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Biest für eine Million EuroFahrt im viertürigen Brabus XL 800 Cabrio - G-Klasse mal luftig

21.02.2026, 09:20 Uhr Patrick-portraetfotoVon Patrick Broich
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Sieht auf den ersten Blick aus wie eine fette G-Klasse, das Brabus XL 800 Cabrio ist aber eine Eigenkreation aus Bottrop für Frischluft-Abenteurer. Basierend natürlich auf der G-Klasse von Mercedes. (Foto: Brabus)

Viel ist nicht genug? Brabus hilft in langjähriger Tradition weiter. Seit fast 50 Jahren setzt das Unternehmen aus Bottrop mit extrovertierten Kreationen Akzente. Seit Kurzem gibt es ein viertüriges Geländewagen-Cabrio. Und eine Amazon-Serie.

Seien wir ehrlich, Brabus-Produkte haben da draußen auf der Straße nicht nur Fans. Die Kreationen der seit fast 50 Jahren bestehenden Marke sind oft ein bisschen drüber. Doch über Geschmack lässt sich bekanntermaßen streiten, über technische Perfektion hingegen nicht. So nehme ich erstmals Kontakt auf mit dem jüngst debütierten Brabus XL 800 Cabrio, einer zur viertürigen Stoffdachversion umgewandelten G-Klasse. Hat Mercedes schlicht nicht im Programm derzeit.

Doch das Ungetüm ist weit mehr als eine simple G-Klasse mit etwas Tuning. Man steigt in diesen Brabus nicht bloß ein, man muss ihn erklimmen. Kein Wunder, die Brabus-Ingenieure haben das volle Register gezogen und dem XL frei nach dem Prinzip Mercedes G 63 4x4² Portalachsen verpasst in aufwendiger Manier - wenn schon, dann auch richtig.

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Man kann den XL 800 auch ganz nüchtern als leistungsfähiges Funktionstool betrachten. Ganz ehrlich, ein bisschen drüber ist er schon. (Foto: Brabus)

Ob diese modifizierte Baureihe 465 jemals im Gelände fahren wird oder nicht - sie ist in dieser Form eine ziemliche coole Ansage mit Nice-to-have-Faktor und der Botschaft, jederzeit Richtung Expedition aufbrechen zu können, wenn man nur wollte. Ja, der XL kann als prollig empfunden werden, ist nüchtern betrachtet allerdings ein Tool im Lifestyle-Gewand. So jedenfalls lässt sich das aus der Sicht technikaffiner Zuschauer mit Sinn für Ästhetik deuten. Ausloten, was technisch möglich ist und Freude daran haben - darum geht es hier.

Ich drehe heute eine Runde mit Brabus-CEO Constantin Buschmann, um ein bisschen Authentizität in die Sache zu bringen. Wir fahren durch Bottrop und sind auf historischen Pfaden unterwegs. Nämlich dort, wo sein Großvater mit einem schlichten Fahrzeughandel begann. Was Sohn und Enkelsohn heute aus dem Unternehmen gemacht haben, ist mehr, als nur Fahrzeuge zu tunen. Bis hin zu langjährigen Kooperationen mit Mercedes-Benz (Smart Brabus) reicht das Portfolio.

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Das Brabus-Masterpiece-Badge prangt immer dann auf den Komponenten, wenn es sich um eine besonders individuelle Fertigung handelt. (Foto: Brabus)

Darüber hinaus nimmt das inzwischen 500-köpfige Team tiefgreifende Restaurationen beliebter Klassiker wie Mercedes W111 Cabrio oder W113 (besser bekannt als Pagode) vor und verwandelt diese in Neuwagen in einer Werkstatt, von deren Boden man essen könnte, so sauber mutet diese an.

Brabus nimmt individuelle Veredlungsaufträge bestehender Fahrzeuge entgegen, entwickelt viele Eigenkreationen mittlerweile auch auf Basis anderer Marken als Mercedes - wie zum Beispiel Bentley, Lamborghini oder Range Rover. Wer möchte, kann die Geschichte der Firma und den Lebensalltag des CEO samt seiner Lebensgefährtin Mili Umicevic bei Amazon Prime Video nachvollziehen. Dort erscheint Ende Februar mit der Reality-Serie "One Second Wow" der nächste Streich des Unternehmers.

Brabus ist inzwischen eine selbstbewusste Manufaktur

Apropos Mili. Sie hat heute die Funktion der Kreativdirektorin im Unternehmen inne und zeichnet dafür verantwortlich, dass Brabus auch mal von der Hausfarbe Schwarz abweicht und eine bunte Note in das Unternehmen bringt. Ist das fancy? Schon ziemlich, jedenfalls, wenn man den XL 800 in Pale Brown bestellt, so wie das Demofahrzeug lackiert wurde. Es handelt sich um einen heute durchaus als hip empfundenen Uni-Ton.

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Rot spielt bei diesem Produkt offenbar eine große Rolle. Selbst die Fahrwerkskomponenten sind entsprechend lackiert. Wirkt aber ganz cool. (Foto: Brabus)

Das knallrote Interieur sowie überaus viel Sichtcarbon muss man schon wollen, aber als fette Designansage? Kann man machen. Unstrittig ist die Verarbeitungsqualität, das ist lupenreines Hersteller-Level. Eine spezielle Steppung der anschmiegsamen Lederpolster ist mehr als Ausdruck von Individualität, es demonstriert darüber hinaus Fertigungskunst. Das eingearbeitete Brabus-Logo untermauert das Selbstbewusstsein, mit dem die Manufaktur auftritt.

Doch zurück zum Ingenieurwesen: Das aus 500 einzelnen Komponenten bestehende elektrisch betätigte Softtop darf als Brabus-Eigenentwicklung durchgehen und hätte Mercedes sicherlich nicht besser hinbekommen. Ein Spriegel aus festem Kohlefaser im vorderen Dachsegment sorgt für Stabilität und ist Ausdruck erlesener Werkstoff-Philosophie. Binnen 20 Sekunden lässt sich das Heavy-Duty-Biest in ein luftiges Cabrio verwandeln. Chapeau!

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Viel Sichtcarbon und die rote Note ziehen sich wie ein roter Faden durch den XL 800. (Foto: Brabus)

Okay, angesichts eines Fahrzeugpreises von über einer Million Euro aber auch notwendige Bedingung. Doch wie fährt das Oben-ohne-Monster überhaupt? Das Einsteigen klappt schon mal problemlos, denn Brabus hat auch an die ungelenkige Kundschaft gedacht und eine elektrisch ausfahrbare Trittstufe installiert. Bei geschlossenen Türen ist sie unsichtbar und stört die Linie nicht. Ich starte den auf 800 PS hochgerampten Mercedes-Vierliter-Achtzylinder, was dieser wiederum mit klassischem Bollern beantwortet. Das ist G-63-Feeling an dieser Stelle.

Und die gute Nachricht: Man muss kein Fahrexperte mit Brummi-Führerschein sein, um den außergewöhnlichen Kraxler zu bewegen. Dieser Drei-Tonnen-plus-465er fühlt sich fast handlich an, fährt sauber geradeaus und beschleunigt dank 1000 Newtonmetern fast wie ein Supersportler. Nach 4,6 Sekunden sollen 100 km/h auf dem Tacho stehen; bei 210 Sachen wird eingebremst. Im Alltag manifestiert sich die Güte dieses Antriebsstrangs mit der Neungang-Automatik (Lamellenkupplung statt Wandler) in grenzenloser Souveränität, angesichts der Daten auch nicht anders zu erwarten.

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Roter Innenraum bedeutet hier wirklich roter Innenraum. Das gilt auch für Dach, Türbeläge und sämtliche Verkleidungen. An edlen Ziernähten spart Brabus freilich ebenso wenig. (Foto: Brabus)

Wer braucht diese Art von Veredlung? Natürlich nicht der Abenteurer mit realem Expeditionsgedanken. Vermutlich eher der extrovertierte Technik-Fan mit genügend Kleingeld auf dem Konto. Und jemand, der auch Außenstehende an seinem Erfolg teilhaben lassen möchte, ob sie es sehen wollen oder nicht. Aber hey, der Faszinationsgedanke wird auf diese Art definitiv ausgetauscht, und ohne Brabus, ob man es mag oder nicht, wäre die Automobilwelt definitiv um mehr als eine Nuance ärmer.

Quelle: ntv.de

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