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Aerodynamisch verbessert liegt der Luftwiderstands-Beiwert des Nissan Leaf jetzt bei 0,28.
Aerodynamisch verbessert liegt der Luftwiderstands-Beiwert des Nissan Leaf jetzt bei 0,28.(Foto: Nissan)
Montag, 30. April 2018

Bremspedal zum Abgewöhnen: Neuer Nissan Leaf mit magischem Pedal

Von Axel F. Busse

Weiterkommen, wenigstens bis zur nächsten Ladesäule - das ist der Wunsch aller, die mit der Anschaffung eines Elektroautos liebäugeln. Nissans aktuelles Angebot dazu heißt Leaf, jetzt mit leistungsfähigerer Batterie und einem magischen Pedal.

Der Nissan Leaf ist ein kompakter Elektriker für fünf Personen und 435 Liter Gepäck.
Der Nissan Leaf ist ein kompakter Elektriker für fünf Personen und 435 Liter Gepäck.(Foto: Textfabrik/Busse)

Schon seit vergangenem Monat ist der neue Leaf in Deutschland lieferbar. Zumindest theoretisch, denn wer sich jetzt zum Kauf entschließt, muss mit einer Lieferzeit von sieben bis acht Monaten rechnen. Für den Hersteller ist das ein gutes Zeichen, liegt die Nachfrage doch über der Produktionskapazität. Im englischen Nissan-Werk in Sunderland werden außer dem Leaf noch die Modelle Qashqai und Juke gebaut, und bei rund 34.000 Vorbestellungen für den Leaf in Europa heißt es eben, Geduld üben. Bis zu 5000 von den Stromern könnten in einem vollen Jahr in Deutschland Käufer finden, schätzt man bei Nissan.

Was die potenziellen Kunden noch mehr freuen dürfte, ist eine andere Zahl. Sie gibt die Reichweite an und ist Ergebnis einer Rechnung, die nach unterschiedlichen Regeln geführt werden kann. Wird nach dem zuletzt üblichen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) gerechnet, fährt der Leaf unter günstigsten Umständen mit einer Batterieladung 387 Kilometer weit. Rechnet man nach dem neuerdings geltenden WLTP-Zyklus den kombinierten Verbrauch aus, bleiben 285 Kilometer Reichweite. Über den realen Aktionsradius entscheidet außer dem Lade-Level aber nicht zuletzt der Fahrer oder die Fahrerin, denn auf ihren individuellen Umgang mit dem Energievorrat kommt es an. Tatsache ist, dass die Batteriekapazität auf 40 kWh erhöht wurde (+67 Prozent gegenüber der ersten Version) und auch das Drehmoment stieg um 26 Prozent (jetzt 320 Newtonmeter).

Spurtstark von der Ampel weg

Dank 150 PS ist der neue Nissan Leaf für manche flotte Kurve gut.
Dank 150 PS ist der neue Nissan Leaf für manche flotte Kurve gut.(Foto: Textfabrik/Busse)

Obwohl die rund 300 Kilogramm wiegende neue Batterie den gleichen Bauraum beansprucht wie die alte, ist es nicht möglich, das leistungsfähigere Energiepäckchen in ein bereits zugelassenes Fahrzeug einzubauen. So müssen sich die knapp 850 Käufer, die 2017 einen Leaf neu in Deutschland zuließen, mit einer bescheideneren Reichweite zufrieden geben. Ihnen könnte jedoch die nächste Stufe der Elektro-Aufrüstung helfen. Für das Frühjahr 2019 kündigt Nissan einen Akku mit noch mehr Kapazität an. Wie viele Kilowattstunden in ihm verbunkert werden, will man noch nicht verraten, aber es könnte "in Richtung 60 kWh gehen". Womöglich stehen dann auch noch mehr als die jetzt vorhandenen 150 PS Leistung zur Verfügung.

Der 4,49 Meter lange, 1,78 Meter breite und 1,61 Meter hohe Stromer wirkt optisch gefälliger und dynamischer als der Vorgänger. Feinschliff an der Aerodynamik senkte den Cw-Wert auf 0,28. Mehr noch als bei anderen Pkw nimmt bei Elektromobilen die Windschlüpfrigkeit Einfluss auf den Verbrauch und die Reichweite. Da das volle Drehmoment der E-Maschine von der ersten Umdrehung an wirkt, kann man andere Verkehrteilnehmer beim Ampelstart mit einem herzhaften Antritt beeindrucken. In unter acht Sekunden soll es der Leaf auf 100 km/h schaffen. Auf der Autobahn ist es allerdings nicht so leicht, Eindruck zu schinden: Mehr als 144 km/h sind laut Hersteller nicht drin.

Das Cockpit des aktuellen Nissan Leaf orientiert sich wieder mehr an vertrauter Gestaltung.
Das Cockpit des aktuellen Nissan Leaf orientiert sich wieder mehr an vertrauter Gestaltung.(Foto: Nissan)

Da ändert es auch nichts, dass bei den aktuellen Testfahrten im Taunus der Tacho vereinzelt 155 km/h anzeigte. Der Geschwindigkeitsmesser ist eingebettet in eine neue Cockpitstruktur, die sich an traditionellen Analog-Instrumenten orientiert und den Neukunden so mehr Vertrautheit vermitteln soll. Sie dürften lediglich eine Längverstellbarkeit der Lenksäule vermissen, die im Kompaktsegment eigentlich Standard sein sollte. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Stummelknauf auf der Mittelkonsole, mit dem Fahrtrichtung und -modus vorgewählt wird. In unmittelbarer Nachbarschaft dieses Mini-Hebels liegt jene Innovation, die Nissan als großen Fortschritt preist: Mit einem Schalter wird das so genannte "e-Padel" aktiviert.

Maximale Energie-Rückgewinnung

Sein Reiz liegt darin, dass beim Fahren fast vollständig auf die Fußbremse verzichtet werden kann. Beschleunigen und Verzögern mit nur einem Pedal lautet die Idee und in der Praxis bedeutet dies, dass beim Lupfen des "Gas"-(Fahr)-Pedals eine erhöhte Bremswirkung einsetzt. Sie liegt bei bis zu 0,2 G, was etwa 1,9 Metern pro Sekunde entspricht. Damit der nachfolgende Verkehr nicht irritiert wird, ist das e-Pedal mit den Bremslichtern verbunden. Während der Verzögerung wandelt das Bordsystem die kinetische Energie in elektrische um und lädt so die Batterie nach. Mit einem bisschen Übung und vorausschauendem Fahren kann man so im Stadtverkehr fast komplett auf die Bremse verzichten und bringt das Fahrzeug an der Ampel oder im Kolonnenverkehr mittels e-Pedal zu Stehen.

Der Schalter "e-Pedal" aktiviert eine erhöhte Verzögerung und die Rekuperation des Nissan Leaf.
Der Schalter "e-Pedal" aktiviert eine erhöhte Verzögerung und die Rekuperation des Nissan Leaf.(Foto: Nissan)

Die 192-Module der Batterie sind im Unterboden zwischen den Achsen angebracht, was zweierlei Effekte hat: Zum einen sorgen sie für einen niedrigen Schwerpunkt, was dem Fahrzeug auf kurviger Strecke eine satte und sichere Straßenlage verleiht. Zum anderen spüren die Insassen auf der Rückbank, dass die Distanz zwischen Teppichboden und Sitzpolster geringer ist als gewöhnlich und sie daher mit spitzer angewinkelten Knien ihre Plätze einnehmen müssen. Gleichzeitig können sie sich aber über gute Kopffreiheit und einen Kofferraum freuen, der zwischen 435 und 1176 Liter Volumen bietet.

Mit einem Einstiegspreis von 31.950 Euro ist der neue Leaf zwar nur geringfügig teurer als der Vorgänger, zu einem Sonderangebot wird er deshalb aber nicht. Zur Ausstattung ab Werk gehören unter anderem der autonome Bremsassistent, Spurhalte-, Fernlicht- und Totwinkelassistent, Querverkehrswarnung, Verkehrszeichenerkennung, Berganfahrassistent sowie ein Sieben-Zoll-Touscreen-Display. Auf ihm werden ab der nächsthöheren Trimm-Linie auch die Navigations- und Multimedia-Informationen dargestellt, USB-Schnittstelle, Bluetooth-Verbindung, Audio-Streaming, Freisprechanlage und Sprachsteuerung inklusive. Wer LED-Scheinwerfer und Lederpolster sucht, greift am besten zur Tekna-Ausstattung, die mit 39.850 Euro das Ende der Preisliste markiert.

Quelle: n-tv.de