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Pure and Crafted Motorrad-Festival mal anders

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Die Pure & Crafted ist nicht groß. Aber das lässt einen viel intensiver das bestaunen, was dort geboten wird.

(Foto: Holger Preiss)

Das Pure and Crafted gehört eher zu den jüngeren und kleineren Festivals, auf dem Customizing und Musik verbunden werden. BMW nutzte das Ganze, um erstmals eine Heritage-Klamotten-Kollektion zu zeigen, und der Autor, um ganz persönlich Preise zu vergeben.

Pure and Crafted heißt ein kleines aber feines Festival, das seit 2015, unterstützt von BMW, einmal im Jahr stattfindet. Anfangs in Berlin, eben dort, wo die bayerischen Motorräder gebaut werden, dann, 2018 als eine Art fahrendes Event "On The Road" und jetzt, 2019, in Amsterdam. Ort des Geschehens: der Event Park Zaandam. Dort haben, in alten Fabrikgebäuden, Customizer die Möglichkeit ihre Bike-Interpretationen zu zeigen, und Bands flankieren das Ganze mit Rockmusik auf Stromgitarrenbasis.

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Black Mirror aus Belgien bieten eine exzellente Mischung aus Indie, snotty Garage Rock und Blues.

(Foto: Holger Preiss)

Nicht, dass man Bands wie EUT, Blaudzun, Swedish Death Candy, Tape Toy, Indian Askin, Black Mirrors oder Tim Vantol hierzulande kennen würde. Macht aber gar nichts, denn die drei letztgenannten seien den Lesern, die sich des kühnen Kopfschwungs beim Hören von Rockmusik nicht enthalten können, wärmstens ans Herz gelegt. In Amsterdam zogen sie jedenfalls eine kleine aber feine Fangemeinde in ihren Bann, und wussten die Menschen über jeweils eine Stunde musikalisch aufs Beste zu unterhalten.

Ok, ja, das ist die Auto-Seite von n-tv.de und nicht die Unterhaltung, deshalb zurück zu den Motorthemen, die von den krassen Fahrten der Jungs und Mädels in der Wall of Death bis hin zu den ausgestellten Bikes der Customizer allein schon hätten Abend füllend sein können. Und weil das so ist und der Autor sich von einigen Ausstellungsstücken hat emotional verführen lassen, hier ein ganz persönliches Ranking.

Gold

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BMW R nineT von der Jekill & Hyde Company.

(Foto: Holger Preiss)

Auf Platz eins eine von der Jekill & Hyde Company in einen Zwitter verwandelte BMW R nineT. Auf der einen Seite Rat Bike, auf der anderen ein blitzeblankes Naked im Neo-Heritage-Style. Nun wäre das noch nicht Platz eins, wenn nicht auf der Rat-Seite einige einzigartige Details wären. Am Augenfälligsten mehrere Gucklöcher im Tank, hinter denen eine grün beleuchtete Flüssigkeit sprudelte. Krass! Dazu eine Art Maulkorb für den Zylinder, Verbindungsteile und Kardanabdeckung im Rost-Look. Selbst Tacho und Drehzahlmesser, als auch Frontscheinwerfer und das vordere Schutzblech ziert die rote Patina. Also wenn Anakin Skywalker ein Bike gefahren hätte, wenn Mad Max umsteigen wollte, dann auf diesen Hammer. Ja, natürlich nur von der einen Seite, die andere wäre dann eher was für Vanom. Aber der hat ja schon eine Ducati Scambler. Doch wie dem auch sei: Ganz klar, Platz eins geht an die Jungs von der Jekill & Hyde Company.

Silber

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Iron Wood Custom Motorcycles bringen die alte und die neue Welt zusammen.

(Foto: Holger Preiss)

Den zweiten Platz haben sich in den Augen des Autors die Jungs von Iron Wood Custom Motorcycles verdient. Auch hier war es eine BMW, mutmaßlich eine R 100, die Pate für den Umbau stand. Aber außer Rahmen, Tank und Motor haben die Jungs an dem Oldi nichts so gelassen wie es war. Die Zylinder sind verändert und mit goldenen Abdeckkappen versehen worden, was eigentlich overdosed aussehen müsste, aber ganz hervorragend mit der nagelneuen Federgabel von Öhlins korrespondiert. Hinzu kommt eine komplett neue und selbst erdachte Auspuffanlage mit Hitzeschutzverblendungen aus Carbon und natürlich zeitgemäße Alugussräder und Stopper von Brembo. Ob es die Verblendung vor dem Motorblock mit dem LED-Mäusekino braucht, ist strittig, aber dieses Weinrot für Tank und Schutzblech, cremefarbenes Leder für das Sitzbrötchen und die Batterieabdeckung - einfach unschlagbar. Also ganz klar, Platz zwei für Iron Wood Custom Motorcycles.

Bronze

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Eine Hommage an die Honda GL 500 von Motoism.

(Foto: Holger Preiss)

Und was wäre ein Wettkampf ohne die Bronzemedaille. Die hat sich Motoism aus München mit dem Umbau der Honda GL 500 zur Honda GL 500-JPL verdient. Die Basis stammt wohl aus den frühen 1980er Jahren. Und eigentlich war die Japanerin seinerzeit ein eher unscheinbares Touren-Motorrad, das vor allem wegen seiner Zuverlässigkeit beliebt war. Nach der Umgestaltung durch Motoism kommt sie als Scrambler in sportlichstem Format daher: Federgabel und Bremsen von der Honda CBR600RR, ein via Smartphone verstellbares Setup für die Motorsteuerung sowie ein Öhlins Stoßdämpfer am Heck. An der Front gibt es einen speziellen Fieberglasscheinwerfer mit zwei H3-Ellipsoiden und spezielles Tagfahrlicht. Nicht zu vergessen der Sitz mit braunem Wildleder und die Alarmanlage. Hier treffen Vergangenheit und Gegenwart in ihrer schönsten Art und Weise aufeinander. Also, Platz drei an die Jungs von Motoism aus München.

Erste Heritage-Motorrad-Kollektion von BMW

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Die BMW Heritage-Kollektion. Nicht von der Stange.

(Foto: Holger Preiss)

Für alle, die sich jetzt beschweren und sagen, was ist denn das für eine Abstimmung? Es ist keine, es ist die subjektive Sicht des Autors, beeinflusst von seinen persönlichen Vorlieben. Andere Betrachter mögen ein anderes Ranking haben, und das ist auch gut so. Um die Sicht auf die Dinge zu erleichtern, im Anhang die Bilderserie zum Pure and Crafted in Amsterdam. BMW hat das Festival im übrigen genutzt, um seine erste Heritage-Motorrad-Klamotten Kollektion vorzustellen. Die Bayern haben nämlich, statt auf der EICMA, der Mailändischen Motorradmesse im November, mit diesem Thema zwischen den Zweiradneuheiten unterzugehen, die Pure and Crafted als ersten Aufschlag gewählt.

Tatsächlich lassen die Bayern seit 1978 Motorradbekleidung passend zu ihren Bikes schneidern. Im Zuge des absolut geglückten Aufschlags mit der R nineT-Reihe und der zu erwartenden R18 mit ihrem Big Boxer, sind es eben solche, die sich genau in diesen Rahmen einpassen. Ergo gibt es neben Helmen auch Lederjacken, Jeans und Handschuhe. Alles natürlich unter der Maßgabe, den Sicherheitsanforderungen heutiger Fahrer an moderne Motorradbekleidung auch zu entsprechen. Will heißen, dass die Jacken und Hosen zum Beispiel mit entsprechenden Protektoren ausgestattet sind und die Kurzschaftstiefel mit einem Knöchelschutz. Was natürlich an dem Outfit nicht fehlen darf, sind die entsprechenden Hoheitszeichen der Bayern, die den Träger auch ohne Motorrad als Fan der Marke ausweisen.

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Teile der BMW Heritage-Kollektion an der Mann und an der Frau.

(Foto: Holger Preiss)

Und da man ohnehin nicht bei jeder Gelegenheit mit dem Bike unterwegs ist, hat BMW in die Kollektion auch noch Freizeitkleidung in Form von Strickpullover, College-Jacken, Hoodies, verschiedenen Shirts und Hemden aufgenommen. Ganz klar, auch das alles gelabelt. Und natürlich dürfen auch Accessoires wie Bandanas (Halstücher), Caps, Gürtel oder Mützen nicht fehlen. Abgesehen davon, dass das Zeug echt cool aussieht, gehört es nicht zur Preisklasse eines Primark. Hier muss der Heritage-Fahrer schon etwas tiefer in die Tasche greifen. Dafür ist er dann aber auch BMW-like angezogen.

Quelle: n-tv.de

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