Auto

My car is my castleGepanzerte Autos sind gefragt

04.09.2010, 13:46 Uhr

1928 musste man noch Stahlplatten vor die Fenster schieben. Heute sind gepanzerte Fahrzeuge kaum noch von Serienautor zu unterscheiden. Und die Nachfrage ist deutlich gesteigen. Das am besten gesicherte Auto der Welt fährt übrigens durch Amerika.

Dieser Tage wurde der Dienstwagen des verstorbenen Aldi-Gründers Theo Albrecht für 86.150 Euro bei Ebay versteigert. Der 14 Jahre alte Gebrauchtwagen war nicht nur wegen des prominenten Vorbesitzers so teuer. Tatsächlich handelte es sich bei der S-Klasse der Baureihe W 140 um ein sogenanntes Sonderschutzfahrzeug mit der höchsten Panzerungsklasse B7: schussfest, selbst bei einem Granatwerferangriff.

Als die Limousine 1996 gebaut wurde, war die Nachfrage nach Schutzfahrzeugen noch relativ übersichtlich. Außer wenigen prominenten Wirtschaftsführern ließen sich nur Staatsoberhäupter in gepanzerten Modellen chauffieren. Mittlerweile ist die Nachfrage deutlich gestiegen. Vor allem in Osteuropa verlangen die Kunden häufig nach solchen Fahrzeugen. In Deutschland werden schusssichere Modelle dagegen vor allem von Sicherheitsbehörden wie den Landes- und Bundeskriminalämtern bewegt. Einen Anspruch auf den besonderen Schutz der höchsten Sicherheitsklasse haben die Vertreter der Verfassungsorgane und deren ausländische Gäste. Neben Bundeskanzlerin Merkel gebührt ein solches Modell also beispielsweise auch Bundespräsident Wulff oder dem französischen Präsidenten Sarkozy beim Staatsbesuch.

Äußerlich ein Serienauto

01BMW7er0309
Der BMW 7er in der Sicherheitsausfürhung. (Foto: eb.andriuolo)

Äußerlich unterscheiden sich die Sonderschutzfahrzeuge von einem Serienauto auf den ersten Blick gar nicht. Dickere Scheiben und schusssichere Notlaufreifen sehen eben nicht viel anders aus als ihre konventionellen Varianten. Hinter und unter dem Blech sind die Veränderungen aber zum Teil beträchtlich.

Als Mercedes 1928 die erste gepanzerte Limousine ins Angebot nahm, verfügte diese über Stahlplatten, die man vor die Fenster schieben konnte. Überhaupt war dickes Metall die Grundlage des zusätzlichen Schutzes. Heute gehen die Konstrukteure da flexibler vor. Kevlargewebe und verschiedene Kunststoffe verhindern in Verbindung mit Panzerglas das Eindringen von Projektilen ins Fahrzeug. Audi, BWM und Mercedes integrieren die Sicherheitstechniken bereits bei der Montage der Rohkarosse. Was genau eingebaut wird, darüber schweigen sich die Hersteller aus.

Welcher Schutz geboten wird, definiert die DIN-Norm für die Widerstandsklasse. Die Skala reicht von B1 bis B7. Die leichteste Panzerung B1 hält beispielsweise eine Pistolenkugel des Kalibers 22 auf, die aus zehn Metern Entfernung abgefeuert wurde. Die Kugel trifft immerhin mit einer Geschwindigkeit von 360 Meter in der Sekunde auf das Blech. Die nächsten beiden Widerstandsstufen halten ein neun Millimeter Parabellum-Geschoss beziehungsweise die Kugel einer 357 Magnum auf, und zwar aus nur fünf Metern Entfernung abgeschossen.

Osteuropäische Geschäftsleute ordern

BMW und Mercedes bauen aktuell nur Fahrzeuge, die mindestens zur Beschussklasse B4 gehören. Diese wird vor allem von potentiell gefährdeten Geschäftsleuten geordert, gerne aus Osteuropa. Die relativ leichte Panzerung bringt nur ein Zusatzgewicht von etwa 300 Kilogramm ins Auto, widersteht aber einer 44er Magnum, die mit immerhin 440 Metern in der Sekunde aus fünf Metern das Auto erreicht. Die stärkeren Panzerungen B5 bis B7 halten auch Gewehrfeuer aus zehn Metern Entfernung stand. Bei einer Gewehrkugel ist die Aufprallgeschwindigkeit mit bis zu 950 m/s deutlich höher als bei den Pistolenprojektilen.

06Cadiilacobama0309-neu
US-Präsident fährt natürlich auch gepanzert - im Cadillac. (Foto: Wieck)

Neben der Panzerung und dem schusssicheren Glas verfügen die Sicherheitslimousinen über eine Reihe weitere Extras. So war bereits der Aldi-Benz mit einer unabhängigen Luftversorgung ausgerüstet, um vor einem etwaigen Gasangriff sicher zu sein. Eine Fernbedienung ermöglicht das Starten des Fahrzeugs von außen. Neben dem schnelleren Zugang und dem raschen Wegfahren bei Gefahr sichert diese Funktion auch, dass niemand durch eine mögliche Autobombe verletzt wird.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Reifen. Sie sind schussfest, müssen das hohe Gewicht der Fahrzeuge tragen und sollen auch bei Geschwindigkeiten von 200 km/h und mehr noch tadellos funktionieren. Natürlich hat ein beschossener Reifen nur noch Notlaufeigenschaften, aber schon die Belastung einer drei Tonnen wiegenden Limousine im Hochgeschwindigkeitsbereich strapaziert die Pneus erheblich. Fahrwerk und Bremsen sind natürlich ebenfalls den höheren Belastungen angepasst, denn die Sicherheitsfahrzeuge werden wegen ihrer hohen Kosten überdurchschnittliche lange gefahren. Immerhin schlägt beispielsweise die B7-Panzerung eines 7er BMW mit rund 300.000 Euro zu Buche. Da darf das Modell ruhig etwas länger im Fuhrpark mitlaufen. Ein neuer Motor für 20.000 oder 25.000 Euro ist immer günstiger als ein neues Auto mit Panzerung.

Details sind geheim

Das am besten gesicherte Auto dürfte derzeit der Cadillac Presidental von Barack Obama sein. Die traditionell Cadillac One genannte schwarze Limousine basiert auf einem Pickup, ist rund sechs Meter lang und besonders schwer bepanzert. So verfügt die Limousine über 13 Zentimeter dickes Sicherheitsglas und ähnlich tiefe Stahlplatten. Über weitere Einzelheiten schweigt man sich auch hier aus. Die werden erst bekannt, wenn ein solches Modell im hohen Alter zum Gebrauchtwagen wird, wie der Mercedes von Theo Albrecht. Das dürfte bei Caddy One aber ausgeschlossen sein.

Quelle: sp-x