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Der Dodge RAM ist einer von drei Pick-ups, die in den USA den Ton angeben.
Der Dodge RAM ist einer von drei Pick-ups, die in den USA den Ton angeben.(Foto: Holger Preiss)
Dienstag, 16. Januar 2018

Die ganz dicken Dinger: Der US-Amerikaner liebste Autos in Detroit

Von Holger Preiss, Detroit

Der Light-Truck-Umsatz in den USA machte im letzten Jahr 63,2 Prozent der gesamten US-Autoindustrie aus. Wen wundert es also, dass die Segmentführer auf der NAIAS in Detroit ein neues Kapitel des Wettkampfs einläuten?

Mit breiter Brust fährt der Dodge Ram in Detroit vor.
Mit breiter Brust fährt der Dodge Ram in Detroit vor.(Foto: Holger Preiss)

Die North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit ist wohl weltweit die letzte Messe, wo so richtig dicke Dinger auf die Stände gestellt werden können, ohne dass sich jemand dabei anhören muss, wie furchtbar das doch alles für die Umwelt sei. Die Aussage ist so natürlich nicht ganz richtig, denn selbst die in den USA so beliebten Pick-ups werden peu à peu den Richtlinien des Umweltschutzes angepasst. Gleich drei der beliebtesten Lighttrucks durften ihre Neuheiten in Detroit präsentieren. Wer aber glaubt, dass sich nur die US-Kollegen dafür interessieren, der irrt. Schließlich erfreuen sich Pick-ups auch in Europa immer größerer Beliebtheit. Deshalb werfen wir an dieser Stelle einen Blick auf die ganz dicken Dinger.

Der stärkste Widder

Der Erste, der hier vorgestellt werden soll, ist der Dodge Ram 1500. Ein Schwergewicht, das im Vergleich zum Vorgänger 100 Kilogramm abgespeckt hat. Um den Verbrauch zu optimieren, sorgten die Ingenieure für eine besser Aerodynamik. Dank der Technik ist das auch für einen Klein-Lkw gar nicht mehr so schwierig. Ab 50 km/h schließen nämlich die Luftklappen im Kühlergrill, optional kann bei höheren Geschwindigkeiten auch das Fahrwerk um 1,5 Zentimeter abgesenkt werden.

Neueste 48-Volt-Technik arbeitet im Dodge Ram.
Neueste 48-Volt-Technik arbeitet im Dodge Ram.(Foto: Holger Preiss)

Natürlich kauft niemand in den USA einen Pick-up nur wegen der verbesserten Verbrauchswerte, auch optisch muss so ein Straßenmonster was hermachen. Beim Dodge Ram wurde die Front komplett überarbeitet. Der Kühlergrill spannt sich jetzt fast über die gesamte Breite und in dessen Mitte prangt ein sehr markanter "Ram"-Schriftzug. Auch die Scheinwerfer mit LED-Licht wurden neu gestaltet. Zudem hat man im Innenraum für mehr Komfort gesorgt. Dazu gehören zwei weitere Getränkehalter ebenso wie Ablageflächen für Smartphones und Laptops. Zudem gibt es einen riesigen 12-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole, auf Wunsch eine Harman-Kardon-Anlage mit 19 Lautsprechern, 900 Watt und einem 10-Zoll-Subwoofer.

Weiterer wichtiger Kaufgrund für einen Pick-up in den USA ist das Triebwerk. Beim Dodge werkelt unter der Haube entweder ein 3,6 Liter großer Pentaster-V6 oder ein 5,7-Hemi-V8. Beide Aggregate sollen in der Lage sein, Lasten von mehr als fünf Tonnen wegzuschleppen. Ein neues 48-Volt-System ergänzt die Stopp-Start-Automatik und erhöht das maximale Drehmoment beim V6 um 122 Newtonmeter, beim V8 sind es sogar 176 Newtonmeter. Witzigerweise soll ab 2019 auch ein Diesel angeboten werden. Details zum Selbstzünder wurden allerdings noch nicht gemacht.

Der ehrliche Pick-up

Den Chevrolet Silverado gibt es auch in einer Edelvariante. Die nennt sich High Country.
Den Chevrolet Silverado gibt es auch in einer Edelvariante. Die nennt sich High Country.(Foto: Holger Preiss)

Auch Chevrolet hat seinen Bestseller den Silverado 1500 komplett überarbeitet und nach Detroit gebracht. Doch anders als der Dodge Ram sieht sich der Silverado immer noch als Arbeitstier. Er verzichtet auf elektrifizierte Antriebsstränge oder einen Touchscreen in iPad-Größe. Stattdessen setzt er auf bewährte Technologien, die die Robustheit und Leistungsfähigkeit steigern sollen. So wurde der Rahmen aus einer stärkeren, aber leichteren Stahllegierung gefertigt und Türen, Motorhaube und Hecklappe aus Aluminium gefertigt. Im Vergleich zum Vorgängermodell reduziert das das Gewicht um 204 Kilogramm.

Ein komfortables Feature ist die erste elektrisch öffnende Heckklappe in einem Pick-up. Zudem wird es insgesamt neun Ausstattungsvarianten geben. Die reichen vom spartanischen Silverado Work Truck über die sportliche RST-Variante bis hin zum Offroad-LT Trailboss oder den luxuriösen High Country.

Der Chevrolet Silverado hat als erster Pick-up eine elektrisch öffnende Heckklappe.
Der Chevrolet Silverado hat als erster Pick-up eine elektrisch öffnende Heckklappe.(Foto: Holger Preiss)

Zum Marktstart wird es drei Motorisierungen geben: Den 3,0-Liter-Sechszylinder-Duramax-Diesel - der nach Angaben von Chevrolet der Leistungsfähigste seiner Art sein soll - einen 5,3-Liter-V8 und den üppigen 6,2-Liter-V8. Bei den V8-Triebwerken wird eine neue Technologie namens "Dynamic Fuel Management" Einzug halten, die je nach Geschwindigkeit und Last zwischen einen und sieben Zylinder abschaltet, um so Sprit zu sparen. Der Diesel und auch der 6,2-Liter-V8 sind serienmäßig mit einer Start-Stopp-Automatik ausgestattet. Zudem erfolgt die Kraftverteilung über eine 10-Gang-Automatik, die General Motors gemeinsam mit Ford entwickelt hat. Das Getriebe ist derzeit schon im Cadillac Escalade und im Ford F-150 verfügbar.

Optisch ist sich der Silverado treu geblieben, obgleich die Designer die Radhäuser abgerundet und in die Karosserie ein paar dramatische Kurven und Falze gebügelt haben, was die Kabine etwas schlanker macht. Auf jeder Seite des Kühlergrills befinden sich kleine Winglets, die GM "Luftschleier" nennt. Sie sollen zur Verringerung des Luftwiderstandes den Fahrtwind um die Räder herumführen.

Beim Bestseller Ford F-150 alles beim Alten?

Der Raptor ist die sportlichste Variante des Ford F-150.
Der Raptor ist die sportlichste Variante des Ford F-150.(Foto: Holger Preiss)

Mit dem Chevrolet Silverado und dem Dodge Ram hat man sich also ordentlich ins Zeug gelegt. Aber wie steht es um den Bestseller, den Ford F-150, der im vergangenen Jahr mit 896.000 Verkäufen alles in den Schatten stellte und die Konkurrenz gnadenlos abhängte? Nun, Ford lässt alles beim Alten.

Na gut, nicht ganz: Zum ersten Mal seit 70 Jahren gibt es einen Dieselmotor in dem Ausnahme-Truck. Der 3.0-Liter-V6-Diesel leistet 250 PS und stemmt 600 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Zwei Kraftstofffilter sollen dafür sorgen, dass auch minderwertiger Treibstoff verarbeitet werden kann. Mit Hilfe von variablen Kühllufteinlässe und einem Visco-Lüfter soll die Leistungsfähigkeit des Motors auch bei extremen Belastungen wie Anhängerbetrieb in großer Höhe und Hitze erhalten bleiben. Der Diesel hat einen SCR-Katalysator mit Harnstoffeinspritzung, die immerhin in 50 Bundesstaaten zugelassen ist.

Zudem verfügt der V6 über einen Turbolader mit variabler Turbinengeometrie und eine Common-Rail-Einspritzung mit einem Einspritzdruck von 2000 bar. Den Verbrauch gibt Ford mit unter acht Litern an. Die Zuladung des F-150 Diesel liegt bei 916 Kilogramm, fünf Tonnen dürfen an den Haken. Wer aber keinen Diesel mag, der kann sich auch weiterhin für einen Benziner entscheiden. Auch die wurden nämlich überarbeitet. Basisantrieb ist ein komplett neu entwickelter V6 mit 3,3 Liter Hubraum und 282 PS, der das 3,5-Liter-Aggregat ersetzt. Darüber rangiert der ebenfalls neue 2,7-Liter-EcoBoost-Turbobenziner. Der Fünfliter-V8 soll demnächst ein Leistungs-Upgrade erhalten.

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Quelle: n-tv.de