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Die Damen, bitte einsteigen! Hyundai Bayon - ein echter Womanizer?

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Das Design des Hyundai Bayon ist für europäische Verhältnisse recht gewagt.

(Foto: Holger Preiss)

Manchmal hat man das Gefühl, dass etwas fehlt. Ob das einem Laien beim Blick auf die Produktpalette von Hyundai passiert wäre, darf bezweifelt werden. Das Marketing sah es anders und so gibt es jetzt das SUV für die Frau zwischen 45 und 54 Jahren, den Hyundai Bayon.

Irgendeine Lücke gibt es ja immer. Hyundai hat sie zwischen Kona und i20 entdeckt. Genau darin quetschen die Koreaner nun den Bayon. Ob das notwendig ist, weiß allein die Marketingabteilung. Und die hat festgestellt, dass weder der Kona noch der i20 etwas für die gestandene Frau zwischen 45 und 54 ist. Genau diese Damen soll der Bayon jetzt in großer Zahl in den Bann ziehen.

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Vor allem Frauen zwischen 45 und 54 Jahren soll der Hyundai Bayon ansprechen.

(Foto: Holger Preiss)

Etwas verzweifelt steht hingegen der Autor vor dem neuen SUV, das zwar in Europa entwickelt, aber in Korea entworfen wurde. Da öffnet sich in der Front ein riesiger Kühlergrill, der sich wie ein Schmollmund weit in den Stoßfänger zieht. Flankiert wird er von zackigen LED-Scheinwerfern, die von lidstrichgleichen Tagfahrlichtern überstrahlt werden. In der Silhouette überrascht eine ungewöhnlich breite C-Säule und der mächtige Einschlag im Blech über den hinteren Radhäusern. Und zu guter Letzt wurde das Heck in schwungvolle Linien gekleidet, zu deren Seiten bumerangförmige Heckleuchten strahlen, die wiederum mit einer schmalen LED-Leuchtleiste verbunden sind.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Zugegeben, Schönheit liegt im Auge des Betrachters, aber während der neue Tucson bereits polarisierte, dürfte der Bayon für einigen Gesprächsstoff bezüglich seines Äußeren sorgen. So, genug über die Optik philosophiert, Fakt ist, dass der Bayon genau in dem Jahr auf den Markt kommt, in dem Hyundai seinen 30. Jahrestag als Marke in Deutschland feiert. Vielleicht ist das das Alter, in dem man sich einfach mal was trauen muss und die Dinge gegen den Strich bürsten darf.

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Die Materialien, die im Hyundai Bayon verarbeitet wurden, sind haptisch sehr ansprechend. Auch die Druckpunkte von Knöpfen und Drehreglern sind wirklich gut.

(Foto: Holger Preiss)

Und was erwartet die feminine Käuferschaft jetzt außer einer gewagten Optik beim Bayon noch? Ein 4,18 Meter langes SUV, das seinen Insassen ein sehr luftiges Raumgefühl gibt und einen Kofferraum mit einem Stauvolumen von 411 Litern. Tatsächlich macht gerade die Innenausstattung in der höchsten Ausstattungsstufe Prime einen richtig guten Eindruck. Neben einem digitalen Cockpit mit einem 10,25 Zoll großen Display gibt es ein beledertes Lenkrad, über das sich auch die teilautonomen Fahrfunktionen wie Spurhalteassistent mit Lenkeingriff steuern lässt. Auch alle anderen Materialien, selbst die Hartplastik lässt sich angenehm anfassen. Natürlich gibt es auch Querverkehrs- und Totwinkelwarner oder einen Parkassistenten. Auf Wunsch können auch eine intelligente Verkehrszeichenerkennung und eine navigationsbasierte adaptive Geschwindigkeitsregelanlage für den Bayon geordert werden.

Immer mit Gefühl

Wirklich sinnvoll sind diese Beigaben aber nur, wenn man sich zudem für den 1.0 T-GDI mit 100 oder 120 PS und 48-Volt-Hybridsystem entscheidet. Die beiden Dreizylinder werden nämlich auch mit einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe angeboten. Auf einer ersten Ausfahrt zeigt sich, dass der 120 PS starke Dreizylinder mit einem maximalen Drehmoment von 172 Newtonmetern keine Löcher in den Asphalt brennt, aber durchaus in der Lage ist, auch mal richtig Tempo aufzunehmen. Immerhin wird der Kleine 185 km/h schnell und schließt den Standardsprint in 10,4 Sekunden ab. Allerdings sollte die sportliche Frau darauf achten, den Tempoaufbau nicht mit einem brachialen Tritt ins Pedal zu erzwingen, dann hängen Turbo und Getriebe nämlich mächtig hinterher. Charmanter bewegt sich das Gefährt, wenn mit sanftem Nachdruck die Leistung angefordert wird. Dann hängt der Motor gut am Gas, der Automat schaltet sanft und der Bayon beschleunigt angenehm linear.

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Im Hyundai Bayon empfiehlt sich der 100 PS starke Dreizylinder noch vor der 20 PS stärkeren Variante.

(Foto: Holger Preiss)

Diese Art zu fahren ist natürlich auch dem Verbrauch zuträglich. Was Hyundai hier ins Datenblatt schreiben wird, steht noch nicht fest. Nach der Testfahrt waren es 7,3 Liter. Ein Wert, der angesichts der gefahrenen Strecke deutlich zu hoch erscheint, sich aber insofern relativiert, weil sie einfach zu kurz war. Wenn die 48-Volt-Technik bei sanfter Gangart umfänglich zum Einsatz kommt, dürfte sich der Spritverbrauch deutlich verringern. Nun ist aber der Bayon in der Prime-Ausstattung mit 120 PS und DSG auch kein wirkliches Schnäppchen mehr. Mindestens 26.590 Euro werden hier fällig.

Weniger ist mehr

Wer diese Summe nicht aufbringen möchte und auch nicht zwingend Wert auf ein Automatikgetriebe legt, der kann getrost zum 1.0 T-GDI mit 100 PS und Sechsgang-Schaltgetriebe greifen. Mit den Fahrprogrammen Eco, Normal und Sport bietet er nicht weniger als der Bayon mit Automatikgetriebe und außerdem lässt sich die Handschaltung butterweich durch die Gassen schieben. Zudem sorgt der Umstand, dass der Fahrer die Verantwortung über die Schaltpunkte hat, dafür, dass der Bayon gefühlt sogar spontaner antritt als der Automat. Und tatsächlich weist das Datenblatt auch nur 0,3 Sekunden zu Ungunsten des Handschalters aus. Und auch in der Endgeschwindigkeit fehlen dem kleineren Motor nur zwei km/h.

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Die Sitze im Hyundai Bayon sind sportlich konturiert und in der zweiten Reihe gibt es Platz für zwei normal gewachsene Erwachsene.

(Foto: Holger Preiss)

Wirklich witzig ist, dass bei beiden Modellen im Sport-Modus - dank der 48-Volt - eine Zwischengasfunktion beim Herunterschalten eingefügt wurde. Wie bei einem echten Sportwagen bleiben die Drehzahlen oben, damit ohne Verzug beschleunigt werden kann. Genau genommen ist das natürlich in dieser Leistungsklasse Unsinn, aber es macht schon Spaß und gibt zudem das Gefühl, ein sehr dynamisches Auto zu fahren. Wer es sparsam mag, legt den Eco-Modus ein und freut sich, dass die elektronisch geregelte Kupplung den Motor bei Gleitfahrten vom Getriebe entkoppelt und der Wagen auf diese Art und Weise kraftstoffsparend segelt.

Auch über das Fahrverhalten des Bayon kann nach dem ersten Ausritt nicht viel Negatives gesagt werden. Lenkbefehle werden willig entgegengenommen, wobei sich der Volant etwas sehr leicht bewegen lässt. In schnell gefahrenen Kurven neigt sich das Fahrwerk nicht unangenehm und Straßenschäden werden, bis auf Querfugen, recht ordentlich gefiltert. In Summe bei einem Radstand von 2,58 Metern ein erwartbares Ergebnis.

Ob die von Hyundai ins Auge gefassten Frauen den Bayon am Ende lieben, wird sich zeigen. Ohne Probefahrt haben bis zum Tag jedenfalls bereits 1925 Kunden das kleine SUV bestellt. ntv.de empfiehlt aber dennoch eine Probefahrt, denn nur dann kann entschieden werden, ob der Bayon-Werbespruch "Erlebe eine neue Perspektive" auch für die potenzielle Käuferin zutrifft.

Quelle: ntv.de

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