetzt und damit München abgelöst.

Keine Nachhaltigkeit zu erwarten

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Das Verkehrsaufkommen von sechs deutschen Städten im Jahr 2020.

(Foto: TomTom)

Allerdings soll nicht unterschlagen werden, dass für Autofahrer in den 20 Tagen, an denen Berlin im "Low Traffic" war, der Zeitverlust für den Arbeitsweg um mindestens 50 Prozent gesunken ist. Wer also im Normalfall für den Weg zur Arbeit im Jahr 2019 eine Stunde brauchte, war in dieser Zeit bereits nach 30 Minuten am Ziel. Nimmt man aber den Gesamtzeitraum als Grundlage des durchschnittlichen Zeitgewinns auf dem Weg zur Arbeit, hat er sich für Berliner Autofahrer und Berufspendler im Jahr 2020 in den Stoßzeiten lediglich um acht Minuten verkürzt.

Insofern geht Traffic-Experte Schäfer auch nicht davon aus, dass man es hier mit einer Trendwende zu tun hat. Sollten die Menschen wieder ihren geregelten Arbeiten abseits des Homeoffice oder verordneter Geschäftsschließungen nachgehen, wird das Verkehrsaufkommen erneut ansteigen. Es steht sogar zu befürchten, dass es sich nach der Pandemie noch deutlich erhöhen könnte, weil viele Arbeitnehmer im vergangenen Jahr aus Sicherheitsgründen vom öffentlichen Nahverkehr auf den eigenen Pkw umgestiegen sind. Nach Ansicht von Schäfer wäre "jetzt die richtige Zeit für Stadtplaner, politische Entscheidungsträger und Arbeitgeber, eine Bestandsaufnahme zu machen, welche Maßnahmen sie ergreifen werden, um die Straßen in Zukunft zu entlasten".

Erstaunliche Entwicklungen weltweit

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In Paris war am 20. Oktober 2020, einen Tag vor dem Lockdown, auf den Straßen die Hölle los.

(Foto: dpa)

Auch weltweit gab es deutliche Verschiebungen im Verkehrsaufkommen. Wobei einige Entwicklungen sehr ungewöhnlich waren. So erreichten einen Tag vor den angekündigten Lockdowns in Paris, Athen und London die Staus in diesen Städten Rekordlänge. Allein in der französischen Hauptstadt wurde am 29. Oktober 2020 um 18 Uhr eine Überschreitung des Durchschnitts von 142 Prozent ermittelt. In Athen lag das Stauaufkommen am 6. November um 18 Uhr 123 Prozent und in London am 4. November um 17 Uhr 104 Prozent über den sonstigen Normalwerten.

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Auch in den Niederlanden gab es eine interessante Entwicklung im Individualverkehr. Während die Straßen in der Woche, weil die Menschen zu großen Teilen im Homeoffice arbeiteten, in vielen Städten wenig überlastet waren, stieg das Verkehrsaufkommen an den Wochenenden um ein Vielfaches an. In Apeldoorn zum Beispiel sank das Verkehrsaufkommen an den Arbeitstagen im April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent, stieg aber an den Wochenenden um 74 Prozent an. Ähnliches war im Juni für Utrecht zu verzeichnen, wo von Montag bis Freitag der Verkehr um 43 Prozent sank, um am Wochenende um 42 Prozent zu steigen.

Ein Funfact sei an dieser Stelle noch erwähnt: Die US-Stadt Minneapolis im Bundesstaat Minnesota verzeichnete an 219 Tagen im Jahr 2020 ein Verkehrsaufkommen, das um 50 Prozent unter dem des Vorjahres lag. In Kaohsiung in Taiwan hingegen konnten im gesamten Jahresverlauf 2020 keine Unterschiede zum Stau-Niveau 2019 festgestellt werden. Wohl ein Zeichen dafür, dass man hier mit dem Coronavirus anders umgegangen ist.

Quelle: ntv.de