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Der fährt überall Mercedes Sprinter mit Allrad und V6-Diesel

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Mit Allrad sieht der Mercedes Sprinter aus wie ein Expeditionsmobil.

Daimler AG

Dass die Neuauflage des Sprinters wieder optional Allradantrieb bekommen würde, war klar. Das Mercedes aber auch den Mut hat, einen V6-Diesel zu bringen, nicht. Doch gerade mit diesem Motor rollt der Transporter absolut souverän über verschneite Alpenpässe.

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Problemlos zieht der Mercedes Sprinter seine Bahn hinauf zum Timmelsjoch.

(Foto: Daimler AG)

Wo könnte man einen Transporter mit Allradantrieb besser testen als in den verschneiten Tiroler Alpen? Genau hier könnte das Einsatzgebiet für die Kraxel-Version des Mercedes Sprinter sein. Zum Beispiel als Hoteltaxi, das die Gäste über die rutschigen Straßen sicher zu den Pisten und Unterkünften bringt. Der Kastenwagen mit Laderaum dürfte seine Traktionsvorteile dann eher auf schlammigen Baustellen oder feuchten Wiesen ausspielen. Es sollte allerdings beachtet werden, dass das zusätzliche Gewicht durch den Allradantrieb die Nutzlast des Sprinters um 150 Kilogramm senkt. Äußerlich erinnert der Allrad-Sprinter an ein Expeditionsmobil, denn ihm wurde eine deutlich sichtbare Höherlegung verpasst. Das liegt vor allem an dem benötigten Bauraum für den Antriebsstrang, der vom Allradspezialisten Oberaigner aus Österreich kommt.

Traktionsregelung ersetzt Differenzialsperren

Die Differenzialsperren fehlen aber beim Aufstieg auf das verschneite Timmelsjoch in den Tiroler Alpen überhaupt nicht. Souverän krallen sich alle vier Räder in den Schnee, überlaufen Eisflächen ohne Verzug und lassen den 5,93 Meter langen Lademeister problemlos um die Kehre schlenzen. Eine Geländeuntersetzung gibt es auf Wunsch, ideal im Zugbetrieb auf schwergängigem Terrain. Das Antriebssystem leitet die Kraft in einem statischen Verhältnis zu 33 Prozent an die Vorder- und zu 67 Prozent an die Hinterachse.

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Im Winter endet die Hochalpenstraße am Hinweisschild.

(Foto: Daimler AG)

Um die Fahr- und Handlingeigenschaften zu verbessern, haben die Ingenieure die Traktionsregelung 4ETS vollständig in ein adaptives ESP integriert. Dabei wurde die Regelcharakteristik speziell an den Allradantrieb angepasst. Sämtliche Funktionen des adaptiven ESP, wie ABS, Antischlupfregelung (ASR), elektronische Bremskraftverteilung (EBV), Brems- und Anfahrassistent, bleiben dabei aktiv.

Bei der Auffahrt auf den Berg stellt sich das wie folgt dar: Verliert eines oder mehrere Räder auf rutschigem Untergrund wie etwa auf Schnee und Eis die Traktion, bremst 4ETS die durchdrehenden Räder automatisch mit kurzen Impulsen ab und erhöht dadurch in gleichem Maße das Antriebsmoment an den Rädern mit guter Traktion. "Der automatische Bremseingriff mittels 4ETS", verspricht Mercedes, "kann die Wirkung von bis zu drei Differenzialsperren ersetzen: Längs-, Hinterachs- und Vorderachssperre".

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Mit Zuladung muss auch der Sechszylinder-Diesel kräftig arbeiten, um durch die Alpen zu klettern.

(Foto: Daimler AG)

Und noch etwas: Für den Schneekettenbetrieb oder auf Schotterstraßen kann das ASR, also die Antischlupfregelung, per Menütaste am Lenkrad ausgeschaltet werden. In einem Geschwindigkeitsbereich zwischen 40 und 60 km/h wird das System dann wieder automatisch aktiviert.

V6 Diesel gibt kraftvollen Exoten

Auf der rechten Flügeltür steht "319 CDI", das heißt, dass unter dem Blech der 3,0-Liter große Sechszylinder-Diesel steckt. Der leistet 190 PS und drückt ordentliche 440 Newtonmeter Drehmoment auf die Achsen. Mercedes bietet übrigens als einziger Hersteller einen V6 in einem Transporter an. Obligatorisch gekoppelt an eine Siebengang-Wandlerautomatik zieht der aber nicht nur satt an, sondern zeigt dabei auch eine feine Laufkultur. In einem Nutzfahrzeug im Übrigen ein sehr angenehmer Nebeneffekt.

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Einzigartig in einem Nutzfahrzeug: der Sechszylinder-Diesel, den Mercedes dem Sprinter verordnet hat.

(Foto: Daimler AG)

Auf den steilen Alpen-Passstraßen muss das Aggregat dann aber doch kräftig arbeiten, zumal der Testwagen mit Teilbeladung versehen ist. Wichtig ist beim steilen Anstieg auch die Erkennung der Ladung und die Ermittlung des Schwerpunkts. Das System, das die Verantwortung hierfür übernimmt, ist die Load Adaptive Control (LAC). Allerdings werden bei der Auf- und Abfahrt zum Timmelsjoch auch die straffe Lenkung spürbar und der große Wendekreis. Der Sprinter ist am Ende des Tages eben doch ein Nutzfahrzeug, trotz des geschmeidigen V6 an Bord. Natürlich sind auch kleinere Triebwerke in Kombination mit Allrad erhältlich. Zum Beispiel der 311 CDI, ein Vierzylinder-Diesel, der seine 114 PS aus 2,1 Liter Hubraum schöpft, aber deutlich mehr arbeiten müsste, um Passstraßen wie die im Test zu überwinden. Zudem wird das Aggregat auch mit 143 und 163 PS angeboten.

MBUX an Bord

Optional ist im Sprinter das Top-Infotainment-System "MBUX"an Bord. Auch wenn Mercedes bei den "Arbeits"-Sprintern nicht gerade mit Massenbestellungen rechnet. Trotzdem dürfte der Transporter damit das umfangreichste Multimedia-System im Wettbewerbs-Umfeld anbieten. Der ausladende bis zu 10,25 Zoll große Monitor ist hier analog zur A-Klasse auch als Touchscreen ausgeführt. In Windeseile kann man eine Navigation zustandebringen, indem man rasch ein Stichwort in das "Wohin"-Feld eingibt oder gleich die treffsichere Sprachbedienung bemüht.

Der Bedienkomfort verleiht dem Sprinter zusammen mit den kommoden Sitzen sowie dem harmonischen Antriebsstrang Pkw-Flair. Allerdings sind auch die Preise gesalzen. Vor allem der Sechszylinder inklusive Allrad geht mit mindestens 62.142 Euro wohl glatt als der Oberklasse-Transporter durch.

Quelle: n-tv.de, hpr

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