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Offen für alles Mercedes AMG SLC 43 – neuer Sternenkrieger

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Optisch geschärft tritt der SLK jetzt als SLC an. Seine dynamischste Variante ist der AMG SLC 43.

(Foto: Dirk Weyhenmeyer)

Mit der neuen Nomenklatur wurde aus dem Mercedes SLK der SLC. Aber nicht nur der letzte Buchstabe ist neu, auch der Affalterbacher Sternenkrieger hat gewechselt. Aber bietet er mehr Fahrspaß als der SLK AMG 55?

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Die Heckleuchten sind nach dem Wandel zum SLC etwas schmaler geworden und die Endrohrverblendungen wurden innen geteilt.

(Foto: Andreas Lindlahr)

Basierend auf der C-Klasse lässt Mercedes 1996 erstmals den SLK als zweisitzigen Sonnenanbeter auf die Käufer los. Das intern als R 170 bezeichnete Cabrio erfreut durch einen bis heute beibehaltenen Umstand: Es hält mit einem Hardtop, das bei den Stuttgartern "Vario-Dach" genannt wird, das schlechte Wetter von den Insassen fern. Der Vorteil ist, dass der Wagen dadurch über die Jahreszeiten nutzbar ist und durch den geringeren Verschleiß - im Vergleich zu einem Stoffverdeck - auch beim Werterhalt deutliche Vorzüge hat. Der entscheidende Nachteil - und das gilt für alle Cabrios mit Hardtop - ist das geringe Stauvolumen im Kofferraum. Denn genau dorthin entfaltet sich die Mütze, wenn die Insassen die Nase in den Wind halten wollen.

Das hat sich auch über drei Baureihen nicht geändert. Lediglich 225 Liter Stauraum stehen bei offenem Dach zur Verfügung. Ist es geschlossen, werden es 110 Liter mehr. Was im Übrigen immer noch Bestwert in der Klasse ist. Neu ist die teilautomatische Restkofferraumabtrennung, über die sich das Hardtop beim Öffnen schiebt. Was bei einem Modellwechsel natürlich ebenfalls immer neu ist, ist die Optik. Während der R 170 fast etwas bieder wirkt, nimmt sein Nachfolger, der R 171, mit seiner langen Motorhaube und einer weit über den Kühlergrill gestreckten Nase die Optik des Mercedes SLR auf und das künftige Gesicht kommender Formel-1-Boliden vorweg. Mit dem R 172, der seit 2011 auf dem Markt ist, wird der Riechkolben wieder eingezogen, das Gesicht wird aggressiver, die Überhänge kürzer. Jetzt, 2016, erfährt der SLK erneut einen Gestaltwandel: Der Kühlergrill steht steiler im Wind, Front- und Heckschürze sind geschärft, die Motorhaube gepfeilt und die Leuchten sind etwas schmaler. Aber nicht nur das: Sein neues Kürzel SLC gliedert ihn in die Familie ein, aus der er kommt, die C-Klasse.

Sportlich, leicht, cool

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Der Kofferraum des SLC bietet mit 225 Litern bei geschlossenem und 335 Litern bei offenem Dach in seiner Klasse den größten Stauraum.

(Foto: Andreas Lindlahr)

Die in die Abkürzung SLK hineingedichtete Bedeutung, die im Übrigen nicht aus Stuttgart stammt, ist natürlich auch dem neuen SLC immanent: sportlich, leicht, kompakt, wobei das C auch für cool stehen könnte. Das Leichtgewicht in der Cabrio-Familie ist der SLC 180. Mit seinem 1,6-Liter-Vierzylinder leistet er 156 PS und ist mit 34.926 Euro das neue Einstiegsmodell. Böse Zungen werden behaupten, das sei zu wenig und würde den sportlichen Anforderungen, die die Fahrer an das Cabrio stellen, nicht genügen. Dennoch versprechen die Datenblattwerte Fahrspaß. Hier werden 250 Newtonmeter manuell über sechs Gänge an die Hinterräder verteilt. Wer druckvoll voranstürmt, soll die 100-km/h-Marke nach 7,9 Sekunden geknackt haben und das Lebendgewicht von 1,4 Tonnen kann bis auf Tempo 226 beschleunigt werden.

Natürlich ist der "Kleine" weit von einem SLC 43 AMG entfernt. Wer in den Sternenkrieger unter den SLC-Modellen steigt, der könnte schnell seiner rüden Attitüde verfallen. Er ist hart, auf Wunsch richtig laut und lässt sich mit brutalem Spaß um die Kurven ziehen, ohne zu klagen. Alles Quatsch, sagen die Fans des SLK 55 AMG. Der ist ein echtes Kraftpaket gewesen: V8-Saugmotor mit 5,5 Liter Hubraum, 421 PS und 540 Newtonmeter, die brachial auf die Hinterachse krachen. Stimmt, das hört sich nach mehr an. Der SLC 43 AMG geht lediglich mit einem V6 und 3,0 Litern Hubraum an den Start, schöpft daraus 367 PS und feuert 520 Newtonmeter an die Hinterräder. Was es bei einem Kampfgewicht von 1,5 Tonnen und im Sport-Plus-Modus, bei abgeschaltetem ESP möglich macht, das Heck locker schwingen zu lassen, wobei in engen Kehren eine durchaus passable Drift hingelegt werden kann.

Sound wie ein DTM-Renner

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Der AMG SLC 43 erfreut durch sein unglaublich gutes Handling.

(Foto: Dirk Weyhenmeyer)

Untermalt wird das von einem Sound, der natürlich nicht mit dem eines V8 zu vergleichen ist. Dafür bewegt sich der Ton ganz dicht an dem Klang der DTM-Renner. Im hohen Frequenzbereich spratzen die Drosselklappen die Dynamik des SLC 43 dreckig nach hinten raus. Immer dann, wenn der Fuß vom Gas springt und die Gänge über neun Stufen im Eiltempo nach unten rennen. Zur freudvollen Hatz werden Serpentinen. Während die Normalos schnellen Lastwechseln eher verhalten gegenüberstehen, giert der AMG danach. Klaglos lässt er es zu, hin und her geworfen zu werden, folgt dank der Direktlenkung, die sich in den Sportprogrammen eng zusammenzieht, zackig den Befehlen des Piloten. Dabei vermittelt er aber nie das Gefühl, außer Kontrolle zu geraten, auch dann nicht, wenn die 235er Gummis ihre schwarzen Spuren im Asphalt hinterlassen.

Ein Kritikpunkt gibt es dann aber doch: die Bremsen. Gerade bei solch wilder Fahrt könnten sie etwas bissiger sein. Nicht, dass die 360er Vier-Kolben-Scheibenbremsen vorn oder die 330er Scheibenbremse am Heck nicht ausreichen würden, die Fuhre zu bezwingen. Aber es wäre schön, wenn sie etwas schneller auf den Punkt kommen würden. Noch deutlicher wird diese Problematik beim SLC 300. Der wäre von den Parametern gesehen nämlich mit 46.380 Euro, die preiswerte Alternative zum SLC 43 AMG, für den immerhin 59.886 Euro aufgerufen werden. Hier muss gefühlt noch mehr Druck ausgeübt werden, damit die Bremsen ordentlich zupacken. Zugegeben, solche Erfahrungen sammelt man tatsächlich nur auf extrem schnell gefahrenen Bergstraßen. Im Alltagsbetrieb wird die Bremskraftverteilung als sehr angenehm empfunden.

Es geht auch eine Nummer kleiner

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Die höchste Ausbaustufe beim SLC ist jetzt der 3.0-Liter V6 mit 367 PS.

(Foto: Andreas Lindlahr)

Dennoch soll der SLC 300 natürlich auch eine sportliche Attitüde haben. Unter seiner gepfeilten Haube sitzt ein 2,0-Liter-Vierzylinder, der 245 Pferde auf die Koppel treibt und ausreichende 370 Newtonmeter zur Verfügung stellt. Auch damit kann man das Heck zum Wedeln bringen, aber die Kontrolle ist etwas schwieriger, denn das Fahrwerk ist anders als beim AMG eher auf Komfort ausgelegt. Wer die sportliche Gangart auch mit dem 300er provozieren möchte, der sollte unbedingt das Fahrdynamik-Paket für 2047 Euro ordern. Damit wird der Roadster 10 Millimeter tiefer gelegt, erhält die auch im AMG arbeitende Direktlenkung und die Dämpfkraft wird entsprechend der Fahrstufen Comfort, Sport und Sport Plus angepasst. Letztlich fährt sich aber auch der SLC 300 ganz famos und für den Straßenverkehr ausreichend sportlich. Der Sprint aus dem Stand auf Landstraßentempo gelingt in 5,8 Sekunden und die Spitzengeschwindigkeit ist mit 250 km/h angegeben. Wer da offen unterwegs ist, muss das Toupet schon gut festhalten.

Lassen Sie uns noch einen Blick auf den Verbrauch werfen. Beim SLC 43 AMG und auch beim SLC 300 liest sich der im Datenblatt wie ein Märchen. Der Affalterbacher Kurvenräuber soll kombiniert mit 7,8 Litern auskommen, während der Stuttgarter Sportfreund es auf 5,8 Liter bringt. Beim ersten Ausritt mit den beiden stand jeweils das Doppelte auf der Uhr. Und damit bleibt es dabei: Wer Leistung will, der bezahlt mit einem entsprechenden Verbrauch. Daran ändert auch Downsizing und einfache oder doppelte Turboaufladung nichts. Aber das geht in Ordnung.

Und wer an dieser Stelle sparen will, kann immer noch auf den SLC 250d zurückgreifen. Der tankt Diesel und generiert aus zwei Litern Hubraum 204 PS und 500 Newtonmeter, fährt in der Spitze 245 km/h und ist in 6,6 Sekunden aus dem Stand bei Tempo 100. Sein Verbrauch wird im Schnitt mit 4,4 Litern angegeben. Aber selbst wenn es im Sturmlauf zweimal so viel wäre, müsste nicht gezetert werden.

Zetern muss man auch nicht über das schon erwähnte Vario-Dach. Im Stand beginnend, lässt es sich bis zu einer Geschwindigkeit von 40 km/h öffnen und schließen. Wer über lange Strecken ohne Mütze fahren will, der sollte nicht vergessen, das Windschott einzuhängen. Wenn dann auch noch die Seitenscheiben geschlossen sind, werden unangenehme Verwirbelungen fast vollständig ausgesperrt. Zum Komfort über alle Modell hinweg gehört auch die Sitzheizung und natürlich der Airscarf, der Luftschal, der auf Wunsch angenehm warmen Wind in den Nacken bläst. Wer so unterwegs ist, der kann auch bis zum nächsten Modellwechsel über die Jahreszeiten hinweg das Dach offen lassen.

Quelle: n-tv.de

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