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Mercedes C-Klasse All-Terrain Kompakter Luxus fürs Gröbere

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Der Kühlergrill des Mercedes C-Klasse All-Terrain ist ein entscheidender Unterschied zu den anderen T-Modellen.

(Foto: Dieter Rebmann)

Wenn überhaupt, dann ist Luxus fürs Gröbere den SUV vorbehalten. Mercedes will jetzt aber auch die letzten Fans des Kombi mit seinem C-Klasse-T-Modell All-Terrain in die Lage versetzen, den Trumms die Stirn zu bieten. Das geschieht mit lediglich zwei Motoren - spartanisch, aber gekonnt.

Vor knapp fünf Jahren, als die Verbrenner-Welt noch in Ordnung war, kam Mercedes mit der E-Klasse T-Modell All-Terrain ums Eck. Jetzt, mit der neuen C-Klasse, hat man genau diese Art Kombi fürs Grobe eine Nummer kleiner gemacht, die Bodenfreiheit um vier Zentimeter erhöht und serienmäßig mit Allradantrieb ausgestattet. Wie nicht schwer zu erraten ist, heißt das Ganze dann Mercedes C-Klasse T-Modell All-Terrain.

Wenn das Gefühl täuscht

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Die Mercedes C-Klasse wird es ausschließlich als T-Modell und in zwei Motorisierungen geben.

(Foto: Dieter Rebmann)

Doch anders als man es von solchen Modellerweiterungen in der Vergangenheit gewohnt ist, geht man hier geradezu spartanisch zu Werke. Lediglich zwei Motorisierungen wird Mercedes für den Mittelklasse-All-Terrain anbieten. Zum einen gibt es den Vierzylinder-Benzinmotor mit integriertem Starter-Generator, der die Leistung von 204 PS kurzzeitig auf 224 PS erhöhen kann und zudem dafür sorgt, dass das maximale Drehmoment von 300 Newtonmetern um weitere 200 angereichert wird. Das hört sich nach Sportwagen an, wirkt aber von der Geräuschkulisse angestrengt und bei der Leistungsentfaltung eher verhalten.

Auch in der Leistungsentfaltung macht der C 200 All-Terrain subjektiv nicht wirklich einen spritzigen Eindruck. Aber tatsächlich täuscht das Gefühl, denn es vergehen lediglich 7,5 Sekunden, bis aus dem Stand beschleunigt 100 km/h erreicht sind. Und am Ende ist bei stehendem Gasfuß dann auch Tempo 231 drin. Übrigens genau die gleiche Endgeschwindigkeit, die auch für den Diesel gemessen wurde.

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Im Innenraum ist auch der All-Terrain einfach eine Mercedes-C-Klasse.

(Foto: Dieter Rebmann)

Ebenfalls mit vier Zylindern bestückt, verfügt der Selbstzünder auch über einen integrierten Starter-Generator und ein 48-Volt-Teilbordnetz. Was am Ende nichts anderes heißt, als dass die ohnehin vorhandenen 200 PS bei der Leistungsabfrage um 20 PS ergänzt werden und das maximale Drehmoment auf 640 Newtonmeter steigt. Allein dieser Umstand und der sonore, unangestrengte Klang des Diesels vermitteln dem Fahrer den Eindruck eines deutlich souveräneren Antritts. Dabei stimmt das gar nicht. Denn messtechnisch bleibt der C 220 d All-Terrain beim Standardsprint 0,4 Sekunden hinter dem Benziner zurück.

Nun sind aber die All-Terrain-Modelle, egal wie sie motorisiert sind, nicht für die Hatz gemacht, sondern eher für den gepflegten Dauerlauf mit kurzen Sprinteinlagen. Und das bei einem möglichst geringen Verbrauch. Der Benziner verspricht hier kombiniert nach WLTP maximal 7,6 Liter, für den Diesel wurden höchstens 5,6 Liter vermerkt. In beiden Fällen wurde bei der ersten Ausfahrt unwesentlich mehr verbraucht, repräsentativ ist das aber in diesem Fall nicht, weil die Strecken deutlich zu kurz waren.

Der Name ist Programm

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Warum man mit der C-Klasse All-Terrain ins Grobe fährt, ist egal. Hauptsache, man kann es.

(Foto: Dieter Rebmann)

Ein Grund mehr, auf das zu gucken, was den All-Terrain von der normalen C-Klasse unterscheidet. Wie der Name schon sagt, ist es das Vermögen, dank serienmäßigem Allradantrieb und deutlich verbesserter Traktion auch schwierige Untergründe zu meistern. Bis zu 45 Prozent seiner Kraft schickt der Motor an die Vorderräder. Die übrigen 55 Prozent werden über die butterweich schaltende Neungangautomatik an die Hinterachse verteilt. Wird jetzt das Programm Offroad gewählt, fräst sich die C-Klasse problemlos über Feldwege, Schotter oder Sand. Will man tatsächlich matschige und rutschige Steigungen mit weit über 20 Grad überwinden, kann Offroad Plus mit Downhill Speed Regulation (DSR) zugeschaltet werden.

Die Bergabfahrhilfe versetzt den Fahrer in die Lage, über eine vorgewählte Geschwindigkeit bis 15 km/h, ohne Betätigung der Bremse oder des Gaspedals und so ganz auf die Lenkung konzentriert, steile Abfahrten zu meistern. Die Elektronik passt nämlich die Charakteristik von Motor, Getriebe, Lenkung, ESP und die unterschiedliche Kraftverteilung an alle vier Räder den topografischen Gegebenheiten an. Nun ist das nicht neu und in der einen oder anderen Form auch von anderen Herstellern bekannt. Mercedes hat das Programm aber um ein winziges, aber nicht unwesentliches Feature erweitert: Das Ganze funktioniert nämlich auch im Rückwärtsgang. Was nichts anderes heißt, als dass, wenn die Überfahrt an einem steilen Berg an der Spitze scheitert, weil nicht genug Gas gegeben wurde und der Wagen zurückrollt, es ausreicht, den Rückwärtsgang einzulegen. Jetzt nimmt das DSR, wie beim Vorwärtsgang beschrieben, die Arbeit in die entgegengesetzte Richtung auf.

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Wie schräg die Mercedes C-Klasse All-Terrain im Gelände fährt, wird natürlich im Zentraldisplay oder im Head-up-Display angezeigt.

(Foto: Dieter Rebmann)

Und das funktioniert tatsächlich ganz famos. Über die Rückfahrkamera behält man das Geläuf und damit die nötigen Lenkvorgänge im Blick und den Rest macht die Elektronik. Unten angekommen, nimmt man erneut Anlauf, jetzt wissend, wie viel Kraft es braucht, um über die Kuppe zu kommen und schon ist man im wahrsten Sinne des Wortes über den Berg. Und wer das Manöver im Dunkeln vollzieht, muss auch keine Bedenken haben, denn die C-Klasse All-Terrain ist serienmäßig mit einem Offroad-Licht ausgestattet. Heißt nichts anderes, als dass bei einer Geländefahrt das Kurvenlicht für eine breitere Ausleuchtung der Strecke sorgt. Das funktioniert, sobald das Offroad-Programm eingeschaltet ist und bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h.

Mal was an den Haken

So, und was ist noch wichtig für so eine C-Klasse All-Terrain? Richtig, die Zugkraft. Bis zu 1,8 Tonnen können hier an den Haken genommen werden. Als teilelektrische Anhängevorrichtung mit schwenkbarem Kugelkopf und Anhängerstabilisierung kostet das natürlich extra. Ist aber vielleicht keine schlechte Investition, denn das ESP kann im Zugbetrieb bis zu einer Geschwindigkeit von 65 km/h automatisch eingreifen, wenn Pendelbewegungen des Hängers erkannt werden. Mithilfe wechselseitiger Bremseingriffe an den einzelnen Rädern werden die gefährlichen Schwingungen unterbunden. Wer jetzt noch den Anhängerrangier-Assistenten ordert, der dürfte auch mit dem Trailer keine Probleme mehr beim Einparken bekommen. Zumal der Assistent nicht nur Kurvenfahrten mit einem Knickwinkel von 90 Grad zulässt, sondern sich auch noch über das Touchpad in der Mittelkonsole sehr intuitiv steuern lässt.

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Neu ist die Gestaltung des Touchscreens in der Mittelkonsole des Mercedes C-Klasse All-Terrain.

(Foto: Dieter Rebmann)

Und das ist dann auch der Moment, der uns die Gelegenheit gibt, noch einen Blick in den Innenraum zu werfen. Der unterscheidet sich nämlich im Großen und Ganzen nicht von dem in der normalen C-Klasse. Wie dort gibt es auch in der All-Terrain-Ausführung die Highlights aus der aktuellen S-Klasse in Form des Anzeige- und Bedienkonzepts. Also wendet sich ein mächtiger Touchscreen in der Mittelkonsole dem Fahrer zu und lädt über eine von klassisch, sportlich und dezent wandelbare Bildschirmansicht zur Steuerung der Fahrzeug- und Komfortfunktionen ein. Neu ist dabei die Anordnung der individuell wichtigsten Elemente in Form von Widgets.

Wer will, bekommt neben wirklich sehr gut funktionierenden Assistenzsystemen, die von der Verkehrszeichenerkennung über das selbständige Einparken bis hin zum Stauassistenten oder der navigationsgestützten Geschwindigkeitsanpassung reichen, auf Wunsch auch noch ein richtig fettes Head-up-Display, das einfach alles anzeigt. Unter anderem auch - und das ist ein Extra für den All-Terrain - den Neigungswinkel in Seit- und Längsrichtung. Im Gelände nicht unwichtig, andernfalls ein Spaß, den man sich natürlich auch im volldigitalen Zentraldisplay des Fahrers ansehen kann.

Wer viel will, der wird viel bezahlen. Das gilt auch für die C-Klasse All-Terrain. Für den Benziner ruft Mercedes einen Einstiegspreis von 53.014 Euro auf, für den Diesel sind es 55.395 Euro. Vom Grundpreis ist es übrigens kein Problem, mit einer Reihe von Kreuzen in der Optionsliste, über die 70.000-Euro-Marke zu kommen. Denn so ganz pur möchte man den All-Terrain dann mit Sicherheit nicht fahren.

Quelle: ntv.de

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