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Sound-Bike in der City of Music Mit der BMW R nineT durch Austin

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Die BMW R nineT Pure singt auf den Straßen von Austin ihr ganz eigenes Lied.

(Foto: Hermann Köpf)

Wie kann man eine Stadt, in deren Nähe die Moto GP läuft und in der die Handbuilt Motorcycle Show tobt, besser entdecken als auf einem Bike? Gar nicht! Deshalb hat sich n-tv.de eine BMW R nineT Pure geschnappt und durfte Überraschendes erleben.

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Die Revival Birdcage trägt in ihrem Titanrahmen den kommenden BMW Big Boxer, den R18.

(Foto: Holger Preiss)

Einmal im Jahr trifft sich in Austin (Texas) gefühlt die gesamte Zweiradgemeinde der USA zur Handbuilt Motorcycle Show und zum Rennen der Moto GP auf dem Circuit of the Americans. Während die einen der puren Geschwindigkeit huldigen, lieben es die anderen, sich individuell aufbereitete Motorräder anzusehen und darüber zu fachsimpeln. Natürlich gibt es auch die, die beides wollen und sich dann bei den Super Hooligan Championships treffen.

In diesem aus Geschwindigkeit, Benzingeruch und viel Handarbeit gezimmerten Rahmen hat Revival Cycles ein Bike präsentiert, das im filigranen Titan-Rahmen daherkommt und darin den kommenden Boxer-Motor von BMW mit 1800 Kubikzentimetern Hubraum trägt, von dem man noch nicht mal im Ansatz weiß, zu welchem Schlag er in naher Zukunft ausholen wird.

Um das zu begreifen und gleichsam zu verstehen, was eben an jenem April-Wochenende in Austin abgeht, muss man Motorrad fahren. Und was könnte da besser sein, als sich eine BMW R nineT zu schnappen. Das Motorrad mit seinem Zweizylinder-Viertakt-Boxermoter passt hier in jeder Hinsicht wie die Faust aufs Auge. Denn die R nineT ist sozusagen die fleischgewordene Idee einer ähnlichen Herangehensweise, wie sie die Bayern beim kommenden Cruiser mit R18-Triebwerk pflegen. Erst den Motor, dann Customizing drumherum und am Ende ein fertiges Motorrad wie die R nineT Pure. Ehrlich, laut und so gar nicht angepasst.

Achtung für die bayrische Tonart

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Die Straßen außerhalb von Austin haben ihre Tücken.

(Foto: Hermann Köpf)

Aber eins gleich mal vorneweg: Natürlich gibt es Motorräder, die sich besser fahren lassen, deren Handhabung einfacher ist und die nicht so ungezogen aufspielen wie eine Pure. Denn ganz ehrlich, im Kanon der mächtigen Indians und Harleys muss sich die BMW nicht verstecken. Keine Ahnung, wie sie das in München hinbekommen haben, aber das Ding brüllt aus der Tüte, dass die Schwarte kracht. Echt, da dreht sich an der Kreuzung Red River Street in Austin selbst der Typ mit grauem Rauschebart auf seiner Indian Chieftain um. Cool, in der bayrischen Tonart kann man hier also mitspielen. Gut, dass keiner das breite Grinsen unter dem Helm sieht, wenn die Pure von der Ampel schießt.

Und dennoch muss man mit der 222 Kilogramm schweren Bayerin umgehen können. Der Schwerpunkt ist durch den Boxer mit 1170 Kubikzentimetern Hubraum schon ziemlich weit vorn und wirkt recht tief. Wer kurz mal bei gezogener Kupplung im Anrollen an die Kreuzung am Hahn zieht, um Laut zu geben, wird überrascht sein, dass die R nineT sich schüttelt wie ein nasser Hund. Jetzt stelle man sich das für ein im Grundaufbau gleiches Triebwerk mit 600 Kubikzentimetern mehr vor, bei dem die Kolben querschlagen. Alter Schalter, da möchte man nicht nachlässig am Lenker hängen. Andererseits, wenn die Pure einmal in Fahrt gekommen ist, dann rollt sie. Überrascht mit in jeder Situation abrufbaren Kraftreserven und dank der 110 PS und eines maximalen Drehmoments von 119 Newtonmetern mit richtigem Druck.

Schlechte Straßen, gute Musik

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Die Kurven um Austin könnten richtig Spaß machen.

(Foto: Hermann Köpf)

Genauso bewaffnet geht es jetzt Richtung Barton Creek. Nur um zu erfahren, was denn außerhalb der City of Live Music ist. Tatsächlich hat sich Austin diesen Namen nicht ohne Grund gegeben. Kommen doch Musiklegenden wie Janis Joplin, Willie Nelson oder Stevie Ray Vaughan aus der texanischen Stadt. Na gut, nicht ganz. Aber alle sind irgendwo in Texas geboren. Stevie Ray Vaughan hat jedenfalls sogar ein Denkmal in Austin. Direkt am Colorado River. Doch wie dem auch sei, die Musik spielt im Moment die R nineT Pure und das nachdrücklich. Allerdings kann man auch als Motorradfahrer in den USA nie so richtig den Hahn spannen. Das ist außerhalb von Austin nicht mal den möglichen Restriktionen durch die Cops geschuldet, sondern vielmehr den schlechten und streckenweise unberechenbaren Straßen.

Die Seitenkanten sind extrem hoch und in Schräglage möchte man hier auf gar keinen Fall reinrutschen. Das wiederum kann schnell gehen, denn der Belag ist bei Nässe schmierig wie eine Ölspur. Zudem hatte ein der Ausfahrt vorangegangenes Unwetter Unmengen von Dreck auf die Straßen gespült. Wer das Bike hier noch ums Eck werfen will, der muss schon die Kurvenerfahrung von Super-Moto-Profis haben: Fuß raus und Hinterrad fein driften lassen. Knieschleifer sind hier definitiv falsch.

Klapperschlangen-Kurven und ein Mokka

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Als Biker bleibt man in Austin nicht allein.

(Foto: Hermann Köpf)

Die R nineT Pure ist hier nicht falsch, fährt sich mit den Metzeler Roadtec Z8 jedenfalls sicherer als die Scrambler mit ihrer Stollenbereifung von Metzeler, dem Karoo 3. Was aber für ein richtig gutes Gefühl sorgt, sind die Bremsen. Vorne Doppelscheibe, hinten Einscheibe, Standard eben. Aber die Brembos hacken schon ordentlich zu und wer der R nineT über Hand- und Fußbremse sagt "steh", der spürt vielleicht noch eine Zehntelsekunde das Rappeln des ABS, dann steht er aber auch. Das ist fein, denn die Straßen abseits der Stadt winden sich wie die Klapperschlange unter einem Stein in der texanischen Wüste. Dabei geht es hoch und runter. Keine langen Passagen, sondern in kurzer Folge. Das könnte richtig Laune machen, aber die geschilderten Straßenverhältnisse lassen keine Experimente zu.

Also zurück in die Stadt. Hier sind auch wieder die anderen Biker zu finden, die bei der Ausfahrt gar nicht zu sehen waren. Am Flat Track Café wird Halt gemacht. "Could I get a Mexican Mokka?" Klar, kann er. Inzwischen ist die Sonne in Höchstform. Draußen einen Platz geschnappt zum Leute gucken. Zum Beispiel die zierliche Latina, die mit ihrem nicht näher zu definierenden Zweizylinder von 1981 angeknattert kommt, der ordentlich Ton gibt. Oder den Typen, der seine gelbe Yamaha TT neben die Pure schiebt. Man nickt sich zu, man weiß, wohin man gehört. Auf ein Motorrad eben, egal welcher Couleur.

Crazy Guys

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Crazy Guys bei der Super Hooligan Championchip.

(Foto: Holger Preiss)

Nach dem Kaffee geht es nach Downtown. Im Rahmen der Handbuilt Show battlen sich dort nämlich die ganz harten Jungs bei der Super Hooligan Championship. Der Kurs ist extrem eng, mit einer Art Sprungschanze, über das die Crazy Guys alles fahren könnten, was zwei Räder hat. Vor allem Indian, aber auch Triumph, Honda und KTM sind dabei. Für die R nineT wäre das nichts. Zu schwer und mit dem 180er Hinterrad viel zu üppig bereift. Keine Option für die Drift. Aber man muss ja auch nicht alles mitmachen. Die Jungs wissen jedenfalls, was sie tun und können es einfach. Ein wenig plagt einen beim Zuschauen schon der Neid.

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Sightseeing durch Austin. Im Hintergrund das Capitol.

(Foto: Hermann Köpf)

Genug gesehen, jetzt wird selbst gefahren. Einfach mal Sightseeing runter zum Capitol, an der Wand mit "Willi Nelson for Präsident" vorbei und über die Brücke in die Skyline von Downtown geht es. Doch es ist Samstagabend und die Stadt scheint erst jetzt wirklich zu erwachen. Der Verkehr wird immer dichter. Man zwängt sich zwischen Pickups, SUV, Muscle Cars, Hot Rods und gepimpte Oldtimer. Verdammt, wo kommen die denn alle her? Nachgefragt und erfahren, dass irgendwo in Austin auch noch eine Auto Show für Tuner ist. Mist, die hätte man noch mitnehmen können. Zu spät.

Die Gangart bleibt geheim

Also ein letztes Mal auf die Pure und ab in den Sonnenuntergang und den Verkehr. Beim anhaltenden Start und Stopp macht sich allerdings ein Schwachpunkt der BMW bemerkbar: Die Gute hat Probleme mit dem ersten Gang. Manchmal muss man ruckeln oder nachschalten, um zum Start zu kommen. Angesichts des schon geschilderten massiven Verkehrs ist das nicht optimal. Hinzu kommt, dass die Pure wie alle nineT-Modelle lediglich über den Leerlauf mit einem grünen N in der Armatur informiert. Alle weiteren Gangarten behält das Bike für sich. Hier muss der Fahrer wie früher ein Gespür entwickeln. Laut BMW ist das eben die Pure-Philosophie. Genau wie die weniger feinnervigen Dämpfer. Das allerdings ein Umstand, der sich während der Ausfahrt nicht negativ bemerkbar machte.

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Austin selbst ist nicht groß, die Skyline dennoch beeindruckend.

(Foto: Hermann Köpf)

Am Ende das Tages brachte der Autor jedenfalls beseelt ein Bike in die Tiefgarage, mit dem man sich nicht nur sehen und hören lassen kann, sondern das durchaus auch Fahrspaß bietet. Natürlich ist der nicht so leichtfüßig wie bei einem Hyper Naked, aber auch nicht so betulich und schwer wie auf einem Cruiser. Es ist etwas dazwischen, was einen Motorradfahrer durchaus in den Bann schlagen kann. Angesichts dessen darf man einmal mehr gespannt sein, was BMW wohl mit dem neuen, in den Customize-Bikes, gigantisch wirkenden Big-Boxer vorhat.

Quelle: n-tv.de

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