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Reisemobil mit MittelklassemaßenNiesmann iSmove - Oberklasse-Komfort auf sieben Metern

03.01.2026, 12:32 Uhr
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Der Niesmann iSmove bietet Oberklasse-Flair auf halbwegs kompakter Länge. (Foto: Michael Lennartz/sp-x)

Integrierte Modelle im Liner-Format sind die Königsklasse der Reisemobile. Je größer, desto luxuriöser. Aber funktioniert das auch im Mittelklassemaß auf sieben Metern Länge? Der Niesmann iSmove versucht es mit einem Konzept aus flexiblen Lösungen und ein paar Kompromissen umzusetzen - mit Erfolg.

Als Liner gelten Luxus-Reisemobile, die über ein großzügiges Raumangebot, hohen Komfort und viel Ausstattung verfügen sowie hochwertige Materialien verwenden. Nach oben hin sind bis in siebenstellige Preiskategorien kaum Grenzen gesetzt, weshalb oft sogar Lkw-Chassis als Basis dienen. Nicht so bei unserem Testfahrzeug.

Unter 7,80 Metern Länge spielt sich normalerweise nichts ab. Wenn da nicht Hubert Brandl, der Chef von Niesmann+Bischoff, die Idee gehabt hätte, mit dem Modell iSmove Liner-Komfort auf nur sieben Meter Länge zu verwirklichen - und das sogar noch in der 3,5-Tonnen-Klasse. Fünf Jahre nach der Premiere weiß man heute: Das Projekt hat sich zum Erfolgsmodell entwickelt. Der iSmove wirkt neben seinen Arto- und Clou-Geschwistern zwar wie ein Winzling in der Niesmann-Familie, ist aber mittlerweile das mit Abstand meistverkaufte Modell des Herstellers aus Polch bei Koblenz.

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Innen geht es hell und luftig zu im Niesmann iSmove. (Foto: Niesmann)

Mit den 3,5 Tonnen ist das allerdings so eine Sache. Da der kleine Liner selbst mit eher einfacher Ausstattung schon die Drei-Tonnen-Marke beim Leergewicht knackt und deshalb auch nur mit zwei Gurtplätzen zugelassen werden kann, spielt diese Variante hierzulande praktisch keine Rolle. Gerade weil sich die Kundschaft von einem Liner mehr Komfort verspricht, wird ungern auf reichhaltige Ausstattung verzichtet und gleich die aufgelastete 4,5-Tonnen-Version bestellt (oder aufgrund des künftig erhöhten Gewichtslimits die neue Alternative mit 4,25 Tonnen).

Lange Liste an nützlichen und luxuriösen Optionen

Ebenso wenig spielt aus den gleichen Gründen der Basispreis von 112.850 Euro eine Rolle. Nicht ein einziges Exemplar wird zu diesem Tarif verkauft. Eine lange Liste an nützlichen und luxuriösen Optionen treibt den Preis in die Höhe. Kräftig in die Höhe. Unser Testfahrzeug, so ziemlich mit allen Extras ausgerüstet, an die man im Kaufvertrag ein Häkchen machen kann, schlägt mit sage und schreibe 190.000 Euro zu Buche.

Die-Sitzban-ist-drehbar
Die Sitzbank ist drehbar. (Foto: Niesmann)

Das schließt unter anderem Annehmlichkeiten wie ein Multimediasystem mit Sat-Anlage, zwei TV-Bildschirme an der Sitzgruppe (32-Zoll) und im Schlafbereich (24-Zoll), 5G-WLAN-Router fürs Internet-Bordnetz, Rückfahrkamera, Lithium-Ionen-Batterien bis maximal 450 Ah, eine Solaranlage auf dem Dach (bis 330 Watt), Fußbodenheizung und das formidable, hydraulische Hubstützensystem von Alko mit automatischer Niveauregulierung mit ein. Das allein kostet schon 7.500 Euro extra.

Erstaunlich genügsam

Auch die stärkste Ausführung der Fiat-Ducato-Maxi-Basis (Heavy Duty) mit 180 PS und einem Alko-Tiefrahmen-Chassis steht auf der Aufpreisliste. Sie erwies sich auf unserer Tour als erstaunlich genügsam. Der 4,5-Tonner begnügte sich mit 10 bis 11 Litern Diesel auf 100 Kilometer.

Der-Blick-von-hinten-nach-vorne
Der Blick von hinten nach vorn. (Foto: Niesmann)

Ebenfalls Sonderausstattung ist die edel wirkende, graue Lackierung mit den pfiffigen, roten Farbtupfern an den großen Bus-Außenspiegeln sowie an Front und Heck. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings das Fehlen von Fahrer- und Beifahrertür. Der Zugang zum Cockpit erfolgt ausschließlich über die seitliche Aufbautür.

Innen Grau und dunkle Naturtöne

Der Innenraum mit grauen Filzverkleidungen und eher dunkleren Naturtönen verbreitet an Herbst- und Wintertagen eine sehr wohnliche Atmosphäre. Der Fußboden im Jacht-Stil ist bis zum hinteren Schlafabteil mit den beiden bequemen, großen Einzelbetten stufenfrei ausgelegt.

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Das Hubbett vorn kann man herunterlassen. (Foto: Niesmann)

Wer auf das optionale Hub-Doppelbett verzichten kann, das, für das Auge kaum wahrnehmbar, in der Decke überm Fahrerhaus verschwindet, wird sich an dieser Stelle über zusätzlichen Stauraum freuen. Denn von den im Schlafbereich rundum angeordneten Oberschränken abgesehen, sind die Verstaumöglichkeiten für große Touren eher durchschnittlich.

Viel Bewegungsfreiheit

Freie Sichtachsen ziehen sich durch das gesamte Fahrzeug. Die Lounge-Sitzanordnung mit zwei gegenüberliegenden Längssofas sorgt für ein großzügiges Raumgefühl und für viel Bewegungsfreiheit. Dabei gehört die schwenkbare Zweierbank auf der Fahrerseite, die zwei weitere Gurtplätze beinhaltet, zu den patentgeschützten Features des iSmove.

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Das Bad lässt sich mit einer Schiebetür aufteilen. (Foto: Niesmann)

Auch Küche und Bad offerieren neuartige Kompromiss-Lösungen. Eine besonders pfiffige Idee ist die ausziehbare Abdeckung für den Zwei-Flammen-Kocher, die über den Gang geschoben wird und das Ganze in eine L-Küche mit großer Arbeitsfläche verwandelt. Allerdings versperrt sie bei Gebrauch den Weg ins Schlafgemach und damit auch zu den zwei Hängeschränken unter den Fußenden der Betten.

Wer die optionale Premium-Küche wählt, bekommt noch ein elektrisch hochfahrendes Regal als Raumteiler und einen 140-Liter-Schubenladen-Kühlschrank, in dem auch große Flaschen problemlos untergebracht werden können. Die Schubladen darüber und darunter sind allerdings sehr flach.

Praktisch-Kuehlschrank-mit-Auszug
Praktisch: Kühlschrank mit Auszug.

Das gegenüberliegende Bad ist ebenerdig ohne Stufe und dank einer Schiebemechanik entweder als Toilette mit Waschbecken oder als Dusche nutzbar. Als Alternative zur portablen Cassetten-Toilette kann auch eine 120-Liter-Festtank-Toilette geordert werden.

Geräumige Heckgarage

Die Heckgarage, die für Radfahrer auf Wunsch eine leicht zu handhabende Zweiradhalterung parat hält, ist riesig. Raum für kleinere Outdoor-Utensilien finden sich zudem noch in weiteren Außen-Schubfächern. Ansonsten sind im Doppelboden der üppige 200-Liter-Frischwasser- sowie der 130-Liter-Abwassertank untergebracht.

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In der Heckgarage des Niesmann iSmove gibt es eine praktische Fahrradhalterung. (Foto: Niesmann)

Fazit: Ein Liner auf sieben Metern Länge erfordert Flexibilität und an manchen Stellen Kompromisse. Doch das ist Jammern auf sehr hohem (Preis-)Niveau.

Quelle: ntv.de, Michael Lennartz, sp-x