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Das ist mal ein Blitzschlag Opel Corsa-e Rally - für kommende Profis

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Es macht unglaublichen Spaß, mit dem exzellent abgestimmten und puristischen Opel Corsa-e Rally auf die Piste zu gehen.

(Foto: Gudrun Muschalla)

Wer mit dem Gedanken spielt, in den Rallye-Sport einzusteigen, muss nicht mehr mit Verbrennern durch den Wald heizen. Opel bietet mit dem Opel Corsa-e Rally nicht nur ein E-Fahrzeug für Rennen an, sondern gleich auch noch die entsprechenden Wettkämpfe für den Weg nach ganz oben.

Seit 2014 surrt die Formel E an den meisten Zuschauern vorbei. In der vergangenen Saison haben gerade mal 100.000 Menschen die Rennen auf Eurosport verfolgt. Und auch bei den mit Festivalcharakter angekündigten Live-Events waren die Zahlen bereits vor Corona nicht mal ansatzweise mit denen der Formel 1 zu vergleichen. Das könnte daran liegen, dass den Rennen jedes spektakuläre Moment fehlt. Die elektrisch angetriebenen Rennwagen werden kaum 240 km/h schnell, obgleich sie bis zu 340 PS aus dem E-Aggregat schöpfen. Zudem dauert ein Rennen lediglich 45 Minuten plus eine Runde. Nur zum Vergleich: Ein Formel-1-Rennen dauert zwei Stunden und die Jungs sind mit bis zu 300 km/h unterwegs. Vom Motorsound ganz zu schweigen.

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Der Opel Corsa-e Rally wird maximal 150 km/h schnell, das macht aber in seinem Fall gar nichts.

(Foto: Gudrun Muschalla)

Angesichts dieser Umstände wundert es, dass Opel jetzt gemeinsam mit dem ADAC die Opel Corsa-e Rally ins Leben gerufen hat. Der Name sagt es bereits: Hier wird mit einem Opel Corsa-e gefahren. Ups, könnte man jetzt denken, der hat doch nur 136 PS und ein maximales Drehmoment von 260 Newtonmetern. Hinzu kommt eine Brutto-Batteriekapazität von 50 kWh, die das Serienauto nach WLTP 330 Kilometer weit bringt. Und die Fahrleistungen sind für einen Rennwagen auch nicht der Hammer. Ganze 8,1 Sekunden dauert es, bis der Corsa-e Landstraßentempo erreicht hat und in der Spitze wird der auch nur 150 km/h schnell.

Alles richtig, und genau deshalb eignet sich der Wagen so unglaublich gut für den Kundensport und für eine Rallye. Denn wir erinnern uns: Eine Rallye ist im Motorsport laut Definition "ein Wettbewerb für serienmäßig hergestellte Kraftfahrzeuge, der über mehrere Etappen mit verschiedenen Sonderprüfungen geht". Da es bei diesem Wettbewerb nicht auf die Endgeschwindigkeit, sondern vielmehr auf die Geschicklichkeit des Fahrers auf unterschiedlichen Untergründen ankommt, spielen die PS hier eine nicht so wichtige Rolle wie zum Beispiel in der Formel 1.

Für Einsteiger in den Rallye-Sport

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Wie fantastisch sich so ein Opel Corsa-e Rally fährt, durfte der Autor am eigenen Leib erfahren.

(Foto: Gudrun Muschalla)

Zudem ist die Corsa-e Rally als Plattform für Einsteiger in den Ralley-Sport konzipiert worden. Natürlich bedarf es dafür eines Autos, das zwar die oben genannten Standards des Corsa-e beibehält, dann aber doch so umgebaut ist, dass es in einem Rennen, das vorzugsweise auch im schlechten Geläuf vonstattengeht, bestehen kann. Insofern wurde der Corsa-e, wie man das auch von anderen Rennwagen kennt, zuerst entschlackt. Alles, was für eine Rallye nicht an Bord gehört, fliegt raus, so dass am Ende ein Startgewicht von 1475 Kilogramm übrig bleibt. Damit hat der Corsa-e ähnliche Kampf-Parameter wie die Fahrzeuge im Opel ADAM Cup.

Doch was wurde konkret am Corsa-e Rally verändert? Da wäre zum Beispiel ein automatisch sperrendes Torsen-Differenzial, welches die 260 Newtonmeter Drehmoment ohne Traktionsverlust an die Vorderräder weiterreicht. Das ist ganz besonders wichtig, wenn es mit Schmackes aus engen Kehren geht. Hinzu kommt, dass für den optimalen Kraftschluss zwischen Motor und den kraftführenden Rädern die Antriebswelle den Rennsport-Standards angepasst wurde.

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Im Opel Corsa-e Rally gibt es deutlich weniger Komfort als im Serienmodell, dafür aber eine gehörige Portion mehr Fahrspaß.

(Foto: Gudrun Muschalla)

Der eigentliche Clou ist aber, vor allem für jemanden, der es gewohnt ist, mit Autos unterwegs zu sein, die alle Schikanen zu bieten haben, wenn sämtliche Fahrhilfen wie das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP), die Traktionskontrolle (TC) und das Antiblockiersystem (ABS) permanent deaktiviert sind. Die daraus resultierende höhere Fahrdynamik muss man erst mal wieder in den Griff bekommen. Hier macht es sich bezahlt, wenn man bereits die eine oder andere Runde im Go-Kart gedreht hat. Denn dort wird mit dem linken Fuß gebremst, mit dem rechten Gas gegeben. Und genauso sollte man eine Corsa-e Rally fahren.

Mit Balance und voller Kraft

Das heißt aber auch, dass beim harten Anbremsen die Räder blockieren und der Wagen in Bewegungsrichtung schiebt, nicht aber in Lenkrichtung fährt. Also müssen hier die Brembo-Bremsen für den richtigen Weg wieder freigegeben werden. Andernfalls kann es sich bei Kurvenfahrten bezahlt machen, die Bremse schleifen zu lassen, um dann im richtigen Winkel mit der nötigen Gaspedalbewegung um sehr enge Kurven zu gehen. Wer will und kann, der mag die für die im Rallye-Sport so wichtige Heckbremsung über die im Wagen aufragende "Fly-Off"-Handbremse vollziehen. Ein immer wieder spektakulärer Turn, der Zuschauern bei Wettkämpfen Jubelstürme entlockt.

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Das Fahrwerk an der Vorderachse des Opel Corsa-e Rally wurde komplett verändert und den Wettkampfbedingungen angepasst.

(Foto: Gudrun Muschalla)

Wichtig für derartige Manöver ist aber die Balance des Wagens. Und tatsächlich kommt dem Corsa-e hier sein Antrieb zugute. Dadurch, dass zwischen den Achsen der 300 Kilogramm schwere Akkumulator hängt, senkt sich der Schwerpunkt für den Rallye-Sport nahezu perfekt ab, was wiederum der Handhabung und der Bremsstabilität mehr als zuträglich ist. Das heiß jetzt aber nicht, dass jeder, der einen Opel Corsa-e kauft, gleich im Rallye-Modus unterwegs sein sollte. Zwar ist das Fahrwerk an der Hinterachse tatsächlich Serie, vorn wurde aber ein Billstein-Rallyefahrwerk mit McPherson-Federbeinen und Uniballaufnahmen, Billstein-Stoßdämpfer und Federn aus dem Hause Eibach verbaut. Was in Summe dafür sorgt, dass das zentrale Gewicht der Hochvoltbatterie wirklich dort bleibt, wo es ist: in der Mitte, und nicht als träge Masse an der falschen Stelle anfängt zu arbeiten.

Natürlich muss bei einer E-Rallye darauf geachtet werden, dass der Akku nicht vor der Zeit seine Kapazität verloren hat. Deshalb kann auf den Verbindungsetappen zu den nächsten Prüfungen der Eco-Fahrmodus mit dem geringstmöglichen Verbrauch eingesetzt werden. Für die Wertungsprüfungen gibt es den Modus WP für die volle Leistungsfreigabe; der Modus Rain reduziert das Drehmoment beim Einsatz auf rutschiger Piste. Ach so, um dem Ganzen noch eine akustische Emotionalität zu geben, wurde in den Opel Corsa-e Rally ein Soundmodul integriert. Das sorgt nicht nur dafür, dass der Wagen im Servicebereich zu hören ist, sondern auch für ordentlichen Krawall auf der Piste. Das Ganze aber abseits von künstlich generierten V8-Klängen oder sphärischem Star-Fighter-Gezwitscher. Es handelt sich um eine völlig eigenständige Motorsportmelodie, die hier kreiert wurde, was sich wohl am besten mit einem tiefen Elektrogrollen beschreiben lässt. Am Ende ist das aber nur was für die Zuschauer, denn wenn man mit dem Opel Corse-e Rally über die Piste heizt, hat man kein Ohr dafür.

Einzigartige Ladeinfrastruktur

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Geladen wird mit maximal 100 kW Gleichstrom, womit der 50-kWh-Akku in 30 Minuten wieder 80 Prozent seiner Leistung hat.

(Foto: Gudrun Muschalla)

Bleibt noch die Frage zu klären, wie die leeren Batterien der Fahrzeuge auf so einer Rallye befüllt werden. Dafür gibt es eine bis dato einzigartige mobile Ladeinfrastruktur, die von der Firma eLoaded aus Neusäß bei Augsburg kommt. Die gemeinsam mit Opel Motorsport entwickelte Ladeinfrastruktur für den ADAC Opel e-Rally Cup nutzt das öffentliche Stromnetz, wobei vom jeweiligen Netzbetreiber nur regenerativ erzeugter Ökostrom bezogen wird.

Der abgenommene Mittelstrom wird in einen eigens für den Rallye-Einsatz adaptierten Transformator mit DCSource in Form eines Trucks geleitet, dem sogenannten Power House. Das wiederum liefert ohne den Umweg über einen Zwischenspeicher eine Maximalleistung von zwei Megawatt an 18 Ladepunkte, von denen je einer an den Servicezelten der Cup-Fahrzeuge steht. Jeder Ladepunkt speist das Fahrzeug mit bis zu 140 Kilowatt, wobei der Corsa-e Rally mit maximal 100 Kilowatt Gleichstrom (DC) geladen werden kann. Damit ist es möglich, den 50-kWh-Energiespeicher des Corsa-e in rund 30 Minuten auf 80 Prozent zu laden. So gesehen dürfte auch während eines kürzeren Services ein Wiederaufladen für die nächste Wertungsprüfung kein Problem sein.

Am Ende scheint das Konzept schlüssig. Nicht nur, was das Fahrzeug betrifft, sondern auch die für das Rennen entwickelte Ladeinfrastruktur und damit auch die Idee, die Corsa-e Rally als Plattform für Einsteiger in den professionellen Rallye-Sport anzubieten. Die Eigeninvestition liegt bei mindestens 50.000 Euro. So viel kostet der rennfertige Corsa-e Rally. Hinzu kommen die Einschreibegebühren von bis zu 8900 Euro. Darin enthalten sind einheitliche Cup-Overalls sowie Teambekleidung, ein Servicezelt mit Bodenplane und Werbebande, kostenfreies Laden vor Ort und eine elektrotechnische Schulung.

Quelle: ntv.de

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