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So schnell stirbt V8 nicht aus Unterwegs mit Mercedes-AMG GLE Coupé 63 S und GLS 580 4Matic

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Mercedes GLS 580 oder lieber GLE Coupé als AMG? V8-Sound bieten beide, während der GLS maximal komfortabel und das GLE Coupé als AMG maximal sportlich anmutet.

(Foto: Mercedes)

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Bollernde Gänsehaut-Achtzylinder werden zwar perspektivisch aus dem Mercedes-Modellprogramm verschwinden. Aber noch sind sie ja da. ntv.de hat den Kandidaten Mercedes-AMG GLE Coupé 63 S und GLS 580 4Matic auf den Zahn gefühlt. Sie verbinden Spaß und Nutzen auf völlig unterschiedliche Art.

Ob SUV wirklich die eierlegenden Wollmilchsäue sind, kann man lange und lebhaft diskutieren. Aber nützlich und komfortabel sind sie, das darf als gesetzt gelten. Zumindest gibt der Verkaufserfolg den Autoherstellern recht, die gar nicht daran denken, das SUV-Portfolio zu reduzieren - ganz im Gegenteil. Selbst der früher so gefragte und zweifellos praktische Kombi wird immer öfter durch die hochbauende automobile Gattung ersetzt.

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Ein bisschen Abrisskante, viel Diffusor. Den AMG erkennt man, aber er wirkt nicht unbedingt prollig.

(Foto: Mercedes)

Mercedes hat natürlich ebenfalls ein breit gefächertes SUV-Portfolio vom kleinen GLA mit Dieselantrieb über unzählige Elektromodelle bis hin zum Highend-Achtzylinder. Und da alle Welt über Elektromobilität spricht, ist es an der Zeit, auch mal wieder über Achtzylinder nachzudenken, deren Zeit allmählich zwar abzulaufen scheint. Deren Fanbase hingegen bröckelt sowas von gar nicht. Und warum dann nicht den gefragten SUV mit dem Fan-Achtzylinder verbinden?

Kombination aus SUV und V8 weckt Sehnsüchte

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Praktische Trittleisten sehen leider nicht so hübsch aus.

(Foto: Mercedes)

An Nachfrage dürfte es demnach nicht mangeln, wie sonst ließe sich erklären, dass die Schwaben zumindest in den oberen Segmenten am Achtzylinder festhalten, im SUV-Bereich sowieso? ntv.de hat sich exemplarisch zwei ziemlich unterschiedliche Kraxler-Gattungen mit acht Töpfen unter der Haube angesehen. Darunter das sportliche GLE Coupé aus dem Hause AMG mit der schärfsten V8-Maschine unter der Haube. Und generell ist das gegenüber der konventionellen Ausgabe rund fünf Zentimeter niedriger (1,73 Meter Höhe) angelegte Coupé als AMG-Topvariante auch das schärfste Sportgerät in Mercedes' SUV-Arsenal.

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Der über 5,20 Meter lange GLS ist wahrlich ein riesiges Auto. Trotzdem scheinen sich diese Fahrzeuge ausgerechnet in den Zentren großer Städte wohlzufühlen.

(Foto: Mercedes)

Der Athlet soll nicht nur energisch geradeaus rennen, sondern ebenso quer maximal performen. Beim Treibsatz handelt es sich um einen doppelt aufgeladenen Vierliter plus elektrischem Verdichter und Kurbelwellenstarter. Letzterer wirft den Direkteinspritzer nicht nur blitzschnell wieder an, nachdem die Start-Stopp-Automatik ihn an der Ampel ausgeschaltet hat, sondern boostet auch noch mit bis zu 22 elektrischen Pferdestärken auf die Kurbelwelle, um das Powerpaket so effizient wie möglich zu machen.

Der V8-Konterpart zum durch und durch athletischen GLE Coupé ist der GLS ohne AMG-Badge. Auch er bedient sich als Topmodell aus dem M176/M177-Motorenprogramm, kommt ebenfalls in den Genuss der elektrischen Effizienzmaßnahmen, ist aber mit zwar immer noch brachialen 489 PS etwas zahmer als sein 612 PS starker Bruder. Auch hier leistet freilich ein kleiner E-Motor mit 22 PS Schützenhilfe.

Achtzylinder ist das Herzstück des AMG-SUV

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Das Lenkrad aus Carbon und Alcantara passt zum rasanten 63er.

(Foto: Mercedes)

Aber welchen nehmen? Die beiden Dickschiffe bilden ihre individuellen Charakterzüge jedenfalls schon nach den ersten Metern Probefahrt ziemlich schnell heraus. Der straffe und wilde GLE nimmt seine Passagiere mit seinen Sitzgelegenheiten in die Zange und verspricht: Du fliegst nicht einmal aus der Mittelbahn, wenn du eine Kurve quer nimmst. So zeigen die sportiven Sessel, was Seitenhalt bedeutet. Aber will das SUV-Coupé überhaupt so arg um die Kehre preschen, dass diese nötig wären? Na ja, er kann es immerhin, zumal Wankbewegungen mithilfe von elektrischen Stabilisatoren ausgeglichen werden. Aber die schärfste GLE-Ausgabe macht auch als moderaterer Cruiser Laune.

Natürlich will der Umgang mit dem Gaspedal maßvoll moderiert werden. Schon aus dem Stand heraus baut die Antriebseinheit massiv Druck auf, während bassig-grollender V8-Sound die Ohrmuschel massiert. Wer das Drehzahlband nutzt, sollte sich vorsehen: Der 63er landet so schnell im führerscheingefährdenden Bereich, dass einem glatt schwindelig werden könnte. Nach 3,8 Sekunden fällt die 100 km/h-Marke, und wenn es sein muss, marschiert der 2,4 Tonnen schwere Brocken (das Gewicht merkt man ihm nicht an) stramm gen 280-Sachen-Markierung.

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Der extrovertierte Panamericana-Kühlergrill passt zur wilden AMG-Variante.

(Foto: Mercedes)

Umstieg in den gediegenen GLS 580 4Matic. Einen Kulturschock erlebt man nun zwar nicht, aber viel fehlt nicht. Straff-verbindliche Sportsitze weichen kuschligen Fauteuils mit Oberklasseflair. Der Raumeindruck fällt ungleich weitläufiger aus - kein Wunder, das über 5,20 Meter lange Trumm erinnert eher an die amerikanische denn europäische Lebensart. Doch wer mit ausladenden Abmessungen nicht fremdelt, darf sich den GLS getrost antun. Das unglaublich leistungsfähige Fahrwerk lässt das Riesen-SUV - auf Luftbälgen ruhend - stoisch selbst über die schlechtesten Straßen schweben, als sei diese gerade neu asphaltiert worden.

Feuer und Seide - der GLS ist dynamisch und wattig zugleich

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Auch wenn der GLS eher für die USA konzipiert wurde, begegnet man ihm durchaus auch hierzulande. Markante LED-Rückleuchten fallen ins Auge.

(Foto: Mercedes)

Und Geräusche? Nur stark gedämpft dringt der Lärm quirliger Großstädte in den luftigen und luxuriös ausstaffierten Fahrgastraum. Statt eines lautstarken Hämmerns produziert der im Vergleich zum AMG-Grundmotor konstruktiv gleiche Vierliter hier bloß ein sanftes Murmeln, das sich mit steigender Drehzahl allerdings zum charakteristischen Bollern entwickelt. Der Achtzylinder-GLS ist also nicht totgedämmt, der Motorgenuss kommt keinesfalls zu kurz.

Das Spurtvermögen des GLS beeindruckt noch immer mit lediglich 5,3 Sekunden, bis der 2,5-Tonner Landstraßentempo erreicht. Noch mehr beeindruckt indessen, wie samtig die Beschleunigungsorgie hier passiert. Der Fünfachtzig legt so unaufgeregt und seidig los, bietet so viel Platz auf den anschmiegsamen Lederpolstern und ist dabei doch irgendwie so dynamisch - man will eigentlich gar nicht mehr aussteigen. Nicht ohne Symbolik steht das "S" in der Modellbezeichnung und verspricht Komfort, der mindestens auf Level der S-Klasse rangiert.

Die emotionalen V8-SUV sind nützlich, aber auch teuer

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Mit 2400 Litern Gepäckraumvolumen bei umgeklappten Sitzen übertrifft der GLS jeden Kombi der Marke.

(Foto: Mercedes)

Stimmt genau, und ganz nebenbei liefert der noble Geländegänger auch noch phänomenale 2400 Liter Kofferraumvolumen (das GLE Coupé kann mit 1790 Litern ebenfalls als praktisch durchgehen). Wer möchte, darf außerdem sieben Personen befördern (serienmäßig), wenngleich in der dritten Sitzreihe nicht ganz so viel Platz ist wie weiter vorn. Übrigens ist der GLS kein Alibi-Geländewagen, sondern kann abseits der Straße richtig viel. Insbesondere mit dem 2261 Euro Euro teuren Offroad-Paket an Bord. Dann kraxelt der unscheinbare Bolide dank Geländereduktion und diverser mechanischer Sperrfunktionen des Längsdifferenzials sogar die fiesesten Hänge hoch.

Es muss beruhigend sein, zu wissen, dass sich der GLS auch durch Matsch und Schlamm wühlen kann, wenngleich er in der Praxis eher auf den Flaniermeilen europäischer Großstädte unterwegs ist. Sämtliche GLE- und GLS-Varianten - ja, auch der sportliche AMG - dürfen außerdem 3,5 Tonnen an den (optionalen) Haken nehmen, was sie buchstäblich zu Zugtieren macht.

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Mercedes GLS: Platz in Hülle und Fülle sowie wattige Ledersessel - was möchte man mehr.

(Foto: Mercedes)

Mit viel Infotainment und gewaltigen Touchscreens sprechen sowohl GLE Coupé als auch GLS technikaffine Zielgruppen an. Allerdings müssen selbige auch finanziell ordentlich Puste haben. Für das Mercedes-AMG GLE Coupé 63 S 4Matic in der rasanten "S"-Version werden mindestens 149.744 Euro fällig, während der samtige GLS 580 4Matic nicht unerhebliche 119.749 Euro vereinnahmt. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass Features wie adaptive LED-Scheinwerfer oder Festplatten-Navigation serienmäßig sind. Aber Exklusivität hat eben ihren Preis. Und er wird augenscheinlich bezahlt.

Quelle: ntv.de

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