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Tonloser Klassiker Emco Nova R 3000 - ein Hauch von gestern

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Die runden geschwungenen Formen des Nova R 3000 wecken Erinnerungen an die 1960er-Jahre.

(Foto: Emco)

An der klassischen Form eines Rollers kommen auch Pioniere der zweirädrigen Elektromobilität nicht vorbei. Wenn zudem Reichweite, Verarbeitung und Preis stimmen, glaubt man kaum, dass so ein Emco Nova R 3000 in China gebaut wird.

Emco aus Lingen im Emsland gehört hierzulande zu den Pionieren in Sachen Elektro-Roller, obwohl das völlig fachfremd erscheint: Das Unternehmen hat sich einen Namen bei Badausstattungen gemacht. Doch der 2015 verstorbene Inhaber Harald Müller hatte die Idee zur elektrifizierten urbanen Mobilität von einer seiner Dienstreisen nach China mitgebracht. Heute stammen die Novi, Novanti und Nova genannten Fahrzeuge zwar immer noch aus China, werden aber nicht bei dortigen Produzenten, sondern im eigenen chinesischen Emco-Werk gefertigt.

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Die Verarbeitungsqualität des Nova R 3000 ist bestechend.

(Foto: Emco)

Diese Vorgehensweise sieht man den Produkten durchaus an, so weist der Nova R 3000 eine hohe Verarbeitungsqualität auf. Die Kunststoff-Verkleidungsteile passen sauber zusammen, da knarzt und quietscht nichts. Schalter und Armaturen machen einen gefälligen Eindruck und lassen sich exakt bedienen, lediglich die langgezogene Sitzbank hinterlässt mit dem schlecht rastenden Verschluss einen etwas hemdsärmeligen Eindruck.

Erinnerungen an die 60er werden wach

Insgesamt weckt der Nova mit seinen runden, geschwungenen Formen Erinnerungen an die 1960er-Jahre, passend in Grau, Rot oder Mintgrün lackiert. Kunststoff in Chromoptik um Blinkergläser und Scheinwerfer wie an den Spiegeln tragen ebenso dazu bei, wie die langgestreckte Silhouette mit großem Frontschild. Traditionell und gut sind das tiefe, flache Kunststoff-Trittbrett und niedrige 76 Zentimeter Polsterhöhe, die großzügige Platzverhältnisse und eine aufrechte Fahrerhaltung ermöglichen.

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Ein eigenes LED-Licht soll den Nova R 3000 auch im Dunkeln ausweisen.

(Foto: Emco)

Wird der Schlüssel ins Schloss gesteckt, leuchten auf dem LC-Display die Hinweise für den Ladezustand der Batterie, die Geschwindigkeits- und die Kilometeranzeige auf. Dann heißt es einfach Gas geben: los geht’s mit Schmackes. Nach einem kurzen Ruck versetzt der Gleichstrommotor im Hinterrad den Nova in Bewegung, schnell ist die erlaubte Geschwindigkeit von 45 km/h erreicht – bei Windunterstützung sogar ein bisschen mehr.

Überraschung an der Ampel

An der Ampel nutzt der nostalgisch wirkende Roller die Vorzüge der direkten Kraftübertragung und hängt Verbrenner-Scooter locker ab. Das funktioniert vor allem im Wheely-Modus, dem stärksten der vier möglichen Fahrmodi Eco, Custom, Power und Wheely. Selbst an Steigungen geht der Emco nicht in die Knie und rauscht locker mit Topspeed nach oben. Zumindest, solange die Batterie ausreichend geladen ist, denn halbvoll reduziert der Antrieb selbsttätig seine Dynamik.

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Dank LED-Technik scheint das Rücklicht wie ein Raketentriebwerk.

(Foto: Emco)

Leider lassen sich die Fahrmodi nicht direkt am Roller einstellen, sie können nur bei Stillstand über eine Smartphone-App gewechselt werden. Dafür zeigt die App auch die Restreichweite an, während im Cockpit nur der Ladezustand der Akkus über ein Balkendiagramm ablesbar ist.

Der Nova wird in zwei Basis-Konfigurationen angeboten: mit 28 Ah-Akku für eine Reichweite bis 50 Kilometer für 4049 Euro und mit 37 Ah für bis zu 65 Kilometer Aktionsradius. Dann kostet das gute Stück 4299 Euro. Für beide Varianten lässt sich ein zweiter Akku zum Preis von 1100 Euro implantieren, was die jeweilige Reichweite verdoppelt. Im moderat-dynamischen Power-Modus kam der 37 Ah-Nova bei Berg- und Talfahrt und 100 Kilogramm Beladung exakt 38 Kilometer weit. Eine komplett leere Batterie ist nach etwa 2,5 Stunden wieder voll, das ist im Vergleich zu anderen Elektrikern vergleichsweise kurz.

Ein echtes Leichtgewicht

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Es gibt ein praktisches Staufächlein auf der rechten "Backe", also dem hinteren Kotflügel.

(Foto: Emco)

Mit knapp 90 Kilogramm - inklusive eines Akkus - ist der Nova ein Leichtgewicht, was zusammen mit den kleinen 10-Zoll-Rädern das Handling zum Kinderspiel macht. Die beiden klassischen Kurzschwingen vorn und zwei Federbeine im Heck sorgen dafür, dass die Fuhre dennoch nicht kippelig oder trotz der geringen Federwege unkomfortabel wird. Erst bei groben Unebenheiten stoßen die Dämpfer an ihre Grenzen. Unerwartet bissig agiert die vordere Scheibenbremse, während das hintere Pendant dagegen eher zahnlos wirkt.

So klassisch der Nova auf den ersten Blick daher kommt, so modern präsentiert er sich bei näherem Hinsehen. Die Beleuchtung ist mit LED-Technik an Rücklicht, Blinker und Scheinwerfer auf der Höhe der Zeit wie auch das LCD-Instrument und die Smartphone-Konnektivität. Dazu gibt’s ein praktisches Staufächlein auf der rechten "Backe", wie die Hinterradabdeckung seit Erfindung des Rollers durch Vespa genannt wird.

Wer also einen klassischen E-Scooter mit moderner Technik sucht, macht mit dem Emco Nova R 3000 nicht viel falsch, zumal der, mit 4049 Euro, im mittleren Preissegment elektrifizierter Klassikroller rangiert.

Quelle: ntv.de, Thilo Kozik, sp-x