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An allen Schrauben gedreht Porsche Macan - Tiger jetzt noch sportlicher

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Zwei Triebwerke bringt der Porsche Macan nach dem Facelift mit. Ein Diesel ist nicht mehr dabei.

(Foto: Holger Preiss)

Die Geschichte des Porsche Macan ist vier Jahre alt. In Deutschland ist es der Tiger mit Dieseltriebwerk, der die Käufer begeistert. Dem hat man jetzt abgeschworen und fährt nach dem Facelift mit zwei Benzinern vor, an denen aber an jeder Schraube gedreht wurde.

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Neu am Porsche Macan ist das Leuchtband zwischen den Heckleuchten.

(Foto: Holger Preiss)

Porsche hat dem Macan nach vier erfolgreichen Jahren auf den Straßen dieser Welt eine Verjüngungskur angedeihen lassen. Ganz neu ist er nicht, aber in vielen Details haben die Zuffenhauser versucht, den sportlichen Offroader in die digitalisierte Zeit der Automobilität zu holen. Dazu gehört der Einbau des neuen Porsche Communication Managements mit 10,9-Zoll-Touchscreen ebenso wie die Erweiterung des Angebots an Komfort- und Assistenzsystemen wie Stauassistent, Ionisator, beheizbarer Frontscheibe oder auf Wunsch GT-Sportlenkrad. Die größere Multimediaeinheit führte auch dazu, dass die Lüftungsdüsen neu gestaltet und in der Anordnung verändert werden mussten. Im Interieur ist das dann aber auch die einzige Veränderung.

Ansonsten bleibt es bei der wuchtigen Mittelkonsole mit vielen Knöpfen, die trotz der nicht mehr ganz aktuellen Anmutung immer noch ausreichend Rennpisten-Charme versprüht. Darin finden sich im zwei Liter großen Vierzylinder die Schalter für das Sport- und Offroad-Mapping, im neuen V6 mit drei Litern Hubraum wird an dieser Stelle zum Beispiel der Sound der Abgasanlage gesteuert und bei beiden wird an nämlicher Stelle für die schnelle Runde das ESP deaktiviert. Und weil wir die schnelle Runde ansprechen, soll ein Blick auf Motoren und Fahrwerk geworfen werden.

Fahrdynamik bleibt Domäne

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Seine Sportlichkeit hat der Porsche Macan mit dem Facelift potenziert.

(Foto: Marcus Werner)

Zum Marktstart des Facelifts wird der Macan mit den oben genannten zwei Triebwerken vorfahren. Einen Diesel wird es nicht mehr geben, obgleich der in den Jahren vor dem Diesel-Gate einen Anteil von fast 80 Prozent ausgemacht hat. Wer also künftig in den kompakten SUV-Sportler steigt, kann sich zwischen 245 PS aus einem turboaufgeladenen Vierzylinder oder für den in der S-Version 354 PS starken 3,0-Liter-V6 entscheiden. Egal, mit welchem der beiden Pakete man startet, die Fahrdynamik bleibt eine Domäne, die man in Zuffenhausen mit Akribie pflegt und auch im überarbeiteten Macan wieder zur Perfektion gebracht hat.

Gerade im V6 wird das elegante Zusammenspiel von Kraft und Leichtigkeit zu einem echten Erlebnis. Porsche ist wohl der einzige Hersteller, der es schafft, in einem fast zwei Tonnen schweren SUV das Gefühl von Leichtigkeit zu vermitteln, wenn es um die Ecke schießt. Letztlich ist das ein Zusammenspiel aus mehreren Komponenten. Das sind die 14 PS mehr, die jetzt aus den V6 generiert werden, ebenso wie das maximale Drehmoment von 480 Newtonmetern und das Sport-Chrono-Paket, das über das Lenkrad die Fahrprogramme freigibt. Über den "Sport Response Button" in der Mitte des Mode-Schalters - der übrigens dem 918 Spyder entlehnt ist - kann das Ansprechverhalten für 20 Sekunden verschärft werden, so dass die maximale Performance an alle vier Räder gereicht wird. Wobei auch der Macan hier hecklastig ausgelegt ist, was ihn im Ernstfall zu einer echten Drift-Maschine macht.

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Auch mit dem Vierzylinder lässt der Porsche Macan nichts anbrennen.

(Foto: Holger Preiss)

Aber so weit muss es natürlich nicht kommen. Wer den Pferden nur mal kurz die Sporen geben möchte, der wird mit dem Boost die 100-km/h-Marke in 5,1 Sekunden geknackt haben und sich im weiteren Verlauf bis auf Tempo 254 beschleunigen. Dass das hohe Drehmoment bereits im niedrigen Drehzahlbereich anliegt, ist dem im Zylinder-V angeordneten Turbolader zu verdanken. Die kurzen Abgaswege zwischen den Brennräumen und dem Turbo sorgen für ein extrem spontanes Ansprechverhalten, was den dynamischen Fahrern mehr als entgegenkommt. Das ist am Ende aber nur schnell und spielt im täglichen Straßenverkehr nur bedingt eine Rolle. Wer es aber dennoch mal darauf ankommen lässt, darf sich - wenn das PDK die Gänge durch die Gassen prügelt - über die Geschwindigkeit und die lückenlosen Übergänge freuen.

Reicht der Vierzylinder?

Nun mag der eine oder andere befürchten, dass der Vierzylinder gegen den Sechsender total abstinken könnte. Klar, der Unterschied von 109 PS lässt sich weder wegschreiben noch wegfahren. Dennoch hat Porsche versucht, auch hier eine zuverlässig sportliche Ausrichtung in die Reihe zu bringen. Bereits ab 1600 Kurbelwellenumdrehungen liegt das maximale Drehmoment von 370 Newtonmetern an allen vier Rädern an und schiebt den mit 1,7 Tonnen im Vergleich zum V6 deutlich leichteren Macan in immerhin 6,7 Sekunden auf Landstraßentempo. Den Vmax gibt Porsche hier mit 225 km/h an. Das reicht aus, macht den Vierzylinder auch ohne Chrono-Paket leichtfüßig, denn auch hier sorgt das PDK für verzögerungsfreie Schaltvorgänge über sieben Stufen. Wem hier auch im Sport-Modus die Drehzahlen bis zum Schaltpunkt nicht weit genug ausgefahren werden, der kann die Zeiten über die wunderbar an den Fingerspitzen liegenden Wippen am Lenkrad selbst bestimmen.

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Im Innenraum wurde im Macan technisch nur leicht aufgefrischt. Die Knopfleiste in der Mittelkonsole ist jedenfalls geblieben.

(Foto: Marcus Werner)

Doch der eigentliche Spaßbringer beim Ausritt mit dem Macan ist das sportwagentypische Fahrwerk. Hier haben die Ingenieure noch mal an allen Schrauben gedreht, um die Spreizung einer exzellenten Querdynamik ohne Verluste bei den Alltagsfahrten hinzubiegen. An der Vorderachse ersetzen Federgabeln aus Aluminium die Stahlbauteile. Allein dadurch und eine etwas veränderte Konstruktion werden die ungefederten Massen um rund 1,5 Kilogramm reduziert. Das hört sich nicht viel an, führt aber dazu, dass der Macan noch präziser einlenkt, schnelle Lenkwechsel besser verkraftet und dabei sauber ausfedert. In der Summe fühlt sich der neue Macan nicht mehr wie ein Sportwagen an, fährt aber auf Wunsch genauso. Wer fahrdynamisch das Tüpfelchen aufs I bringen will, der kann optional wie bisher die aktive Dämpferregelung PASM, die höhenverstellbare Luftfederung und das Porsche Torque Vectoring Plus ordern.

Neues Bremspedal für die feine Dosis

Wer derart sportlich unterwegs ist, muss den Kanten natürlich auch wieder zum Stehen bringen. Porsche hat dafür beim Macan ein neues, aus Thermoplast bestehendes Bremspedal verbaut. Das Pedal ist 300 Gramm leichter als das ursprünglich verwendete Stahlteil. Zudem wirkt es über einen kürzeren Hebel auf den Hauptbremszylinder. Die Folge: spontaneres Ansprechen und eine deutliche Verbesserung des Druckpunkts. Sportfahrer freut es, wenn dann die Zangen in die um 10 auf 360 Millimeter gewachsenen und 36 Millimeter breiteren Scheiben beißen, um die Fuhre traumhaft präzise zu verzögern. Und wenn wir uns schon in den technischen Details verlieren, soll nicht unerwähnt bleiben, dass Porsche auch die Motorlager verändert hat. Damit wird das Wanken des Triebwerks bei Lastanforderungen unterbunden, was sich gerade bei der Beschleunigung am Kurvenausgang bemerkbar macht, weil die Eigenbewegung des Aggregats unterbleibt.

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Die Ledersportsitze sind bequem und gehören im Macan irgendwie zum guten Ton.

(Foto: Marcus Werner)

Nun ist das alles schön und gut, aber das Auge isst bekanntermaßen mit und bei aller Kurvenhatz ist bis dato die genaue Betrachtung der für Außenstehende wahrnehmbaren Veränderungen am Macan ausgeblieben. Das soll an dieser Stelle nachgereicht werden. So wurde die Front komplett überarbeitet, ohne das Markenzeichen, die übergreifende Motorhaube, zu verändern. Dafür gibts aber größere Lufteinlässe in den Stoßfängern und neu gestaltete und mit LED-Licht srahlende Scheinwerfer mit dem Porsche-typischen Vier-Punkt-Tagfahrlicht. Am Heck findet sich das ebenfalls inzwischen zum Markenzeichen gewordene dreidimensionale LED-Leuchtband wieder. Vier-Punkt-Bremsleuchten zeigen auch hier, welchen Stammbaum der Macan hat. Genau wie die unglaublich fetten Endrohre unterhalb der Heckschürze.

Der Tiger springt weiter

In Summe ist der Macan nach dem Facelift und den damit verbundenen technischen Änderungen einmal mehr eine echte Fahrmaschine geworden, ein Tiger, der jetzt noch weiter springt, schneller läuft und besser ums Eck geht. Ach so, Offroad kann der Macan natürlich auch. Für alle, die ihren mindestens 58.763 Euro teuren Porsche mal in den Dreck schicken, hat man jetzt die Offroad Precision App an den Start gebracht. Mit ihr kann der Fahrer seine Geländefahrten nicht nur dokumentieren, er kann sie auch auswerten, um zu fürderhin zu verbessern.

Wer lieber seine Langstrecken dokumentiert, kann das unter dem Bereich "Trip" tun. Hier werden Daten wie Fahrer, Fahrzeug, Strecke, Zeiten und GPS-Daten automatisch erfasst und daraus Strecken- und Höhenprofile erstellt. Die kann man sich später in der Karte ansehen und posten. Parallel dazu lässt sich über das Smartphone oder eine extern angesteuerte Action Cam die Fahrt auch als Video aufnehmen. Spaß also nicht nur beim Fahren, sondern auch beim Filmen. Ob sich das am Ende irgendjemand ansieht, muss der Pilot selbst rausfinden.

Quelle: n-tv.de

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