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Letzte Runde Verbrenner?Fahrt mit der Alpine A110 GTS - vielleicht adieu, Benzinmotor

14.02.2026, 08:27 Uhr Patrick-portraetfotoVon Patrick Broich
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Die moderne Alpine A110 gleicht dem historischen Modell aus den 1960er-Jahren wie aus dem Gesicht geschnitten. (Foto: Patrick Broich)

Die legendäre Alpine A110 geht in die letzte Runde. Aktuell heißt es: Abschied nehmen vom Verbrenner, das E-Modell steht vor der Tür. Doch was ist heute noch sicher? Vielleicht kommt es anders. ntv.de hat noch mal eine Runde mit der GTS gedreht.

Wer in letzter Zeit aufmerksam die Nachrichten verfolgt hat, weiß, dass in Sachen Antriebsarten noch viel Bewegung ist. Porsche Cayman sollte mit rein elektrischem Antrieb kommen, Sie erinnern sich? Verschoben. Aber bei Alpine ist das anders, zumindest gemäß der offiziellen Kommunikationslinie: Die neue A110 wird elektrisch. Okay. Sacken lassen und abwarten. Nichts gegen elektrische Antriebe - wenn das so werden sollte wie beim Renault 5 Turbo 3E, dann zieht euch warm an, Supersportwagen-Konkurrenz.

Aber so weit sind wir noch nicht, liebe Fangemeinde. Jetzt erst noch klassisch. Alpine A110 kann ja noch gekauft werden. Und zwar mit schmalem 1,8-Liter-Vierzylinder, aber weniger schmalen 300 PS im Rücken. Übertragen durch ein zackig reagierendes Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen. Klingt wenig? Ha! Die größte Stärke der Alpine ist ihr Gewicht. Mit gerade mal 1108 Kilogramm steht die Ausführung "GTS" im Datenblatt, das ist quasi Super-Fliegengewicht - übertragen auf die Automobilwelt.

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Ziemlich kurz und knackig ist die Alpine A110 mit bloß 4,18 Metern Außenlänge. (Foto: Patrick Broich)

Klein, wendig und außergewöhnlich schmal

Okay, dann mal reingehüpft in den "Bleu Eclipse" lackierten Demowagen mit kleinem Spoilerchen auf dem Heckdeckel (GTS). Apropos klein - das Auto an sich ist für heutige Maßstäbe klein und wendig. Gerade mal 4,18 Meter misst der Athlet aus dem nordfranzösischen Dieppe. Und mit 1,80 Metern Breite fällt er geradezu außergewöhnlich schmal aus unter der heutigen Kfz-Mischung auf der Straße, die eben zu großen Teilen aus SUV besteht. Aber jetzt erst mal lauschen, und zwar dem Triebwerk. Und das haben die Akustiker schön auf Sound getrimmt, klingt also noch prägnant und klangstark.

Die Fahrgastkabine ist wie angegossen um die Passagiere herumgebaut; verschwenderischer Platz ist anders, aber andererseits fühlt man sich auf der kurvigen Landstraße so besser an die Maschine angebunden. Und die kurvige Landstraße ist eben genau das natürliche Habitat dieses Hecktrieblers, den man bei einem Quäntchen Lenkwinkel auch mal mit dem Gaspedal um die Ecke werfen kann.

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Der kleine Spoiler ist Bestandteil des GTS-Modells, um die Querperformance zu verbessern. (Foto: Patrick Broich)

Komm, das probieren wir aus. Mit dem Stabilitätsprogramm als Rettungsanker im Gepäck kann man auf trockenem Asphalt auch mal ambitioniert in die Kurve gehen, aber bitte nicht zu wild. Man muss keinen ersten Platz im lokalen Bergrennen herausfahren, um grinsend ans Ziel zu kommen. Ruhig ein bisschen das Heck tänzeln lassen - das zieht Kollege ESP noch gerade.

Und dann schön mit Volllast aus der Kehre in die Gerade hineinbeschleunigen. Klappt auch freudvoll dank des drehzahlgierigen Maschinchens. Ja, den absolut mörderischen Punch eines Cayman GT4 RS muss man hier nicht erwarten, aber stramm nach vorn treibt einen die Alpine schon. Der Hersteller nennt drahtige 4,2 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h und noch drahtigere 275 Sachen als Topspeed, sofern das Aerokit mit im Spiel ist. Aber der kleine Sportler ist sowieso nicht für hohe Tempi auf der Autobahn gebaut, dort verhält er sich eh bloß nervös. Die Alpine fühlt sich auf der einsamen Landstraße oder dem Track wohl.

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Die stolzen Franzosen drücken ihre Freude, ein feines Auto auf die Räder gestellt zu haben, durchaus mit einem starken Signal aus: Die Tricolore findet man nicht nur in den Türbelägen. (Foto: Patrick Broich)

Mäusekino statt ausladender Medienfläche

Und sonst? Man erkennt an der Innenarchitektur durchaus, dass der Franzose fast zehn Jahre auf dem Buckel hat, er ist ein Kind der 2010er-Jahre. Hier gibt es noch ein konventionelles Kombiinstrument, wenngleich mechanische Anzeigenadeln bereits aussortiert wurden. Und der zentrale Monitor ist noch eher im Stil Mäusekino als ausladende Medienfläche. Doch genau das macht eben den Charme aus.

Man kann mit der A110 selbstverständlich auch verreisen, aber das ist dann eher ein Kompromiss, was Lautstärke und Platz für das Gepäck angeht. Klar, wer sie als Zweitwagen auswählt (der gesündere Weg), braucht schon ein paar Euro in der Hinterhand, denn Spartarif ist anders. Während selbst schon die schwächere Basis bei 66.350 Euro startet, muss man für die GTS-Ausgabe gar 79.350 Euro hinblättern.

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Konventionelle Architektur und der Einsatz von Mikrofaser (typisch Sportwagen) machen die A110 begehrenswert. (Foto: Patrick Broich)

Und dann wäre da noch eine Hürde. Zwar braucht man echt keine Sonderausstattungen, denn der Antrieb ist schon die beste Sonderausstattung. Aber Alpine lockt mit den buntesten Lackierungen, und die kosten teilweise richtig Geld. Außenfarbe "Atelier Heritage" nennt sich das und ist richtig schön. Wie wäre es mit "Vert Tilleul" oder "Orange Acropolis"? Zack, und 5500 Schleifen futsch. Knapp 30 weitere Farben stehen zur Wahl. Ob diese A110 tatsächlich der letzte Verbrenner wird, bleibt abzuwarten. Nun müssen die Fans entscheiden, ob sie noch mal zuschlagen oder eben doch warten.

Quelle: ntv.de

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