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Reichweite im Alltag ausreichendOpel Grandland Electric im Frosttest

27.01.2026, 07:16 Uhr
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Auch der Opel Grandland verliert bei Kälte an Reichweite. Für den normalen Alltag reicht sie aber locker. (Foto: Opel)

Kälte kostet Reichweite und Zeit an der Ladesäule. Das gilt auch für den elektrischen Opel Grandland, der sich trotzdem auch als Winterauto ordentlich schlägt. Allerdings ist seine Ladeleistung eher gering und die Bedienung teils umständlich.

Auch im Winter ist die elektrische Variante des Opel Grandland ein überzeugendes Auto. Eine Sache nervt bei dem zuletzt üppig gewachsenen SUV trotzdem - und es ist nicht die eingeschränkte Reichweite bei frostiger Witterung.

Dabei hat das bitterkalte Wetter rund um den Jahreswechsel dem Flaggschiff der Rüsselsheimer ordentlich zugesetzt. Der tiefgekühlte Akku des meist am Straßenrand geparkten Grandland ließ sich während der Testphase nicht annähernd die normierten gut 500 Kilometer entlocken, die das Datenblatt verspricht. Trotzdem war er immerhin noch für knapp 330 Kilometer gut.

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Der Allradantrieb hilft bei rutschigem Untergrund. (Foto: Opel)

Im typischen deutschen Autoalltag reicht das locker; die Reise vom Rheinland ins Skigebiet aber wäre wohl eher mühsam. Wobei der anfangs sehr hohe Stromverbrauch sich bei zunehmender Reisedauer wieder knapp oberhalb des von Autos der Grandland-Größe gewohnten 20er-kWh-Bereich einpendelte. Auch für E-Autos gilt zumindest im Winter: Kurzstrecke erhöht den Verbrauch massiv.

Weitere Winterschwäche

Im Sommer liegt die Reichweite des SUV mindestens 100 Kilometer höher, wie frühere Erfahrungen mit vergleichbaren Konzernmodellen gezeigt haben. Das tröstet einen aber nur schwerlich über eine weitere Winterschwäche hinweg, die sich beim Laden zeigt: Auch nach längerer Fahrt und mit fast komplett geleerter sowie vorkonditionierter Batterie lagen die erzielbaren Werte zwischen 70 und kurzzeitigen 120 kW. Und damit unterhalb des Normwerts von 160 kW.

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Innen geht es sachlich zu. (Foto: Opel)

So steht man für die Standardladung von 20 auf 80 Prozent, wenn es schlecht läuft, fast eine Stunde an der Stromtankstelle. Wer an Wallbox oder Normalladesäule tankt, kommt dank des serienmäßigen Dreiphasen-Bordladers auf 11 kW, sodass ein komplett leerer Akku über die Nacht wieder voll wird.

Ob einen die doppelt schwächelnde Leistung bei Kälte tatsächlich im Alltag einschränkt, hängt von Ansprüchen und Gewohnheiten ab. Und sie ist in erster Linie nicht Opels Schuld, sondern zu einem guten Teil physikalisch bedingt: Bei Minustemperaturen wird es naturgemäß zäh in der Elektrochemie.

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Ab der zweiten Ausstattungslinie gibt es das schwarze Dach. (Foto: Opel)

Umständliche Bedienung der Sitz- und Lenkradheizung

Nicht auf höhere Gewalt berufen können sich die Rüsselsheimer Entwickler aber bei dem eigentlichen winterlichen Nervpunkt des Grandland: die umständliche Bedienung für Sitz- und Lenkradheizung. Den narrensicheren physischen Knopf hat sich Opel gespart und die Aktivierung in den Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts verlegt. Wer bibbernd einsteigt, muss erst mal warten, bis sich das Infotainment plus (optional) Android Auto/Apple Car Play hochgefahren hat, um dann mit klammen Fingern auf dem noch im Kälteschlaf befindlichen Bildschirm rumzudrücken.

Zur heutigen Wahrheit gehört aber auch: Andere Autos, vor allem solche aus chinesischer Produktion, treiben den Touchscreen-Wahn noch deutlich weiter. Opel hat zumindest für die Klimabedienung noch physische Tasten vorgesehen.

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Die Bedienung ist teils etwas umständlich. (Foto: Opel)

Sonst ein richtig gutes SUV

Genug Kritik - in fast jeder anderen Hinsicht ist der Opel Grandland ein richtig gutes SUV, ob nun im Winter oder im Sommer. Das liegt auch an seiner Größe: Auf den ersten Blick fällt es gar nicht auf, aber der Grandland ist in Generation zwei der Kompaktklasse eigentlich bereits entwachsen. 4,65 Meter ist der Crossover mittlerweile lang und übertrifft damit nicht nur viele seiner direkten Konkurrenten, sondern auch seinen Konzern- und Plattform-Bruder Peugeot 3008.

Den Längenbonus setzt Opel in viel Beinfreiheit für die Fondpassagiere und in einen sehr großen Laderaum um. Ob Weihnachtsbaum oder Ski-Gepäck für die ganze Familie - das passt. Auf eine kompromissbehaftete dritte Sitzreihe hat man verzichtet, das Rüsselsheimer Flaggschiff ist ein reiner Fünfsitzer. Fahren häufiger besonders große Personen mit, sollte man tendenziell aber auf das Panorama-Glasdach verzichten, das ein paar Zentimeter Raum über dem Scheitel klaut. Ansonsten ist es angesichts kleiner Fensterflächen der Lichtstimmung im Innenraum durchaus zuträglich und eine Empfehlung.

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Die Sitze sind bequem, aber straff gepolstert. (Foto: Opel)

Technik- und Komfortausstattung punktet

Punkten kann der Opel auch mit der Technik- und Komfortausstattung. Vor allem mit dem für diese Klasse sehr guten Matrix-LED-Licht, das nicht nur in Winternächten die Straße weit und breit ausleuchtet, ohne andere zu blenden. Gerade wer nachts eher schlecht sieht, sollte sich die 2.100 Euro für das Kreuzchen auf der Optionsliste gönnen und bekommt im Paket noch weitere praktische Extras dazu. Besser als Klassenstandard sind auch erneut die "Intelli"-Sitze - eine Opel-Spezialität. Sie gibt es in verschieden teure Varianten, die sich x-fach verstellen lassen und guten Seitenhalt bieten, allerdings sind sie eher hart gepolstert.

Recht straff ist auch das Fahrwerk geraten, was vor allem auf schlechten Straßen innerorts den Fahrkomfort mindert. Bei höherem Tempo arbeitet die serienmäßig adaptive Dämpfung aber sensibler, so dass der der Grandland als Reise- und Langstreckenauto eine gute Figur macht. Und auch ein wenig Dynamik für die Kurve steckt im Fahrwerk, das im schweren Elektro-Grandland aufwändiger konstruiert ist als in den Verbrenner-Varianten.

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Das Logo ist beleuchtet. (Foto: Opel)

Nicht ganz zu dem verbindlichen Charakter passen mag die in allen Geschwindigkeitsbereichen sehr leichtgängige Lenkung, die aber dafür beim Rangieren im Stadtverkehr angenehm handhabbar ist. Komplett überzeugen kann der ausreichend kraftvolle, aber gleichmäßig agierende E-Antrieb mit 239 kW/325 PS und Allradfunktion. Der Motor an der Hinterachse verhält sich dabei meist ruhig, schaltet sich aber bei fehlender Traktion rasch zu - vor allem im Winter ist das ein hilfreiches Extra.

Basisvariante ab 47.000 Euro

Preislich startet der große Opel mit E-Antrieb bei knapp 47.000 Euro für die 157 kW/213 PS starke Basisvariante mit Frontantrieb - und liegt damit rund 10.000 Euro oberhalb des Einstiegsbenziners. Wer Allradantrieb oder alternativ die große Batterie will, zahlt bereits 51.750 Euro. Die Basisausstattung ("Edition") geht dabei in Ordnung, wirklich schick wird der Opel dank größerer Felgen und farblich abgesetztem Dach aber erst als "GS"-Modell (plus 4.200 Euro).

Wer in den Genuss von Matrix-LED-Licht, Premium-Audiosystem und Rundumsichtkamera kommen will, muss noch einmal mehrere Tausend Euro extra frei machen oder gleich das "Ultimate"-Modell wählen, das in der elektrischen Allradversion bereits an die 60.000-Euro-Grenze heranreicht. Der Grandland liegt damit wie auch seine elektrischen Markengeschwister am oberen Rand des Preissegments. Darüber können Technik-Schmankerl wie das Matrix-Licht, das gute Platzangebot und der insgesamt sehr wertige Gesamteindruck nur eingeschränkt hinwegtrösten.

Opel Grandland Electric AWD - technische Daten

  • Fünftüriger, fünfsitziger SUV der Mittelklasse

  • Länge: 4,65 Meter, Breite: 1,90 Meter (mit Außenspiegeln: 2,10 Meter), Höhe: 1,66 Meter, Radstand: 2,79 Meter, Kofferraumvolumen: 485-1.580 Liter, Leergewicht: 2.325 kg, zul. Gesamtgewicht: 2.750 kg, Anhängelast: 1.350 kg

  • Zwei E-Motoren mit 239 kW/325 PS (Systemleistung), Vorderachse: 157 kW/213 PS, Hinterachse: 82 kW/112 PS, Drehmoment: 509 Nm, 0-100 km/h: 6,1 s, Vmax: 180 km/h, Verbrauch: 18,0-18,1 kWh/100 km, Akkugröße: 73 kWh, Reichweite: 513 km (WLTP), Ladeleistung: 160 kW (DC), 11 kW (AC), Testverbrauch: 24 kWh/100 Kilometer

  • Preis: ab 51.570 Euro

Quelle: ntv.de, Holger Holzer, sp-x

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