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Zweite Generation steht bereit Neuer GLA wirft Tarnschatten voraus

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Der neue Mercedes GLA sieht in der zweiten Generation nicht nur anders aus, er soll auch Offroad besser können.

(Foto: Daimler)

Der GLA war nach der Neuerschaffung der A-Klasse das zweite deutliche Zeichen einer Verjüngungskur von Mercedes. Im kommenden Jahr rollt die zweite Generation aus den Produktionshallen in Rastatt. n-tv.de durfte in die Produktion gucken und schon mal Probefahrten machen.

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In der Vorserie wird der neue Mercedes GLA ausschließlich von Hand gefertigt.

(Foto: Daimler)

Wenn man sagt, dass die zweite Generation des Mercedes GLA in den Startlöchern steht, dann ist das im doppelten Sinne wahr. Denn zum einen wird in Rastatt, im Mercedes-Werk, gerade die Produktion für das neue SUV vorbereitet und dabei jeder Punkt, der zukünftig automatisiert wird, auf der sogenannten "Privat Line" in akribischer Handarbeit angepasst. Zum anderen gehen die dort gebauten GLA gerade in die letzte Phase der Erprobung. "Das sind die Serien mit der Nummer 017", erklärt Werkschef Thomas Geier. Diese Fahrzeuge werden im Übrigen nach der Erprobung in ihre Einzelteile zerlegt, um auch die letzten Fehlerquellen auszumerzen.

Natürlich werden während des Aufbaus der Produktionsstrecke nicht alle auf der Privat Line gefertigten GLA den Entwicklern zu Testzwecken übergeben. Ein kleiner Prozentsatz geht mit der Seriennummer 018 als Gebrauchtwagen zu den Händlern und wird dort auch als solcher angeboten. Für den Kunden könnte das ein totaler Glücksgriff sein, denn wie gesagt: Ein solcher GLA ist wie eine Schweizer Uhr ausschließlich in Handarbeit entstanden. Unvorstellbar in den Zeiten höchster Technisierung innerhalb der Fahrzeugfertigung.

Kürzer, höher, breiter

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Selbst im Werk in Rastatt bleibt verborgen, was erst am 11. Dezember enthüllt werden soll: der neue Mercedes GLA.

(Foto: Daimler)

Nun, wie dem auch sei, was bekommt der Kunde denn mit dem neuen GLA? Primär erst einmal ein Auto, das im Vergleich zum Vorgänger um 1,5 Zentimeter auf knapp 4,40 Meter in der Länge geschrumpft ist. Gleichsam wuchs er aber auf 1,59 Meter in die Höhe und der Radstand auf knapp 2,75 Meter. Woran liegt das? Der GLA sitzt auf der neuen Mercedes-Kompakt-Plattform (MFA2). Das bedeutet nicht nur, dass sämtliche verfügbaren Antriebskonzepte verbaut werden können, sondern auch mehr Kopffreiheit für die Insassen in der zweiten Reihe und natürlich mehr Staufläche im Kofferraum. Mit 421 Litern war der nunmehr alte GLA nicht schlecht, aber auch kein Lademeister. Bei der Neuauflage kann das Stauabteil zum Beispiel auch durch die längs zu verschiebende Fond-Bank vergrößert werden. Äußerlich passt sich der kommende GLA - und das ist schon im Tarnkleid zu erkennen - klar den großen Brüdern GLC und GLE an.

Auch technisch will der GLA in der zweiten Generation ein Großer sein. Fragt man Jochen Eck, der die Gesamtversuche der Kompaktfahrzeuge bei Daimler verantwortet, fängt er an zu schwärmen: "Das ist ein völlig neues Auto", so Eck. "Die ganzen Gene, die die neue Plattform mitbringt, stecken in diesem Auto: mehr Komfort, viele neue Assistenzsysteme, zu denen auch das MBUX (Mercedes-Benz User Experience, Anm.d.Red.) gehört und die neue Motorengeneration, die schon in der A- und B-Klasse ihren Dienst verrichtet." Das heißt, dass auch im neuen GLA der von Renault übernommene M282 verbaut wird. Nach der Applikation in Stuttgart leistet der Vierzylinder mit 1,33 Litern Hubraum bis zu 163 PS - also drei PS mehr als bei den Franzosen oder in einem Nissan - und generiert ein maximales Drehmoment von 250 Newtonmetern. Die Kraft wird entweder manuell oder durch ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an die Vorderräder weitergereicht.

Wie die A-Klasse mit Offroad-Genen

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Dank einer elektronischen Vorsteuerung des Allradantriebs kann der neue Mercedes GLA klettern wie eine Katze.

(Foto: Daimler)

Aber hier sind wir gleich beim entscheidenden Unterschied zwischen A-Klasse und GLA. Letztgenannter läuft einmal mehr als SUV und wird natürlich auch mit Allradantrieb angeboten. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass der M282 für die Offroad-Varianten zum Einsatz kommt. Hier wird unter der Haube wohl eher der zweite Benziner (M260) mit zwei Litern Hubraum werkeln. Der würde dann im GLA 250 ordentliche 224 PS leisten und ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmetern zur Verfügung stellen. Geschaltet wird hier ausschließlich über ein Siebengang-DCT. Eine erste Fahrt über den Offroad-Parcours in Rastatt fand jedenfalls befeuert durch den 150 PS starken Diesel mit zwei Litern Hubraum statt, der an das Achtgang-DCT gekoppelt ist.

Kaum also dass es auf die Strecke geht, weist Eck darauf hin, dassn wenn ein Mercedes den Zusatz SUV bekommt, "es auch zu einem guten Teil geländetauglich ist". "Das ist natürlich kein 'Offroad durch Sibirien-Paket', aber mit Allrad und unserem Offroad-Paket kann man leichtes Gelände sehr gut bewältigen", ergänzt Eck und schiebt den GLA auf das erste Hindernis, eine Steigung von 60 Prozent, zu. "Wenn ich jetzt gleich hier am Berg anfahre, dann freue ich mich über eine Gaspedalkennlinie, die mir die Dosierbarkeit erleichtert. Und genau das passiert über die Elektronik. Deswegen hat auch jeder GLA mit Allrad das Offroad-Paket." Dank der elektronischen Vorsteuerung des Allradantriebs wird bereits Drehmoment auf die Hinterachse gebracht, bevor die Vorderräder durchdrehen können. Und so schiebt sich der kleine Offraod-Benz mühelos den Berg hoch, als sei er auf der Geraden. Dass es nicht so ist, merkt der Beifahrer vor allem daran, dass die Gravitationskraft ihn konsequent gegen die Rückenlehne presst.

Wie ein Äpfelchen im Baum

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In der Röhre wird der neue Mercedes GLA mal richtig auf die Seite gelegt. Bis zu 35 Grad sind möglich.

(Foto: Daimler)

Zu beobachten sind der steile Auf- und Abstieg auch über die 360-Grad-Kamera, die ihre Bilder jetzt auf einen bis zu 10,25 Zoll großen Bildschirm projiziert. Oder über die grafische Darstellung des Neigungssensors. Wie in der A-Klasse steht der Widescreen in Form der zwei Bildschirme auf der Armatur. Insgesamt ist anzunehmen, dass das Interieur des GLA in fast allen Details identisch mit dem der aktuellen A-Klasse sein dürfte. Einzig das Dashboard, in das zum Beispiel die Lüftung in Form der von Jetdüsen eingebracht ist, könnten die Designer dem Offroad-Auftritt angepasst haben. Doch zurück zum A Rock, so der Name des Offroad-Parcours in Rastatt, der eigentlich den Käufern eines GLA die Chance geben soll, dessen Möglichkeiten auszutesten. Aber ganz ehrlich? Das wird er einmal machen und dann nie wieder. Aber es gilt wie immer: Gut zu wissen, dass man könnte, wenn man wollte.

Und wer will, der kann in der Röhrendurchfahrt des Parcours den GLA an den Grenzbereich der Seitenneigung bringen. Bis zu 35 Prozent sind möglich und Eck fährt die aus. "Je öfter ich das mache, desto sicherer werde ich", sagt er grinsend und legt noch ein Grad zu, während der Autor wie das Äpfelchen am Baum in seinem Gurt hängt. Und während man so in der Luft baumelt, stellt sich die Frage, wie oft ein Kunde hier seinen Wagen wohl schon auf die Seite gelegt hat? "Da die Kunden bei ihren Fahrten immer von Instruktoren begleitet werden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass hier einer umkippt, eher gering", erklärt Eck und steuert das nächste Hindernis an.

Elektronische Schlupfregulierung

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Der Autor (r.) in den Gurten hängend, im Gespräch mit Jochen Eck (Gesamtfahrzeug Versuch Compact Cars).

(Foto: Daimler)

Die Verschränkungsfahrt soll zeigen, dass immer nur das Rad angetrieben wird, das auch den nötigen Schlupf hat. Das ist nicht neu, VW macht das seit Jahren und sehr erfolgreich mit der mechanisch arbeitenden Haldex-Kupplung. Beim neuen GLA wird der Schlupf jetzt aber elektronisch gesteuert. Das hat einen entscheidenden Vorteil, weiß Eck: "Schlupfregelung heißt, ich brauche einen Bremseneingriff. Der ist immer mit Verschleiß verbunden. Den will ich aber, wo immer möglich, vermeiden. Deswegen wartet die Elektronik, bis ein Rad durchdreht, um es dann einzubrennen, anstatt die ganze Zeit mehr oder weniger mit angezogener Handbremse zu fahren." Durch den permanenten Wechsel von Halten und Loslassen wäre es theoretisch möglich, mit dem GLA stundenlang über den Parcours zu fahren, ohne dass die Bremsen arg in Mitleidenschaft gezogen werden.

Es bleibt also festzuhalten, dass der neue GLA mit Allrad und dem damit verbundenen Offroad-Paket ein echter kleiner Bergsteiger geworden ist. Dem Normalfahrer werden diese weitreichenden Fähigkeiten wohl aber erst begegnen, wenn er in der ersten Schneewehe steckt oder auf Eisflächen fahren muss. Klar - alle anderen Vorzüge des Antriebs über vier Räder wie Spurtreue oder Kurvensicherheit sind natürlich auch verbrieft. Aber auch, wer den neuen GLA nur mit Frontantrieb bewegen sollte, wird sich nicht grämen müssen. Mit Blick auf die A-Klasse, die wie schon erwähnt die Grundlage liefert, besteht kein Zweifel, dass sich auch das SUV lediglich mit Frontantrieb bewegen lässt.

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Auch am Kreisel kann der neue GLA richtig in Schräglage gebracht werden.

(Foto: Daimler)

Zudem die Stuttgarter ohnehin für jeden Geschmack etwas unter der Haube haben dürften. Es darf also davon ausgegangen werden, dass der GLA in Form eines 250e als Plug-in-Hybrid fahren wird. Auch dass die Sportschmiede aus Affalterbach einen GLA 35 und 45 ins Spiel bringen werden, dürfte nicht überraschen. Die Weltpremiere des GLA will Mercedes diesmal nicht mit Publikum vor Ort feiern, sondern wird sie als, sozusagen als Welt-Event, am 11. Dezember im Internet streamen. Sie sind also herzlich eingeladen, sich anzusehen, wie der kommende Kontrahent von BMW X1 und Audi Q3 ohne Tarnkleid aussieht, und weitere Details zum Auto zu erfahren.

Quelle: n-tv.de