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Sportlicher Hochbeiner aus Korea Kia bockt den Ceed in Richtung GLA auf

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Kia erweitert die Ceed-Familie um einen Crossover, den XCeed.

(Foto: Kia)

Bullige Front, lange Motorhaube, kräftiges Heck: Kia verbindet beim XCeed SUV-Gene mit Sportwagen-Tugenden und bringt einen flotten Crossover auf den Markt, der irgendwie auch an Bekanntes erinnert. Aber das muss nicht schlecht sein.

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Mit 4,40 Metern ist der Kia XCeed exakt zwei Zentimeter kürzer als ein Mercedes GLA.

(Foto: Michael Gebhardt)

Rund zwölf Zentimeter Längenunterschied liegen zwischen Kia Niro und Sportage – und in diese Lücke soll ab Ende September noch ein dritter Softroader springen? Mit 4,40 Meter Länge reiht sich der Crossover XCeed ziemlich mittig zwischen den vorgenannten ein, dass sich die drei in die Quere kommen, befürchtet Kia allerdings nicht. Der Niro ist nur als Hybrid oder E-Auto erhältlich und bedient eine grüne Kundschaft, der Sportage fährt auch mit Allradantrieb vor und ist ein richtiges SUV. Bleibt für den XCeed also die Crossover-Rolle.

Der Name deutet es schon an, der XCeed gehört zur Ceed-Familie und erweitert das Angebot rund um Fünftürer, Kombi SW und den schicken Shootingbrake ProCeed sprichtwörtlich nach oben: Gegenüber dem Standard-Ceed sitzt man im XCeed rund vier Zentimeter höher. Mit knapp anderthalb Meter Höhe ist er allerdings deutlich niedriger als der Sportage und erweckt einen dynamischeren Eindruck. Abenteuer in der Wildnis strebt er nicht an, er gibt mehr den Großstadtindianer. Und damit erst gar keiner auf die Idee kommt, Ausflüge jenseits der Straße zu wagen, verzichtet Kia beim XCeed konsequent auf den Allradantrieb.

Flotter Fronttriebler

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Der XCeed glänzt mit einem ausgewogenen Fahrwerk.

(Foto: Kia)

Auch mit Frontantrieb ist der XCeed recht agil unterwegs. Zwar stellt schon der mittlere der drei Benziner, ein 1,4-Liter-Vierzylinder mit 140 PS und 242 Newtonmeter Drehmoment genug Power bereit, um hin und wieder beim flotten Anfahren ein wenig Gummi auf dem Asphalt zu lassen. Dass er vor lauter Kraft nicht mehr gehen könnte, kann man aber nicht behaupten und auch in flott angegangenen Kurven verliert er nicht so leicht die Contenance. Dazu trägt auch das gut abgestimmte Fahrwerk seinen Teil bei, nicht zu straff, nicht zu weich – gerade recht, um im Alltagsbetrieb ein bisschen Spaß zu haben.

Apropos Alltag: Der ab 22.390 Euro erhältliche 1.4er dürfte für die meisten Fahrer die beste Wahl sein. Er läuft ausgesprochen leise, zieht ausreichend kräftig durch, hat auch bergauf keine Probleme beim Überholen und schafft autobahntaugliche 200 km/h. Ausgeliefert wird er mit einem leichtgängigen Sechsgang-Schaltgetriebe, alternativ steht ein siebenstufiger Doppelkuppler bereit. Allerdings nimmt sich der nur rund 1,4 Tonnen schwere XCeed schon auf dem Papier rund sechs Liter – nach alter NEFZ-Rechnung. Ein ordentlicher Praxisaufschlag ist also gewiss.

Dreizylinder-Basis und starkes Top-Modell

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Auch hochgewachsene Personen wie der Autor finden im Kia XCeed ausreichend Platz.

(Foto: Kia)

Deutlich sparsamer ist auch das mit elektrischen Fensterhebern rund um, Fernlichtassistent, Frontkollissionswarner mit Notbremsassistent, Tempomat, und Klimaanlage nicht weniger gut ausgestattete Einstiegsmodell nicht: ein Einliter-Dreizylinder-Turbo mit 120 PS; der 1.4er-Sauger aus dem Ceed steht im Crossover nicht zur Verfügung. Nach oben ist das Angebot dagegen identisch, die Spitze markiert ein mit 204 PS ziemlich kräftiger 1.6er. Dafür ruf Kia mindestens 28.290 Euro auf, auch hier kann der Handschalter durch eine Automatik-Version ersetzt werden.

Daneben stehen noch zwei Selbstzünder zur Wahl, beide ebenfalls mit 1,6 Liter Hubraum und wahlweise 115 oder 136 PS. Der stärkere hat in Kombination mit dem komfortabel abgestimmten Doppelkupplungsgetriebe (ab 28.390 Euro) einen nicht minder guten Eindruck hinterlassen, mit einer Sprintzeit von knapp über zehn Sekunden ist er zwar trotz 320 Newtonmeter Drehmoment etwas langsamer als der 1.4-Benziner, spürbar ist das allerdings nicht. Den Verbrauch gibt Kia mit viereinhalb Litern an.

Ausgesprochen sparsam ist aktuell noch kein XCeed, doch das soll sich Anfang 2020 ändern: Dann reicht Kia für den Crossover eine Plug-in-Hybrid-Version nach, die rund 60 Kilometer rein elektrischen schaffen soll. Den Durst der Selbstzünder will der Hersteller dagegen mit einer 48-Volt-Mildhybridisierung zügeln, die lässt allerdings auch noch ein paar Monate auf sich warten. Dass die Koreaner auf eine reine Batterie-Version verzichten, ist verständlich, dafür steht schließlich der Niro im Schauraum.

Erstmals mit virtuellen Instrumenten

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Mit 426 Litern ist der Kofferraum nicht überdurchschnittlich groß. Er misst fünf Liter mehr als der im Mercedes GLA.

(Foto: Kia)

Egal welche Motorisierung man wählt: Wer mit dem XCeed einen flotten Reifen aufs Parkett legt, darf sich über den guten Seitenhalt der Sitze freuen. Das Gestühl ist ordentlich konturiert und lädt schon nach wenigen Kilometern ein, auch auf der Langstrecke im XCeed Platz zu nehmen. Zumindest in Reihe eins ist auch für große Fahrer ausreichend Platz, so luftig-locker wie man es von einem richtigen SUV gewohnt ist, geht es in dem Crossover aber nicht zu – das verhindert die relativ hohe Sitzposition gepaart mit dem flachen Dach. Unterstützt wird das höhlenartige Gefühl von den recht schmalen Fenstern, die zusammen mit den breiten Säulen auch den Rundumblick einschränken. Überdurchschnittlich groß ist der Kofferraum, mit 426 bis 1378 Liter geht in den XCeed mehr als in den Standard-Ceed und auch mehr als in die meisten Mitbewerber.

Dass das neue X-Modell zur Ceed-Familie gehört, wird beim Blick ins Cockpit schnell klar: Alles ist wie gehabt übersichtlich angeordnet und eher schlicht gestaltet. Allerdings wartet der XCeed mit zwei Neuheiten auf. Zum ersten Mal kommt bei Kia in Europa hier ein volldigitales Kombiinstrument mit 12,3 Zoll Breite zum Einsatz. Das Display ist gut ablesbar und wirkt aufgeräumt, bildet aber im Grunde nur die analogen Instrumente nach. Individuelle Einstellmöglichkeiten, eine Full-Screen-Landkarte oder ähnliches gibt es aktuell noch nicht; lediglich im Sportmodus wechseln die Anzeigen ein wenig ihr Aussehen.

Mehr Mut

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Das Infotainmentsystem im Kia XCeed ist neu.

(Foto: Kia)

Ebenfalls neu ist der 10,25 Zoll große Infotainment-Touchscreen, der mit dem XCeed auch in die Kompakt-Familie einher geht; hier können immerhin bis zu drei Anzeigekacheln mehr oder weniger frei belegt werden. Mit dem neuen Bildschirm kommen auch neue Sensor-Tasten ins Auto – für Kia fast schon ein mutiger Schritt, setzen die Koreaner doch sonst eher auf große, klassische Schalter. Das Problem: Die berührungsempfindliche Oberfläche der neuen Taster erkennt noch nicht jeden Fingertipp sofort. Davon sollten sich die Ingenieure aber keinesfalls desillusionieren lassen, ein wenig mehr Mut bei der Interieurgestaltung tut den Koreaner gut.

Die Blechschneider gehen schließlich schon länger mit gutem Beispiel voran, und auch der XCeed ist durchaus ein Hingucker. Vorne dominiert wie immer der knochenförmige Tiger-Nose-Kühlergrill die recht bullige Front, in der Seite dagegen setzten die Designer auf klassische Sportwagen-Linien: Lange Motorhaube und eine weit nach hinten verschobene Fahrerkabine. Irgendwie erinnert das Ganze dann auch an den Mercedes GLA. Mit Blick auf den schon werwähnten Ceed Pro, der ein Abbild des CLA Shootingbrake zu sein scheint, fragt man sich wo die Reise von Kia beim Design noch hingeht?

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Auch wenn man meint, das Heck schon gesehen zu haben, es ist schick.

(Foto: Kia)

Aber vielleicht will man damit auch einfach nur deutlich machen, dass es immer auch eine preiswerte Alternative zu Premiummarken gibt. Denn abgerundet wird der Crossover von einem muskulösen Heck, das sich die Kreativen durchaus bei Porsche oder Maserati abgeschaut haben könnten. Der Auftritt macht klar, dass der XCeed den Brüdern Sportage und Niro nicht in die Parade fahren – sondern ihnen lieber davon eilen will. Zumindest in Sachen Verkaufszahlen könnte ihm das gelingen: Kia geht davon aus, dass zukünftig die Hälfte aller verkauften Ceeds ein X vorm Namen tragen.

Quelle: n-tv.de

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