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Unterwegs mit dem Stromer Elektroauto laden - aber wo und wie?

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Das Bild ladender Elektroautos wird man in Zukunft öfter sehen.

(Foto: Volkswagen)

Elektroautos sind im Trend und bereiten durchaus Fahrspaß. Aber für viele potenzielle Kunden ist der Ladeprozess ein Buch mit sieben Siegeln. Wie genau funktioniert es, wenn die Energie im Akku zur Neige geht und aufgefüllt werden muss? Genau das erklärt ntv.de ausführlich.

Elektroauto kaufen, reinsetzen und losfahren? Kann man eigentlich so machen, aber es gibt durchaus noch Hürden. Denn während sich klassische Verbrenner einfach mit einem Tankstopp an der nicht weniger klassischen Tankstelle begnügen und man dort schlicht bar, mit EC- oder Kreditkarte bezahlen kann, gleicht das Lade-Wesen einem wahren Dschungel. Doch mit ein paar Tipps kommt man ganz gut da durch. Abgesehen von der Logistik (wo lade ich wie?) birgt die Ladethematik auch finanzielle Fallstricke, doch dazu später mehr.

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Die niederländische Fastned baut vor allem Ladeinfrastruktur mit Überdachung.

(Foto: Fastned)

Wer mit dem E-Auto bundes- oder sogar europaweit unterwegs sein möchte, kommt anno 2022 ohne einen Ladeverbund nicht aus. Ladeverbünde stellen Apps oder RFID-Karten zur Verfügung, mit denen man das inzwischen dichte Netz an Ladesäulen der größten Anbieter (wie beispielsweise Allego, EnBW, Ionity oder Vattenfall) aktivieren kann - so kann der User sicher sein, an entsprechend gelisteten Ladesäulen auch wirklich laden zu können und nicht mit leerer Batterie zu stranden. Abgerechnet wird übrigens auch gebündelt über den Verbund - was immerhin praktisch ist.

Allerdings kommt Bewegung in die Sache: Neue Ladesäulen müssen ab Juli 2023 mit Terminals ausgestattet werden, die eine Zahlung mit EC- und Kreditkarten erlauben. Über diese Terminals verfügen manche Ladesäulen zwar auch heute schon, aber insgesamt ist der Anteil eben noch gering.

Ohne Ladekarte kommt man kaum zurecht

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Es ist immer schön, wenn der Strom aus Photovoltaik stammt.

Solange die Reichweiten der meisten Elektrofahrzeuge noch recht volatil sind bedingt durch Fahrstil und Wetter, ist der User auf ein dichtes Ladenetzwerk angewiesen, dessen einzelne Säulen auch tatsächlich zuverlässig funktionieren. Die wenigsten Probleme bereiten generell Schnelllader, die sowohl entlang der Autobahnen als auch in Wohngebieten oder im städtischen Bereich auf Parkplätzen aufgestellt werden. Sie gehören meist großen Lademarken, die sich um die Wartung der Anlagen kümmern. Regionale Wechselstrom-Ladesäulen werden gerne auch mal vernachlässigt und dann ist es gut möglich, eine defekte Stromquelle zu erwischen.

Doch welchen Ladeverbund nehmen? Hier gibt es unterschiedliche Modelle - manche mit Grundgebühr, manche ohne. Dann kommt es auf die Strompreise an, die tunlichst verglichen werden wollen. Besonders renommierte Anbieter mit hohen Ladeleistungen, sogenannte Hochpreisbetreiber, nehmen selbstverständlich deutlich mehr Geld pro Kilowattstunde.

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EnBW ist die große Lademarke Deutschlands.

(Foto: EnBW)

Immerhin hat man bei den Tarifen Planungssicherheit. Wer eine bestimmte Ladekarte in Anspruch nimmt, kann sich auf fixe Kurse verlassen. Wissenswert ist, dass grundsätzlich gilt: Das Laden an Schnellladern ist teurer als an den langsameren Wechselstrom-Ladesäulen mit Typ-2-Stecker. Das Kostenthema im Kontext mit der Elektromobilität ist ohnehin komplex.

Zu den beliebten Anbietern mit Berechtigung zum Aktivieren der wichtigen Säulen gehören beispielsweise der ADAC, EnBW, Plugsurfing und Shell Recharge. Die Preise je Kilowattstunde starten ab etwa 40 Cent, an Schnellladern können auch knapp einen Euro abgerufen werden - eine exakte Preisauskunft kann aufgrund der Marktvolatiliät hier natürlich nicht erfolgen.

DC-Ladesäulen findet man an verschiedensten Orten

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Hier bekommen Laternenparker Strom: an Ladelaternen von Ubitricity.

(Foto: Ubitricity)

Muss man sich auf eine Fernreise mit dem Elektroauto vorbereiten? Eigentlich nicht. Praxistests haben inzwischen längst gezeigt, dass man unbeschwert losfahren kann mit einer Karte oder App eines der leistungsfähigen Ladeverbünde. Inzwischen findet man in der Regel ganz locker alle 20 bis 50 Kilometer eine Schnelllade-Station, und noch sind die Lader meist nicht überlastet. Zumindest im westlichen Europa findet man derzeit um die 150.000 Ladepunkte - damit kommt man schon ordentlich zurecht.

In Deutschland gehören Aldi, Allego, EnBW, Ewe Go, Lidl, Ionity, die Pfalzwerke AG sowie die Telekom zu den großen Lademarken mit DC-Standorten an Autobahnraststätten, Baumärkten, auf diversen Parkplätzen oder schlicht irgendwo im Wohngebiet. DC ist die englische Abkürzung für Gleichstrom (Direct Current) und garantiert mindestens 50 Kilowatt Ladeleistung, teils aber auch bis 300 Kilowatt und mehr. In der Regel kommt hier der CCS-Stecker zum Einsatz, einige wenige Fahrzeugmodelle greifen auf Chademo zurück. Chademo ist in Europa allerdings längst nicht so verbreitet und bedeutet demnach Einschränkungen in der Verfügbarkeit.

Über einen Typ-2-Stecker zum Laden von Wechselstrom (AC = Alternating Current) verfügen dagegen alle elektrisch angetriebenen Fahrzeuge. Allerdings dürfte das langsame Laden mit Wechselstrom (meist 11, seltener 22 Kilowatt) früher oder später zum Auslaufmodell werden. Denn zu umständlich ist es, zunächst einen Parkplatz mit Stromanschluss zu suchen, der womöglich nicht einmal nah am Wohnort liegt. Und dann muss das Auto nach einigen Stunden ja auch wieder abgesteckt und umgeparkt werden, weil ja insbesondere in städtischen Gefilden die Parkzeit begrenzt wird. Eine AC-Ladesäule eignet sich hingegen nicht zum kurzen Zwischenstopp auf der Durchreise, weil das Aufladen hier mehrere Stunden in Anspruch nimmt.

An dieser Stelle auch der Hinweis, dass man an einer DC-Säule in der Regel nur bis 80 oder 90 Prozent Ladestand Strom zieht - denn danach verlangsamt sich die Ladeleistung arg. Länger als 30 oder 45 Minuten sollte man sich hier auch nicht aufhalten, um den Punkt nicht länger als nötig zu blockieren - denn andere auf der Durchreise befindliche Autofahrer sind ja auf den Zugang der "Stromtankstelle" angewiesen.

Das Ladenetzwerk wächst und wächst

Und noch ein wichtiger Punkt: Wie finde ich überhaupt einen Lader? Beispielsweise mit dem Navigationsgerät. Wird die Batterie schwach, einfach eine Umgebungssuche starten und sich auf diese Weise zu einer Säule führen lassen. Oder mithilfe einer der zahlreichen Apps wie "Mobility +" respektive jener der anderen Ladeanbieter. Diese verfügen übrigens über schöne Filterfunktionen, mit denen man unter anderem nach der Ladeleistung filtern kann. So lassen sich unerwünschte Säulen gleich ausschließen.

Was in Zukunft an Relevanz gewinnen wird, sind eingebaute Ladeplaner als Bestandteil eingebauter Navigationssysteme verschiedener Autohersteller. Tesla bietet diesen Service bereits seit Marktstart an, aber auch hiesige Premiummarken ziehen nach. Man gibt sein Ziel in das Navigationssystem ein, der Rechner wirft die erforderlichen Ladestopps einfach aus und gibt sogar an, mit welchem Ladestand man entweder an den Zwischenzielen oder am Hauptziel ankommt. Vorausgesetzt, der Fahrer hält sich in etwa an die Richtgeschwindigkeit.

Schnellladenetzwerk wächst

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Mittelfristig soll es an jeder zweiten Aral-Station in Deutschland Strom für Elektroautos geben.

(Foto: Aral)

Fakt ist: Mit einer Ladekarte in der Tasche wird der Antritt einer Fernreise zum absoluten Kinderspiel. Und das Schnellladenetzwerk wächst und wächst. Sogar an immer mehr klassischen Tankstellen findet man mittlerweile leistungsfähige Ladesäulen. Ende Oktober 2022 hat Aral verkündet, bereits die tausendste Ladesäule installiert zu haben. Noch dieses Jahr sollen es gar 1500 werden. Mittelfristig möchte Aral an jeder zweiten Säule auch Strom für E-Autos anbieten. Auch Shell bietet unter der Marke "Recharge" eigene Ladesäule an seinen Stationen an.

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Dank Zahlterminals direkt an der Säule wird man in Zukunft auch ohne Ladekarte eines Ladeverbundes auskommen.

(Foto: Aral)

Natürlich ist das alles noch nicht so engmaschig wie das konventionelle Tankstellennetz, aber aus den aktuell mehr als 10.000 Ladepunkten mit mehr als 50 Kilowatt Leistung sollen ja noch deutlich mehr werden bis zum Jahr 2030. Ob Deutschland generell eine Million Ladepunkte braucht, wie im Koalitionsvertrag festgehalten, sei dahingestellt. Unter der Maßgabe, dass das Laden immer schneller wird (schon in rund fünf Jahren wird mit den Feststoffakkus eine komplett neue Batterietechnologie an den Start gehen), muss noch einmal darüber nachgedacht werden, wie viele Säulen es wirklich braucht. Vor allem: wie viele Schnellladesäulen?

Mittel- bis langfristig dürfte das Laden so einfach werden wie das Tanken. Aber bis dahin wird man noch die eine oder andere spannende Situation an der Ladesäule erleben können. Denn dass mal eine nicht funktioniert, ist aktuell noch wahrscheinlicher, als an eine defekte Zapfsäule zu geraten. Und selbst das ist keineswegs ausgeschlossen.

Quelle: ntv.de

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