Auto

Exoten in der Business-KlasseGegen den Manager-Mainstream

05.11.2010, 10:20 Uhr

Die obere Mittelklasse ist ganz klar deutsches Revier. Mercedes-Benz, Audi und BMW sind der unumstrittene Maßstab in Sachen Businesslimousine. Allerdings haben sich einige Importmarken inzwischen interessante Nischen gesucht. Und die funktionieren unter dem Motto: Abgrenzung vom Manager-Mainstream.

Die Kräfteverhältnisse sind klar: Mercedes E-Klasse, Audi A6

und BMW 5er haben gemeinsam allein im laufenden Jahr in Deutschland bereits mehr

als 100.000 Kunden gefunden. Die Premiumhersteller aus dem Rest der Welt kommen

in der oberen Mittelklasse gerade mal auf gut 2.000 Fahrzeuge. Was bitter klingt,

ist gleichzeitig eine große Chance. Gerade weil die Angebote von Jaguar, Infiniti,

Lexus und Co. hierzulande so selten sind, bieten sie ihrem Fahrer etwas, das er

in der silbergrauen Armada der Deutschen nicht findet: Individualität.

So setzt der Infiniti M, neuester Vertreter in der Klasse der

edlen Ausländer, gerade auf die optischen Unterschiede. Im Vergleich zu den eher

nüchternen deutschen Limousinen kommt der Herausforderer fast schon barock daher.

Schwungvolle Linien dominieren das Karosseriedesign, der Innenraum gleicht mit seinem

Übermaß an Knöpfchen, Schaltern und Anzeigen einer Kommandozentrale. Eben ganz so,

wie es Amerikaner lieben. Denn die USA sind der wichtigste Absatzmarkt der Marke

aus dem japanischen Nissan-Konzern. Beim Antrieb gibt es aber Zugeständnisse an

den europäischen Geschmack. Neben einem 235 kW/320 PS starken V6-Benziner ist auch

ein weniger durstiger V6-Diesel mit 175 kW/238 PS zu haben. 2011 folgt sogar eine

Hybridversion. Die Preise für das Flaggschiff der Marke starten bei 49.650 Euro.

Lexus verzichtet auf Diesel

Schon deutlich länger als Infiniti, das erst seit 2009 offiziell

in Deutschland vertreten ist, gibt es hierzulande Lexus. Die Toyota-Tochter besitzt

ebenfalls einen amerikanischen Migrationshintergrund, ist aber bereits seit 1990

auf dem Markt. Der Lexus GS ist trotzdem ein absoluter Exot geblieben. Dabei kann

es die üppig ausgestattete Limousine in Sachen Verarbeitung, Ambiente und Komfort

problemlos mit den deutschen Wettbewerbern aufnehmen. Zudem war sie als erstes Fahrzeug

ihrer Klasse mit Hybridantrieb zu haben. Die Kombination aus V6-Benziner und E-Motor

kommt auf 254 kW/345 PS, benötigt laut Normwert aber nur 7,6 Liter Superbenzin.

Alternativ gibt es einen V6-Benziner mit 183 kW/249 PS sowie einen mächtigen V8

mit 255 kW/347 PS. Der in dieser Klasse so wichtige Diesel fehlt allerdings. Der

GS startet bei 46.700 Euro.

Während die japanischen Businesslimousinen in Deutschland auch unter ihrem fehlenden

Image leiden, kann Wettbewerber Jaguar zumindest mit einem großen und lange bekannten

Namen auftrumpfen. Ansonsten steht die Tradition bei den Briten aber zurzeit eher

auf dem Prüfstand. Denn mit dem 2008 erschienenen Jaguar XF wurde eine radikale

Designwende eingeläutet. Statt in der über Jahrzehnte tradierten klassisch-noblen

Limousinenform kommt das aktuelle Modell mit fast coupéhaften Zügen daher. Im Innenraum

gibt es Technik-Gags wie ein versenkbares Automatik-Wählrad und einen rot pulsierenden

Start-Knopf. Auch beim Antrieb geht es modern zu: Auf Dieselseite wird ein 3,0-Liter-V6-Triebwerk

in drei Leistungsstufen von 155 kW/211 PS bis 202 kW/275 PS angeboten, bei den Benzinern

gibt es einen V6-Motor mit 175 kW/238 PS sowie einen V8 mit 283 kW/385 PS. Wem das

nicht reicht, kann die Kompressorvariante in der Sportversion XFR wählen, die es

auf 375 kW/510 PS bringt. Dann werden stolze 91.700 Euro fällig, der Einstiegsbenziner

kostet ab 46.100 Euro.

Exotischer Cadillac

Amerikanischer Vertreter in der gehobenen Businessliga ist der

Cadillac CTS. Neben dem klangvollen Namen sorgt die charakteristische kantige Frontgestaltung

für Aufmerksamkeit. Trotzdem dürfte es das Modell auch nach dem Neustart des zwischenzeitlich

eingestellten Imports schwer haben. Denn trotz fast europäischer Fahrwerksabstimmung

ist der auch als Allrader angeboten CTS klar als Amerikaner zu erkennen. So gibt

es zwar zwei V6-Benziner mit 155 kW/211 PS und 229 kW/311 PS sowie den V8-Motor

des Sportwagens Corvette mit stolzen 415 kW/564 PS – aber weder Diesel geschweige

denn Hybridantrieb. Dafür ist der Preis eine echte Kampfansage: Während das Basismodell

bereits ab 36.790 Euro zu haben ist, kostet die Top-Version vergleichsweise günstige

74.990 Euro. Für einen ähnlich kräftigen Mercedes E 63 AMG muss man rund 30.000

Euro mehr hinlegen.

Wer es etwas zurückhaltender und vor allem preiswerter liebt, findet sein Glück

vielleicht in Tschechien. Denn auch Skoda bietet mit dem Superb mittlerweile eine

4,84 Meter lange Limousine an. In der Version mit Allradantrieb und dem 3,6-Liter-V6-Benziner

(191 kW/260 PS) muss sich das Flaggschiff der Marke vor den Fahrleistungen der Konkurrenz

nicht verstecken, auch wenn "nur" Passat-Technik unter dem Blechkleid

steckt und der Glamour-Faktor völlig fehlt. Dafür stimmt der Preis: Mit 35.450 Euro

fährt der Superb der Konkurrenz, mit Ausnahme des Cadillac, deutlich davon.

Quelle: sp-x