Warten auf die ReformDas sind die größten Preistreiber beim Führerschein
Von Laura Stresing
Der Führerschein wird für viele zum teuren Luxusgut. Verkehrsminister Patrick Schnieder kündigt deshalb Gesetzesänderungen für eine billigere Ausbildung an. Ein Blick in die Daten zeigt, warum viele nun auf die Reformen warten.
Gerade 18 geworden und den Führerschein schon in der Tasche - das gibt es in Deutschland immer seltener. Ein wachsendes Klimabewusstsein und steigende Kosten führen dazu, dass viele junge Erwachsene entweder später oder gar nicht mit der Ausbildung zum Pkw-Führerschein anfangen. Neuerdings bricht die Zahl der Fahrschülerinnen und Fahrschüler aber noch aus einem anderen Grund ein: Verkehrsminister Patrick Schnieder von der CDU hat Reformen angekündigt, die den Führerschein billiger machen sollen.
So soll beispielsweise die Zahl der vorgeschriebenen Sonderfahrten in der Ausbildung reduziert werden. Der Theorieunterricht soll künftig auch online möglich sein, wodurch Fahrschulen bei der Miete für Schulungsräume sparen könnten. Außerdem will die Bundesregierung die Anforderungen an die theoretische und praktische Prüfung absenken, um die Durchfallquote zu verringern.
Die Preisspanne reicht von 2500 bis über 4500 Euro
Wann und ob die Pläne umgesetzt werden, ist noch völlig offen. Ein Blick in die Daten macht deutlich, warum viele potenzielle Führerscheinanwärterinnen und -anwärter dennoch lieber abwarten, statt sich derzeit bei einer Fahrschule anzumelden: Den Führerschein zu machen, ist kostspielig geworden. Im bundesweiten Durchschnitt liegen die Gesamtkosten laut Bundesverkehrsministerium inzwischen bei etwa 3400 Euro. Neben den gestiegenen Benzin-, Material- und Personalkosten der Fahrschulen seien vor allem die vielen teuren Fahrstunden und die hohen Durchfallquoten die größten Kostentreiber.
Dabei gibt es nach wie vor große Unterschiede, welche Summen die Prüflinge am Ende aufbringen müssen. Laut einer Umfrage des ADAC von 2023 hat der Anteil derjenigen, die 3500 Euro und mehr für ihren Führerschein ausgegeben haben, in wenigen Jahren deutlich zugenommen. Der Anteil der Befragten, die ihren Führerschein für weniger als 2500 Euro erworben haben, ist derweil geschrumpft. Die meisten landeten nach eigenen Angaben zwischen 2500 und 4500 Euro.
Eine weitere Aufstellung des ADAC erklärt, warum die Preisspannweite so groß ausfällt. Entscheidend ist demnach vor allem die Zahl der Übungsstunden. Wer schon nach wenigen Praxiseinheiten zur Fahrprüfung antritt, kann viel Geld sparen - vorausgesetzt, die Prüfung wird auf Anhieb bestanden. Eine Wiederholungsprüfung inklusive Nachschulungen kann hingegen teuer werden.
An den Sonderfahrten lässt sich nur bedingt sparen; deren Zahl ist vorgeschrieben. Die zwölf Übungseinheiten machen den zweitgrößten Posten in der Gesamtrechnung aus. Hier kommt es vor allem auf die Preisgestaltung der Fahrschule an, wie hoch die Rechnung ausfällt. Der ADAC weist auf Sparpotenziale durch Preisvergleiche hin.
Insgesamt ist es billiger, den Führerschein auf dem Land zu machen. Fahrschulen in Großstädten erheben tendenziell höhere Grundbeiträge und Stundensätze. Fahrlehrerverbände beobachten außerdem, dass Schülerinnen und Schüler auf dem Land mit weniger Übungsstunden auskommen als in den Städten.
Das größte Ärgernis: eine nicht bestandene Prüfung
Laut den Daten des Kraftfahrtbundesamtes scheint die praktische Fahrprüfung für die meisten Führerscheinanwärterinnen und -anwärter das geringere Übel zu sein. Die Durchfallquote lag zuletzt bei knapp 41 Prozent. In der Theorieprüfung hingegen fällt fast die Hälfte der Fahrschülerinnen und Fahrschüler im ersten Anlauf durch.
Fachleute sehen vor allem einen Grund dafür: Das Verkehrsgeschehen ist viel komplexer und dynamischer als noch vor 20 Jahren. Neue gesetzliche Vorgaben, zum Beispiel zu Umweltzonen, haben die Rechtslage verkompliziert. Auch Detailwissen zu neuer Fahrtechnik und Assistenzsystemen wird immer relevanter. Verbände und Fahrschulen stellen fest, dass der Fragenkatalog zur Theorieprüfung über die Jahre stark angewachsen ist. Inzwischen müssen sich die Prüflinge auf mehr als 1000 mögliche Fragen vorbereiten.
Tüv-Vertreter sehen aber auch Nachbesserungsbedarf in der Prüfungsvorbereitung. Damit es gleich im ersten Anlauf klappt, sollten Fahrschulen den Lernstand ihrer Schülerinnen und Schüler regelmäßig kontrollieren und sie erst zur Prüfung schicken, wenn sie dazu bereit sind, fordert etwa Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim Tüv-Verband. "Die Feststellung der Prüfungsreife in den Fahrschulen ist ein einfaches Instrument, um die Durchfallquoten in der Theorie zu senken", sagt Goebelt.
Pauschale Kürzungen des Fragenkatalogs oder der Prüfungszeiten lehnt der Verband hingegen ab und warnt vor einer "Fahrprüfung light". "Es ist der falsche Weg, die Anforderungen an den Führerscheinerwerb zu senken", sagt Goebelt. "In einem immer komplexer werdenden Verkehrssystem brauchen wir Fahrschüler, die sehr gut vorbereitet sind", so der Tüv-Experte.