Auto

50 Jahre Opel Commodore B Mit Rallyestreifen gegen Porsche

02_Opel_Commodore_B_GSE_Coupe_ab_1972_Quelle_Opel.jpg

Vom simpler ausstaffierten Vierzylinder-Mittelklasse-Bestseller Opel Rekord unterschied sich der Commodore mit Sechszylinder nur durch optische Details

(Foto: Opel)

Nie hatte Opel ein heißeres Eisen im Feuer: Vor 50 Jahren fuhren die Rüsselsheimer im Verkaufsranking mit VW auf Augenhöhe, aber beim Image war der Blitz auf Pole Position. Möglich machten dies furios schnelle Autos wie der Commodore GS/E, ein mit Rallyestreifen dekorierter Renner, den selbst Porsche-Piloten respektierten.

Bürgerliche Massenautos begehrenswert machen, diese Kunst beherrschten vor 50 Jahren Rüsselsheimer Ingenieure am besten. So konnte Opel nicht nur Ford auf Distanz halten, sondern sogar VW in den deutschen Verkaufscharts überholen. Kein Wunder bei sportlichen Imageboostern wie dem Commodore (B). Mit angesagten optionalen Speed-Insignien fürs Überholprestige á la Rallyestreifen, Frontspoiler, riesigen Zusatzscheinwerfern und mattschwarzer Motorhaube, vor allem aber mit Muscle-Car-ähnlicher Power tanzte die GS/E genannte Top-Version einen wilden Rock 'n' Roll mit den Sechszylinder-Rivalen.

04_Opel_Commodore_B_Limousine_Quelle_Opel.jpg

Bis Sommer 1977 wurden über 140.000 Commodore B ausgeliefert.

(Foto: Opel)

"Ein solcher Wagen kommt nicht jedes Jahr", erklärte die Commodore-Werbung, offenbar mit Blickrichtung Köln und den parallel präsentierten, schwerfälliger wirkenden Granada. "Für Menschen, die Sport und Eleganz zu verbinden wissen", waren die viertürigen Limousinen und Coupés im Hardtop-Design mit Commodore-Signet gedacht.

Vom simpler ausstaffierten Vierzylinder-Mittelklasse-Bestseller Rekord unterschied sich der Sechszylinder-Opel zwar nur durch optische Details wie Kühlergrill und Rückleuchten unter mattschwarzer Blende mit Chromstreifen. Aber das genügte für Popularität sogar auf Parkplätzen vor Tennisplätzen, Architektenbüros und dem Universitätsdekanat. Dort, wo sonst BMW, Saab oder VW-Porsche verbreitet waren. Obwohl billig, befreite sich der Commodore von Spießbürgerlichkeit, zumal als GS/E mit 160 PS.

Sechszylinder-Blitz trifft das Tempo der Zeit

05_Opel_Commodore_B_Limousine_Quelle_Opel.jpg

Mit seinem Sechszylinder konnte der Opel Commodore gegenüber BMW 5er und Mercedes Strich-Acht-Typen mit Vierzylinder-Motoren durchaus Achtungserfolge einfahren.

(Foto: Opel)

Auf dem Genfer Automobilsalon debütierten im März 1972 allerdings erst einmal die braveren Ausführungen der zweiten Commodore-Generation. Bis die Neuauflage des Einspritzers GS/E startbereit war, sollte es noch ein paar Monate dauern. Auch wenn der klar und elegant gezeichnete Opel der gehobenen Mittelklasse weniger Emotionen freisetzte als die 1967 mit modisch-kessem Hüftschwung überraschende Erstausgabe des Commodore (A) - benannt ist die Luxusversion des Opel Rekord übrigens nach dem Geschwaderkommandeur bei Luftwaffe und Marine - traf der neue Sechszylinder-Blitz perfekt den auf Tempo getrimmten Zeitgeist der frühen Siebzigerjahre.

Der ultimative Dynamiktest eines Automobils findet auf Rennbahnen und Rallyepisten statt. Und so war es die Monte Carlo, auf der Rallye-Legende Walter Röhrl 1973 mit einem von Irmscher getunten giftig-gelben Commodore GS/E (von Röhrl liebevoll "Die Kommode" genannt) im Team mit Jochen Berger einen Klassensieg herausfuhr. Tuner Steinmetz bestückte sogar einen GS/E mit 510 PS starkem 6,0-Liter-V8-Monster und spektakulärem Spoilerwerk für die Interserie, allerdings ohne nachhaltige Erfolge.

03_Opel_Commodore_B_GSE_Coupe_im_Rallyeeinsatz_mit_Walter_Roehrl_und_Jochen_Berger_Quelle_Opel.jpg

Rallye-Legende Walter Röhrl war in einem von Irmscher aufbereiteten Opel Commodore sehr erfolgreich.

(Foto: Opel)

Und dann gab es noch den von Johann Weisheidinger pilotierten Commodore, der ein Rundstreckenchampionat gewann und als erster Serientourenwagen eine Rundenzeit von unter zehn Minuten in die Nürburgring-Nordschleife brannte. Beim Fahren auf Alltagsstraßen gab sich das feurige Vorzeigeobjekt der neuen Rüsselsheimer Mittelklasse-Generation ebenfalls keine Blöße: Der 2,8-Liter-Reihensechszylinder - abgeleitet vom altgedienten Triebwerk in den Flaggschifflimousinen Admiral und Diplomat - schob über die Hinterräder fast schon brutal an.

"Eine Luxuslimousine, die es in sich hat"

In laut Fachmedien nur gut 8,5 Sekunden (das Opel-Datenblatt nannte konservative 9,3 Sekunden) erreichte der GS/E das 1972 neu eingeführte Landstraßen-Tempolimit von 100 km/h. Der Weg zur Höchstgeschwindigkeit von über 200 km/h gestaltete sich gleichfalls flott. Werte, mit denen der Opel damals im Revier von Porsche 911 T, Mercedes 280 CE, aber auch 350 SL und BMW CS wilderte. Autos, die teils doppelt so teuer waren und eigentlich eine andere Klientel ansprachen als der bezahlbare Kraftprotz mit Commodore-Rangabzeichen.

06_Opel_Commodore_B_Interieur_Quelle_Opel.jpg

Einen Opel Commodore gab es ohne große Aufpreislisten.

(Foto: Opel)

Deshalb wandte sich Opel 1973 in Werbeanzeigen gezielt an wohlhabende, prestigehungrige Kunden: "Auch wenn Sie eigentlich DM 20.000 für ein Auto ausgeben wollten, denken Sie trotzdem an einen Commodore. Ihn gibt es schon ab DM 13.955." Dazu passte die Marketing-Kampagne "Commodore. Eine Luxuslimousine, die es in sich hat." Schließlich sollte es auch der viertürige Commodore nicht nur mit preiswerten Massenmodellen wie dem Ford Granada aufnehmen, sondern zugleich mit teuren süddeutschen Premiumlimousinen.

So gab es den Opel serienmäßig mit einem breiten Portfolio an Sechszylindern, das vom 115 PS leistenden 2,5-Liter-Triebwerk über einen 2,8-Liter-Vergaser bis zum 160-PS-Einspritzer reichte. Gegenüber BMW 5er und Mercedes Strich-Acht-Typen mit Vierzylinder-Motoren erzielten diese erschwinglichen Sechszylinder, speziell mit großem GS bzw. GS/E-Signet, anfangs durchaus Achtungserfolge.

Verzicht auf Aufpreislisten

07_Opel_Commodore_B_GSE_Coupe_mit_Opel_Markenbotschafterin_Rosi_Mittermaier_1976_Quelle_Opel.jpg

Opel Markenbotschafterin Rosi Mittermaier zeigte sich vom Opel Commodore ebenfalls begeistert.

(Foto: Opel)

Tatsächlich verzichtete Opel sogar auf damals übliche endlose Aufpreislisten, der erste Preiskatalog zum Commodore begnügte sich mit nur vier Seiten für alle Varianten und Extras. Darunter die Leistungsabzeichen, schwarze Motorhaube, Rallyestreifen und Fernscheinwerfer, ergänzt im Herbst um einen serienmäßigen, aber abwählbaren Frontspoiler für den GS/E. Wer auf modische Extravaganz setzte, konnte seinen Opel auch mit schickem Vinyldach und Colorverglasung bekommen. Akzente, die das im italienischen Stil klar gestaltete und großzügig verglaste Karosseriekleid mit Spannungselementen aufluden.

Alles ganz im Sinn von Opel-Chefdesigner Charles M. Jordan, der "dull cars" (langweilige Autos) ablehnte, aber sonst bei der Formenfindung für das Duo aus Rekord und Commodore das Nachwuchstalent George Gallion walten ließ. Erfolgreich, denn sogar in Großbritannien - eigentlich Kernmarkt für die Opel-Schwestermarke Vauxhall - löste der Commodore Begeisterung aus. "The classic thoroughbred", ein edles Vollblut, so präsentierte sich der Rüsselsheimer auf Werbeplakaten im Umfeld sportlicher Legenden á la Bentley, Jaguar und Aston Martin.

Die Ölkrise als Tal der Tränen für Tempobolzer

11_Opel_Commodore_B_Sechszylinder-Motor_Quelle_Opel.jpg

Während der Ölkrise im Jahr 1973/74 brachen die Absatzzahlen des Opel Commodore mit seinem launigen Sechszylinder mächtig ein.

(Foto: Opel)

Als die Fachpresse den Commodore allen empfahl, die Spaß an preiswerten, schnellen Wagen haben, ahnte noch niemand, dass für Tempobolzer ein Tal der Tränen in Sicht war. Die erste Ölkrise brachte 1973/74 vorübergehende, strikte Tempolimits und langfristig wirkende Benzinpreis-Erhöhungen. Obwohl die Opel-Sechszylinder niedrigere Verbrauchswerte als die meisten Wettbewerber auswiesen, stürzten die Verkaufszahlen vorübergehend ab.

Die Ära von Rallyestreifen, Vinyldächern und auf edel getrimmten Interieurs mit Holzdekor neigte sich jedoch ohnehin dem Sonnenuntergang entgegen. Auch sportliche Idole wie die laut Opel-Pressemitteilung "weltbeste Ski-Amazone" und "World-Cup-Siegerin" Rosi Mittermaier als Markenbotschafterin auf schnellem Commodore GS/E - "um Terminabsprachen sicher einhalten zu können" - verzögerte den Abschwung nur wenig.

Immerhin: Bis Sommer 1977 wurden über 140.000 Commodore B ausgeliefert, davon gut 42.000 Coupés, respektable Resultate im Konkurrenzumfeld. Deshalb riskierte Opel 1978 auch noch eine dritte Commodore-Generation, die allerdings zwischen Rekord und neuem Topmodell Senator kein eigenständiges Gesicht zeigen konnte. Kein Wunder, dass der in skulpturale Formen gegossene Commodore B bis heute besonderen Kultstatus in der Community besitzt.

Quelle: ntv.de, Wolfram Nickel, sp-x

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen