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Manchmal schnauft er schon Seat Tarraco - ein Stier gegen die Premium-Bullen?

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Als Reise-SUV ist der Seat Tarraco eine Empfehlung. Mit Allrad geht es auch durch den dicksten Schnee.

(Foto: Holger Preiss)

Nach dem kleinen Arona und dem mittleren Ateca kommt jetzt der Seat Tarraco. Als spanischer Bulle stellt er sich neben den Skoda Kodiaq und den VW Tiguan Allspace. Und obgleich er dieselben Komponenten nutzt, hat er seine Eigenarten. Die stellte er im Bozener Schneegestöber unter Beweis.

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Ein eigenes Lichtdesign am Heck hebt den Seat Tarraco aus der Masse heraus.

(Foto: Holger Preiss)

Seit Jahren spendet Volkswagen seine Technik den Konzernkindern Skoda und Seat. Das Konzept ist erfolgreich, denn für die preisbewussten Fans deutscher Technik tun sich hier echte Alternativen auf. Unterdessen auch im SUV-Segment der Oberklasse. Mit schierer Größe versteht beispielsweise der Skoda Kodiaq zu begeistern und kann sogar der schwergewichtigen Premiumkonkurrenz den einen oder anderen Kunden abjagen. Und weil das so gut funktioniert, darf nun auch die spanische Tochter Seat mit einem echten Trumm vorfahren.

Tarraco heißt das 4,73 Meter lange SUV und ordnet sich exakt neben den schon erwähnten Kodiaq und VW Allspace ein, also der Langvariante des VW Tiguan. Insofern ist es nicht überraschend, dass auch im Spanier dieselbe Technik werkelt. Alles ist an seinem Platz: die sehr gut ablesbare, 10,25 Zoll große volldigitale Instrumententafel, das belederte Lenkrad liegt satt in der Hand und hinter dem 8 Zoll großen Touchscreen, der sich über der Mittelkonsole auftürmt, versteckt sich eine ganze Armada an Funktionen, die je nach Kreuz in der Optionsliste und nach Gusto erweitert werden können.

Der Tarraco zeigt Kante

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Bereits in der Grundausstattung bietet der Seat Tarraco mehr als viele Premiumhersteller.

(Foto: Holger Preiss)

Kante zeigt Seat beim Tarraco vor allem im Design. Wie schon in den anderen Modellen der Spanier wird hier das Dreieck als geometrische Form präferiert. Ein Umstand, der neben dem sportlichen Ruf der Marke dafür gesorgt hat, dass Seat die jüngste Käuferschaft besitzt. Mit dem Tarraco hat die Marke aber auch äußerlich noch einen draufgepackt. Nicht nur, um sich von den Brüdern aus dem Konzern zu unterscheiden, sondern auch, um die neue Designsprache für kommende Modelle einzuläuten, hat man vor allem Front und Heck umgestaltet.

Wichtig für den neuen Markenauftritt sind der sehr steil stehende und breite Grill, den die im Tarraco serienmäßig verbauten Voll-LED-Scheinwerfer inklusive Tagfahrlicht-Spange rahmen. Die Motorhaube, die acht Zentimeter höher aufragt als beim Kodiaq, reicht nicht ganz bis zum Kühlergrill, sondern lässt einen etwa zehn Zentimeter breiten Steg dazwischen. Das macht den Tarraco dann auch zu einem echten spanischen Bullen. Am Heck hingegen ist die Verwandtschaft zum Allspace schon erkennbar. Allerdings hat der Wolfsburger nicht das schicke Leuchtband, das die LED-Leuchten des Spaniers verbindet.

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Wer sich für die dritte Sitzreihe im Seat Tarraco entscheidet, verliert 60 Liter Stauraum.

(Foto: Holger Preiss)

Hinter der Heckklappe verbirgt sich ein Stauraum von 760 Litern. Vorausgesetzt, man ordert nicht die dritte Reihe, die nicht nur 60 Liter Stauraum schluckt, sondern auch gut und gerne als Strafbank bezeichnet werden darf. Erwachsene jedenfalls möchten auf diesen Plätzen keinen Kilometer sitzen. Dafür haben Reisende in der zweiten Reihe selbst zu dritt nicht den Hauch von Platzproblemen. Sind die zweite und dritte Reihe umgelegt, kann der Tarraco-Fahrer auf 1775 Liter zugreifen. Wird auf die zwei zusätzlichen Sitze verzichtet, sind es gar 1920 Liter. Ordentlich Platz auf allen Wegen, möchte man meinen.

Primär wird der Tarraco auch als Allrad über die Vorderräder angetrieben. Kommt er aber ins Gelände, wie auf der Testfahrt in den verschneiten Tiroler Alpen, reicht ein wenig Gas und die Steuerungssoftware koppelt das XDS-Differenzial das über sieben Stufen schaltende Doppelkupplungsgetriebe und die Haldex-Kupplung der fünften Generation zusammen. Steuern lässt sich das durch den Fahrmodischalter, der neben Normal und Sport auch eine Schnee- und Offroad-Option bietet. Die Downhill-Funktion ist dort ebenso versteckt, die das 1,8 Tonnen schwere SUV auch einen verschneiten Berg souverän runterfahren lässt, ohne dass der Fahrer das Gaspedal bedient.

Kämpfer mit Langlaufqualitäten

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Die Silhouette des Seat Tarraco ähnelt natürlich den Konzernbrüdern VW Tiguan und Skoda Kodiaq.

(Foto: Holger Preiss)

Dafür ist nachdrücklich auch der die Euro 6d-Temp-Norm erfüllende 2.0 TDI mit 190 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern verantwortlich. Im Gelände zieht er gewohnt zackig an, bleibt dabei nicht tonlos, wirkt aber recht kraftvoll. Auch auf der Straße im Langlauf gibt es keinen Verzug. In 8,0 Sekunden fällt die 100-km/h-Marke und in der Spitze soll der Spanier 220 km/h schnell werden. Auf der Geraden unterstreicht der momentan größte Diesel im Portfolio der Spanier auf jeden Fall seine Langlaufqualitäten. Ein anderes Bild tut sich auf den bergigen Serpentinen rund um Bozen auf.

Im Normal-Modus hat der Diesel zu kämpfen, zieht unter häufigem Schalten und bei Weitem nicht mehr tonlos seine Bahn. Gefühlt tut sich der Diesel schwerer mit den Massen als noch vor einem Jahr der Skoda Kodiaq mit der gleichen Motorisierung im Praxistest auf n-tv.de. Das überrascht umso mehr, als sich die beiden mit Blick auf das Gesamtgewicht nichts nehmen. Einzige momentan plausibel scheinende Erklärung ist die Veränderung an der Abgasreinigung zur Erfüllung der Euro 6d-Temp-Norm. Etwas besser wird es im Sportmodus. Wie zu erwarten wird weiter ausgedreht und die Automatik legt die nächste Stufe später ein, schaltet aber auch deutlich früher runter. Am Ende bleibt unter Last aber ein spürbares Turboloch.

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Die Sportsitze gibt es erst in der höheren Ausstattungslinie des Seat Tarraco in Serie.

(Foto: Holger Preiss)

In den Kehren wird durchaus unter Beweis gestellt, dass die spanischen Ingenieure die Lenkung fein abgestimmt haben. Sie gibt gute Rückmeldung und führt die Befehle des Piloten zielgenau aus. Hier kommt dem Tarraco auch zugute, dass sein Wendekreis mit 11,9 Metern im Vergleich mit dem Kodiaq 30 Zentimeter kleiner ist. Beim Fahrwerk wirkt der Spanier etwas straffer als der Tscheche, bügelt die Unebenheiten aber nicht schlechter weg. Auf den Straßen abseits der Berge ist auch nichts mehr von der zögerlichen Anstrengung in den Serpentinen zu spüren. Auch der am Ende der Testfahrt gemessene Verbrauch gibt keinen Anlass für Tadel. Der lag nämlich bei schlanken 8,3 Litern. Seat gibt den Verbrauch im Drittelmix mit 5,6 Litern an. Diese Zahl dürfte aber auch bei verhaltener Fahrweise ein Fabelwert bleiben.

Überzeugender Einstiegspreis

Nicht aus dem Reich der Märchen ist hingegen der Einstiegspreis des Tarraco von 29.980 Euro. Dafür gibt es den 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner mit einem manuellen Sechsganggetriebe. In Serie sind hier auch 17-Zoll-Räder, Voll-LED-Scheinwerfer und Heckleuchten, elektrisch einstellbare und einklappbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorn und hinten, Klimaanlage, Multifunktionslenkrad, Geschwindigkeitsregelanlage, Spurhalteassistent, City-Notbremsfunktion, Einparkhilfe hinten und ein 8-Zoll-TFT mit Bluetooth-Anbindung sowie der möglichen Kopplung von Smartphones über Android Auto oder Apple CarPlay drin. Die Ausstattung lässt bei dem oben genannten Preis nichts zu wünschen übrig.

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Platzmangel herrscht in der zweiten Reihe des Seat Tarraco garantiert nicht.

(Foto: Holger Preiss)

Ob der 150 PS starke Benziner allerdings locker mit den 1,6 Tonnen umgehen kann, muss später nachgereicht werden. Zum Zeitpunkt des Testes waren die Benzin-Triebwerke noch nicht verfügbar. Interessant könnte hier auch der 2.0 TSI mit 190 PS sein. Ein Aggregat, dessen Homologation - also die offizielle Zulassung durch das KBA - über den Konzern hinweg extrem lange gedauert hat. Allerdings kostet der große Benziner, da es ihn ausschließlich mit Allrad, 7-Gang-DSG und in einer höheren Ausstattung gibt, 40.380 Euro. Der oben beschriebene Diesel in der gleichen Leistungsstufe und mit derselben Ausstattung erleichtert das Konto gleich um 43.800 Euro. Dafür gibt es bei beiden 19-Zöller, Abstandstempomat, der bis 210 km/h arbeitet, Parkpilot, elektrische Heckklappe, Drei-Zonen-Klimaautomatik, Rückfahrkamera, schlüssellosen Zugang und Sportkomfortsitze.

Natürlich kann man die Optionen noch um ein Panoramadach, Navi, das Soundsystem Beats und einiges mehr erweitern. Dann landet man am Ende bei 55.000 Euro. Aber selbst der Preis ist verglichen mit denen, die die Premiumhersteller für ähnlich ausgestattete SUV in der Größenordnung aufrufen, klein. Das müssen sich auch die 2000 Kunden gesagt haben, die den Tarraco, noch bevor er im Handel zu sehen ist, bestellt haben. Wer sich doch lieber erst ein Bild machen möchte, sollte ab dem 23. Februar einen Seat-Händler aufsuchen. Dann ist der Tarraco nämlich im Schauraum und kann auch angefasst und für eine Probefahrt gebucht werden.

Quelle: n-tv.de

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