Auto

Mercedes baut neuen SLSLS AMG: Faszinierende Tradition

15.09.2009, 10:37 Uhr
imageMarkus Mechnich

Er ist sicher eines der großen Highlights der IAA: Der neue SLS AMG soll Glanz und Glamour aus den fünfziger Jahren wiederbeleben und wie der SL 300 eine Ikone werden.

Der erste Supersportler in Mercedes-Eigenregie seit langer Zeit nimmt nicht nur gestalterisch Elemente des Sportwagentraums SL 300 auf. Auch der Neue soll eine Ikone werden.

Wenn zwei Sportwagenbauer sich eine Art Rosenkrieg liefern, dann können daraus interessante Dinge entstehen. Die Liaison zwischen Mercedes und dem Rennstall McLaren wurde in Sachen Supersportwagen bereits vor einiger Zeit beendet. Mit der Ankündigung begann ein Wettlauf zwischen den beiden Unternehmen, wer es wohl schaffen würde schneller und den besseren Sportwagen auf die Räder zu stellen. Zeitlich hat McLaren einen Photofinish-Sieg geschafft, denn die Briten veröffentlichten am Mittwoch vergangener Woche erste Informationen und Bilder des MP4-12C. Mercedes zog mit dem SLS AMG am Donnerstag nach.

Bei Mercedes nutzte man die Gelegenheit seit längerem wieder einen Supersportwagen in Eigenregie zu bauen um einen Namen mit großer Bedeutung wieder aufleben zu lassen. Nichts weniger als der SL, die Sportwagenlegende aus den fünfziger Jahren, haben die Stuttgarter unter Regie des Haustuners AMG wieder auferstehen lassen. Der Name bedeutet Chance und Verpflichtung zugleich. Die Liste der Besitzer des 300 SL liest sich wie das "Who is Who" der fünfziger Jahre. Unter anderem fuhren Juan Manuel Fangio, Herbert von Karajan, Sophia Loren, Gina Lollobrigida, Zsa Zsa Gabor, Romy Schneider oder Clark Gable den unverwechselbaren und ausgesprochen teuren Sportwagen.

Großer Stern am Bug

Die Anleihen an den legendären 300 SL sind äußerlich unverkennbar. Die Designer war als Auftrag die "Interpretation des Klassikers der Zukunft" zu schaffen in das Pflichtenheft geschrieben worden. Nichts weniger als eine "Design-Ikone" sollte der gestalterische Chef von Mercedes, Gorden Wagener, schaffen.

Herausgekommen ist dabei ein charakteristisch breiter Kühlergrill, der wohl die größte Reminiszenz an das historische Vorbild darstellt. In der Mitte prangt, ganz im Stil der fünfziger Jahre, breit der Stern auf einer Quer-Finne unter der Motorhaube. Doch das ist nicht nur eine Ehrung des 300 SL. Vielmehr weist die Gestaltung der Fahrzeugfront "den Weg für die Design-Philosophie kommender Mercedes-Benz-Sportwagen", so Design-Chef Wagener. Für die neue Formgebung spricht auch die fast zwei Meter lange Haube, die aus dem Front- einen Mittelmotor macht.

V8-Motor mit 571 PS

Technisch ist der SLS AMG jedoch ein Kind der Moderne. Das ganze Auto wurde in der Spaceframe-Technik gebaut. Schließlich stand SL mal für "Sport Leicht". Mit der Karosserie aus Aluminium wurde eine deutliche Gewichtsersparnis erreicht. 1600 Kilogramm bringt der Sportler auf die Waage. Das ist sicher nicht mit den Gewichten aus den Fünfzigern zu vergleichen, als schwere Autos gerade mal die Ein-Tonnen-Marke knackten. Doch für ein Auto der heutigen Zeit mit allen Sicherheitssystemen und einem schweren Achtzylinder an Bord ist das Erreichen der Gewichtsklasse eines VW Golf schon ein Erfolg. Dafür spricht auch das Rohbaugewicht von nur 241 Kilogramm.

Der V8-Motor ist ein alter bekannter aus dem C63 AMG. Für den SLS wurde das Aggregat allerdings noch mal aufgerüstet. Der 6,3-Liter-Motor leistet im SLS 571 PS. Das ergibt ein vielversprechendes Leistungsgewicht von 2,84 Kilogramm pro PS. Dabei hat der Sportler ein Drehmoment von 650 Newtonmeter bei 4750 Umdrehungen pro Minute vorzuweisen. Mit einer Beschleunigung von 3,8 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer kann der SLS die magische Grenze von vier Sekunden unterschreiten und spielt damit zweifellos in de Liga der wirklichen Supersportwagen. Der Vortrieb wird bei 317 Kilometern pro Stunde elektronisch abgeriegelt.

Doppelkupplungsgetriebe auf der Hinterachse

Natürlich wird ein Auto wie der Mercedes SLS AMG nicht gerade Zeichen in Sachen Umweltfreundlichkeit setzen können und auch wollen. Doch mit einem Verbrauch von kombinierten 13,2 Litern muss sich der Stuttgarter auch nicht allzu sehr schämen. Das solche Werte überhaupt im Bereich des Möglichen liegen hat das Auto auch einer Vielzahl an technischen Helferlein zu verdanken. Das Highlight ist das auf der Hinterachse platzierte Doppelkupplungsgetriebe, das Schaltvorgänge nahezu ohne Zugkraftunterbrechung ermöglicht. Daneben bietet es vier unterschiedliche Fahrprogramme für effizientes oder besonders sportliches Fahren.

Auch das Fahrwerk an sich ist ein aufwendiges Stück Technik. Alle vier Räder sind an doppelten Dreiecksquerlenkern mit Spurstangen geführt. Radführungs- und Federungsfunktionen werden so voneinander getrennt. Damit lässt sich die fast perfekte Gewichtsverteilung von 47 Prozent auf der Vorderachse und 53 Prozent auf der Hinterachse am besten auf die Straße bringen.

Der Mercedes SLS AMG soll für die Stuttgarter ein Sprungbrett bilden. Auf der Basis des neuen Supersportlers soll bereits 2011 eine Elektroversion auf den Markt kommen. Da wird ordentlich Know-how des eingekauften Tesla einfließen. Der SLS selbst wird ab Frühjahr 2010 zu haben sein. Der Preis liegt bei 177.310 Euro in der Grundausstattung, die freilich relativ umfangreich ist. Auch mit der Preisgestaltung tritt er in die Fußstapfen des 300 SL. Aber es soll ja auch kein Allerweltsauto werden. Eine Ikone ist eben kein Billigheimer, das war früher so und das gilt auch heute noch.