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Jetzt kommt das Drift-Monster Kia Stinger sticht wieder zu

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Mit neuem mechanischen Sperrdifferenzial lässt sich mit dem Kia Stinger hervorragend driften.

(Foto: Florian Quandt)

Der Kia Stinger ist seit seiner Einführung im Jahr 2017 mit Preisen und Lob nur so überschüttet worden. Und das aus gutem Grund: Ist er doch die preiswerte Alternative zu einem Mercedes-AMG oder BMW M. Jetzt einmal mehr als Drift-Monster.

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In den USA zeigt sich der Kia Stinger auf der New York Auto Show als GTS mit Drift-Modus und in Orange.

(Foto: Holger Preiss)

Auf der Automesse in New York wurde mit großem Tamtam der Kia Stinger GTS vorgestellt. In Orange enterte er die Bühne, wurde als das ultimative Drift-Monster beschrieben und in der Ankündigung auf 800 Exemplare limitiert. Arme US-Kundschaft, bleibt da nur zu sagen, denn den Kia Stinger mit sämtlichen technischen Parametern gibt es hierzulande - allerdings ohne das S hinter dem GT - für 55.900 Euro und ohne Limitierung zu kaufen.

Mit Sperrdifferenzial zur Drift-Maschine

Ohne Limitierung heißt, unter der Haube arbeitet wie beim US-Kollegen der 3,3-Liter-V6-Benziner mit Doppelturbo. Das wiederum bedeutet, dass 366 Pferde auf die Weide geschickt werden, die in 5,5 Sekunden auf Tempo 100 galoppieren und das Geschoss am Ende 270 km/h schnell werden lassen. Aber das ist alles nicht neu, genauso wenig wie der Grip, der über alle vier Räder aufgebaut wird. Neu ist allerdings das mechanische Sperrdifferenzial an der Hinterachse, das bei exzessiven Kurvenfahrten mit noch mehr Feingefühl die Motorkraft an alle vier Räder weiterleitet. Und das geschieht immer dann, wenn mehr Haftung benötigt wird, um nicht ins Aus zu schießen.

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Der Kia Stinger bleibt aber bei aller Fähigkeit zur Drift auch ein komfortables Reiseauto.

(Foto: Kia)

Allerdings ist das auch genau die technische Neuerung, die den Stinger zum Drift-Monster werden lässt. Kia hat dafür einen neuen Modus eingeführt, der sich das Sport Plus nennt. Ist der eingestellt und wird das ESP vollständig deaktiviert, werden 95 Prozent der Kraft an die Hinterachse geschickt. Und genau das braucht es für die Drift, damit das Heck kommt und bei entgegengesetzt eingeschlagenen Rädern unter leichten Gasstößen quer ums Eck rutscht. Das kennt man sonst nur von den Kraftmeiern aus der AMG-Garage, von der M GmbH oder auch von Porsche. Dass ein Underdog wie der Kia Stinger so etwas beherrscht, ist neu und freut umso mehr, weil es tadellos funktioniert.

Natürlich braucht das auf offener Straße kein Mensch. Aber das Gleiche gilt für die oben erwähnten Sportmarken von Mercedes, BMW oder eben für Porsche. Dennoch ist der Stinger mit dieser neuen Fähigkeit einmal mehr der Stachel im Fleisch der Premium-Marken. Denn zu dem Preis, zu dem sich der Stinger dem erlauchten Drift-Publikum anbietet, bekommt man die Luxus-Sportler garantiert nicht. Im Preis des Stinger ist schließlich nicht nur sein Vermögen zur famosen Querfahrt enthalten, sondern auch mit Nappa bespannte Sportsitze, ein Head-up-Display, LED-Scheinwerfer und eine nahezu komplette Armada an Assistenzsystemen. Aufpreispflichtig sind hier nur das Glasschiebedach und die Sportabgasanlage. Aber selbst wenn man diese beiden Optionen ankreuzt, bleibt der Preis unter 60.000 Euro.

Auch auf der Rennstrecke eine Bank

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Auch auf der Rennstrecke mach der Kia Stinger GT eine richtig gute Figur.

(Foto: Kia)

Ohne Tadel sind auch die Fahreigenschaften auf der Rennstrecke geblieben. Der Stinger begeistert hier durch seine präzise Lenkung, eine zackig und ohne Verzug schaltende Acht-Gang-Automatik, das extrem spontane Ansprechverhalten der Turbolader und die daraus resultierende Leistungsentfaltung. Hinzu kommen Air Curtains vorn zur Vermeidung von Luftverwirbelungen in den Radhäusern und Air Breather zur besseren Entlüftung der Brembo-Hochleistungsbremsanlage. Natürlich gibt es für den ultimativen Race-Start auch noch eine Launch Control. Im Zusammenspiel mit dem adaptiven Fahrwerk kann mit dem Stinger aber nicht nur der Kurvenhatz gefrönt werden, es lässt sich auch ganz beschaulich cruisen.

Und das mit bis zu fünf Passagieren an Bord. Na gut - wohlfühlen dürften sich lediglich vier und die in der zweiten Reihe sollten nicht zu groß sein und auch keine großen Füße haben. Denn nach wie vor sind die Vordersitze so dicht am Boden, dass Fahrgäste im Fond ihre Füße nicht darunter parken können, was das Reisen bei einem hochgewachsenen Vordermann recht unkomfortabel machen kann. Komfortabel hingegen ist das Platzangebot im Kofferraum. Hier verschwinden bei voller Besatzung 401 Liter. Wer die Rückbank umlegt, hat 1114 Liter Stauraum.

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Beim Arbeitsplatz des Kia Stinger heißt es analog vor digital. Das macht aber gar nichts, nur den Preis kleiner.

(Foto: Florian Quandt)

Bei all diesen Vorzügen stellt sich die Frage, warum sich der Stinger in den letzten 18 Monaten lediglich 2000 Mal verkauft hat. Am schlechten Aussehen kann es ebenso wenig liegen wie an mangelnder Sportlichkeit oder am Platz. Vielleicht ist es ja dem Umstand geschuldet, dass man den Koreanern immer noch nicht zutraut, ein solches Auto auf die Räder zu stellen. Da wird wohl auch die Begeisterung des Autors nicht viel dran ändern. Denn letztlich glaubt man ohnehin nur, was man selbst erlebt hat. Insofern wäre es sehr zu wünschen, dass Kia den Plan, für die Kunden Sport- und Drift-Events zu organisieren, in die Tat umsetzt. Denn dann kann sich jeder einen persönlichen Eindruck vom Vermögen des Stachel-Kias machen.

Quelle: n-tv.de

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