Exoten in der Business-KlasseGegen den Manager-Mainstream
Die obere Mittelklasse ist ganz klar deutsches Revier. Mercedes-Benz, Audi und BMW sind der unumstrittene Maßstab in Sachen Businesslimousine. Allerdings haben sich einige Importmarken inzwischen interessante Nischen gesucht. Und die funktionieren unter dem Motto: Abgrenzung vom Manager-Mainstream.
Die Kräfteverhältnisse sind klar: Mercedes E-Klasse, Audi A6
und BMW 5er haben gemeinsam allein im laufenden Jahr in Deutschland bereits mehr
als 100.000 Kunden gefunden. Die Premiumhersteller aus dem Rest der Welt kommen
in der oberen Mittelklasse gerade mal auf gut 2.000 Fahrzeuge. Was bitter klingt,
ist gleichzeitig eine große Chance. Gerade weil die Angebote von Jaguar, Infiniti,
Lexus und Co. hierzulande so selten sind, bieten sie ihrem Fahrer etwas, das er
in der silbergrauen Armada der Deutschen nicht findet: Individualität.
So setzt der Infiniti M, neuester Vertreter in der Klasse der
edlen Ausländer, gerade auf die optischen Unterschiede. Im Vergleich zu den eher
nüchternen deutschen Limousinen kommt der Herausforderer fast schon barock daher.
Schwungvolle Linien dominieren das Karosseriedesign, der Innenraum gleicht mit seinem
Übermaß an Knöpfchen, Schaltern und Anzeigen einer Kommandozentrale. Eben ganz so,
wie es Amerikaner lieben. Denn die USA sind der wichtigste Absatzmarkt der Marke
aus dem japanischen Nissan-Konzern. Beim Antrieb gibt es aber Zugeständnisse an
den europäischen Geschmack. Neben einem 235 kW/320 PS starken V6-Benziner ist auch
ein weniger durstiger V6-Diesel mit 175 kW/238 PS zu haben. 2011 folgt sogar eine
Hybridversion. Die Preise für das Flaggschiff der Marke starten bei 49.650 Euro.
Lexus verzichtet auf Diesel
Schon deutlich länger als Infiniti, das erst seit 2009 offiziell
in Deutschland vertreten ist, gibt es hierzulande Lexus. Die Toyota-Tochter besitzt
ebenfalls einen amerikanischen Migrationshintergrund, ist aber bereits seit 1990
auf dem Markt. Der Lexus GS ist trotzdem ein absoluter Exot geblieben. Dabei kann
es die üppig ausgestattete Limousine in Sachen Verarbeitung, Ambiente und Komfort
problemlos mit den deutschen Wettbewerbern aufnehmen. Zudem war sie als erstes Fahrzeug
ihrer Klasse mit Hybridantrieb zu haben. Die Kombination aus V6-Benziner und E-Motor
kommt auf 254 kW/345 PS, benötigt laut Normwert aber nur 7,6 Liter Superbenzin.
Alternativ gibt es einen V6-Benziner mit 183 kW/249 PS sowie einen mächtigen V8
mit 255 kW/347 PS. Der in dieser Klasse so wichtige Diesel fehlt allerdings. Der
GS startet bei 46.700 Euro.
Während die japanischen Businesslimousinen in Deutschland auch unter ihrem fehlenden
Image leiden, kann Wettbewerber Jaguar zumindest mit einem großen und lange bekannten
Namen auftrumpfen. Ansonsten steht die Tradition bei den Briten aber zurzeit eher
auf dem Prüfstand. Denn mit dem 2008 erschienenen Jaguar XF wurde eine radikale
Designwende eingeläutet. Statt in der über Jahrzehnte tradierten klassisch-noblen
Limousinenform kommt das aktuelle Modell mit fast coupéhaften Zügen daher. Im Innenraum
gibt es Technik-Gags wie ein versenkbares Automatik-Wählrad und einen rot pulsierenden
Start-Knopf. Auch beim Antrieb geht es modern zu: Auf Dieselseite wird ein 3,0-Liter-V6-Triebwerk
in drei Leistungsstufen von 155 kW/211 PS bis 202 kW/275 PS angeboten, bei den Benzinern
gibt es einen V6-Motor mit 175 kW/238 PS sowie einen V8 mit 283 kW/385 PS. Wem das
nicht reicht, kann die Kompressorvariante in der Sportversion XFR wählen, die es
auf 375 kW/510 PS bringt. Dann werden stolze 91.700 Euro fällig, der Einstiegsbenziner
kostet ab 46.100 Euro.
Exotischer Cadillac
Amerikanischer Vertreter in der gehobenen Businessliga ist der
Cadillac CTS. Neben dem klangvollen Namen sorgt die charakteristische kantige Frontgestaltung
für Aufmerksamkeit. Trotzdem dürfte es das Modell auch nach dem Neustart des zwischenzeitlich
eingestellten Imports schwer haben. Denn trotz fast europäischer Fahrwerksabstimmung
ist der auch als Allrader angeboten CTS klar als Amerikaner zu erkennen. So gibt
es zwar zwei V6-Benziner mit 155 kW/211 PS und 229 kW/311 PS sowie den V8-Motor
des Sportwagens Corvette mit stolzen 415 kW/564 PS – aber weder Diesel geschweige
denn Hybridantrieb. Dafür ist der Preis eine echte Kampfansage: Während das Basismodell
bereits ab 36.790 Euro zu haben ist, kostet die Top-Version vergleichsweise günstige
74.990 Euro. Für einen ähnlich kräftigen Mercedes E 63 AMG muss man rund 30.000
Euro mehr hinlegen.
Wer es etwas zurückhaltender und vor allem preiswerter liebt, findet sein Glück
vielleicht in Tschechien. Denn auch Skoda bietet mit dem Superb mittlerweile eine
4,84 Meter lange Limousine an. In der Version mit Allradantrieb und dem 3,6-Liter-V6-Benziner
(191 kW/260 PS) muss sich das Flaggschiff der Marke vor den Fahrleistungen der Konkurrenz
nicht verstecken, auch wenn "nur" Passat-Technik unter dem Blechkleid
steckt und der Glamour-Faktor völlig fehlt. Dafür stimmt der Preis: Mit 35.450 Euro
fährt der Superb der Konkurrenz, mit Ausnahme des Cadillac, deutlich davon.