Mischung aus SUV, Van und KombiMitsubishi Eclipse Cross - bisher komfortabelstes Modell der Marke

Mit dem elektrischen Eclipse Cross bietet Mitsubishi ein komfortables und geräumiges Familienauto mit hoher Reichweite und umfangreicher Ausstattung, zudem mit bis zu acht Jahren Herstellergarantie. Allerdings hat der Crossover nur Frontantrieb und die DC-Ladezeiten sind vergleichsweise lang.
Mitsubishi war schon immer ein Chamäleon. Ein Blick auf fast fünf Jahrzehnte Modellgeschichte in Deutschland zeigt ein erstaunlich heterogenes Portfolio. Die Spannbreite reicht vom braven Tredia über den soliden Galant bis hin zu Ikonen wie Pajero oder 3000GT. Mal sportlich, mal rustikal, mal betont nüchtern. Ein eindeutiges "typisch Mitsubishi" ließ sich daraus nie ableiten. Was dabei lange fehlte, war ein Modell, das Komfort konsequent in den Mittelpunkt stellt. Ein echtes Verwöhn-Auto. Genau diese Lücke schließt nun der neue Eclipse Cross. Er ist das bislang komfortabelste Modell der japanischen Marke mit dem Diamantlogo. Quasi ein Diamant de Luxe.
Und gerade deshalb passt er so gut zu Mitsubishi. Der Eclipse Cross folgt keiner festen Linie, sondern setzt die traditionelle Unberechenbarkeit der Japaner fort. Zwar ist der Name bekannt, doch technisch markiert die Neuauflage einen radikalen Bruch. Anstelle von Verbrennungsmotor oder als Plug-in-Hybrid fährt er nun rein elektrisch und basiert im Kern auf dem Renault Scenic. Mitsubishi bleibt sich also treu, indem die Marke sich ein wenig neu erfindet.
Allzweckauto für möglichst viele Lebenslagen
Der knapp viereinhalb Meter lange Fünftürer bewegt sich dabei selbst zwischen den Kategorien. Am treffendsten beschreibt ihn wohl das derzeit gern bemühte Etikett "Crossover": eine Mischung aus SUV, Van und Kombi, gedacht als Allzweckauto für möglichst viele Lebenslagen. Optisch gibt er sich gefällig, mit einigen scharf gezeichneten Linien, feschen LED-Leuchten, ansonsten bleibt er jedoch angenehm zurückhaltend. Sieht man vom diamantförmigen Markenlogo ab, verzichtet der Eclipse Cross auf Extravaganzen. Und trotz einer stattlichen Batterie im Unterboden gehört er mit 1,57 Metern Höhe zu den eher flachen Vertretern der elektrischen SUV-Welt.
Im Innenraum erlebt man den Mitsubishi allerdings keineswegs wie einen flachen Kompromiss. Der Eclipse Cross entpuppt sich als vollwertiges Familienauto mit ordentlich Platz auch in der zweiten Reihe. Selbst wenn die traditionell hinten reisenden Kinder längst ausgewachsen sind, genießen sie großzügige Beinfreiheit und einen durchgehend ebenen Fußraum. Der Kofferraum fasst 487 Liter und lässt sich durch Umlegen der Rückbank auf bis zu 1.670 Liter erweitern. Dem Familienurlaub stünde damit eigentlich nichts im Wege, vorausgesetzt, man bringt für die Ladepausen ein wenig Zeit mit.
Ordentliche Reichweiten
Der Grund dafür ist natürlich der Elektroantrieb, der auf langen Strecken grundsätzlich andere Spielregeln als ein Verbrenner vorgibt. Immerhin tritt der Eclipse Cross gleich mit der größeren der beim Renault-Pendant verfügbaren Batterien an: 87 kWh stecken im Unterboden, was für ein Elektroauto ein durchaus großzügiges Format ist. Entsprechend ordentlich fallen auch die Reichweiten aus. Bei Autobahnfahrten mit Tempo 120 lag der Verbrauch bei rund 23 kWh pro 100 Kilometer, was weder besonders sparsam noch übertrieben durstig ist. Bei vorwiegend kühlen Außentemperaturen und aktivierter Klimaanlage kamen wir auf reale 350 bis 400 Kilometer.
Effizienter unterwegs war der Eclipse Cross im Eco-Modus mit dann nur noch 19,4 kWh/100 km. Unter dem Eco-Regime wird allerdings das Reisetempo auf 115 km/h limitiert, was wiederum das Reichweitenfenster auf deutlich über 400 Kilometer erweitert hat. Für eine Tour Hamburg nach München könnte also theoretisch ein einziger Ladestopp genügen.
Ein kurzer Halt an der Zapfsäule reicht dafür allerdings nicht. Offiziell sollen am Schnelllader bis zu 150 kW abrufbar sein. In der Praxis sahen wir bei gut leer gefahrenem Akku zwar kurzzeitig die Ladekurve kurzzeitig über 100 kW steigen, über weite Strecken lag die Ladeleistung jedoch deutlich darunter. Während manche Wettbewerber inzwischen locker mehr als 200 kW ziehen und in einer Viertelstunde für mehrere hundert Kilometer Reichweite nachladen, gibt sich der Eclipse Cross eher bedächtig. Fast so, als würde sein Wechselrichter mit der Ruhe einer Verkäuferin im Delikatessengeschäft jeden einzelnen Stromimpuls sorgfältig einen Platz im Akku zuweisen. Für weitere 300 Kilometer Reichweite forderte der Tankstopp am Schnelllader mehr als rund eine Stunde ein. Das geht auch schlechter, doch eben auch deutlich schneller. Ein limitierender Faktor ist die 400-Volt-Architektur.
Die verhindert auch einen allzu forschen Vorwärtstrieb. Immerhin: Mit seinem 160 kW/218 PS starken Frontmotor beschleunigt der Zweitonner in 8,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Elektronik begrenzt die Höchstgeschwindigkeit auf 170 km/h. Eine Allradvariante bietet Mitsubishi nicht an, die Vorderräder müssen also stets die gesamte Leistung übertragen, was selbst im Sportmodus ohne wildes Scharren der Räder funktioniert. Das Antriebssystem arbeitet dabei extrem leise, auch Windgeräusche bleiben moderat. Zusammen mit der klar auf Komfort statt Sportlichkeit ausgelegten Fahrwerksabstimmung sowie den unterstützenden, aber nicht zu aufdringlich arbeitenden Assistenzsystemen bietet der Eclipse Cross ein ausgesprochen entspanntes Fahrerlebnis.
Schicker Innenraum, großes Panoramadach
Hinzu kommt ein schick eingerichteter Innenraum mit angenehmen Materialien, Ambientelicht und einem riesigen Glaspanoramadach. Auch die Bedienung überzeugt, sobald man sich an einige Eigenheiten wie die Fahrstufenwahl über einen Lenkstockhebel oder den Bediensatelliten hinter dem Lenkrad gewöhnt hat. Als starke Lösung erlebten wir das auf Android basierende Infotainmentsystem. Es integriert unter anderem Google Maps und den Sprachassistenten des IT-Konzerns. Ist das System per Android Auto mit dem eigenen Smartphone verbunden, lassen sich viele Funktionen bequem per Sprachbefehl aufrufen. Der Navigation reicht der Hinweis "nach Hause". Ist die Streamingdienst-App auf dem Smartphone, kann man einfach seine Lieblingsmusik oder einen Wunsch-Podcast aufrufen.
Die Bedieneinheit ist leicht zum Fahrer geneigt, überzeugt in der größeren Ausbaustufe mit 12 Zoll großem Touchscreen, schicker Grafik, hoher Auflösung und flüssiger Darstellung. Allein dieses System könnte schon ein handfester Grund sein, sich für den Eclipse Cross oder alternativ für den Technikzwilling Renault Scenic zu entscheiden.
Die Preise für das Mitsubishi-Pendant beginnen bei rund 44.000 Euro für die Version Diamant Plus. Der Diamant Top mit großem Display, digitalem Innenspiegel und 20-Zoll-Rädern ist ab 48.800 Euro erhältlich. Mit dem optionalen Luxury-Paket für 3.400 Euro kommen noch ein Premium-Soundsystem und ein elektrisch dimmbares Glasdach hinzu. Spätestens dann erhält man ein Verwöhnauto mit starkem Komfortfokus. Genau die Sorte, die in der facettenreichen Geschichte von Mitsubishi bislang fehlte.