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Immer noch eine Alternative Skoda Kamiq TGI - mit Gas sparen?

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Äußerlich ist der Skoda Kamiq TGI G-Tec nicht von seinen Brüdern mit Benzin- oder Dieselantrieb zu unterscheiden.

(Foto: Holger Preiss)

Auf der Suche nach Alternativen zu Plug-in-Hybriden, Benzinern und Dieseln kommt wieder eine nicht ganz neue Antriebsform ins Gespräch: der Gas-Antrieb. Genauer: der Antrieb mit Erdgas (CNG). Skoda hat drei Fahrzeuge im Angebot. Eins davon, den Kamiq, hat ntv.de genauer angesehen.

Den CO2-Ausstoß bei Fahrzeugen zu minimieren, das ist das angesagte Ziel der Autohersteller. Am Ende des Weges steht dabei die Elektromobilität. Bis das erreicht ist, wird allerdings noch etwas Zeit ins Land gehen.

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Der größte Vorteil des Kamiq TGI ist sein geringer CO2-Ausstoß von lediglich 95 g/km.

(Foto: Holger Preiss)

Alternativ wird unterdessen auf eine Technologie zurückgegriffen, die nicht neu ist, aber im Vergleich zu herkömmlichen Benzinern eine CO2-Ersparnis von etwa 25 Prozent verspricht. Die Rede ist von Motoren, die mit Erdgas, sogenanntem Compressed Natural Gas (CNG), betrieben werden. Die VW-Tochter Skoda hat gleich drei Modelle mit dieser Technologie am Start. Eines davon ist das mit 4,24 Metern Länge kleinste SUV nach Karoq und Kodiaq im Programm der Tschechen, der Kamiq.

Mit 90 PS gar nicht schwachbrüstig

Der in der (momentan nicht verfügbaren Basisvariante) mindestens 24.290 Euro teure Kamiq TGI G-Tec wird von einem Einliter-Dreizylinder mit 90 PS angetrieben, der ein maximales Drehmoment von 160 Newtonmeter an die Vorderräder weiterreicht. Die Kraft wird über ein manuelles Sechsgang-Getriebe verteilt. Ein Automatikgetriebe gibt es nicht, was nicht schlimm ist, denn der Wahlhebel lässt sich auf gewohnt kurzen Wegen und sehr leichtfüßig durch die Gassen schieben. Auffällig ist, dass der kleine Dreizylinder nicht das Gefühl von Schwachbrüstigkeit vermittelt.

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Wer investiert, wird auch im Skoda Kamiq TGI nichts vermissen.

(Foto: Holger Preiss)

Zwar knurrt er bauartbedingt in den unteren Gängen ordentlich, schiebt das 1,3 Tonnen schwere SUV aber erstaunlich leichtfüßig an. Für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 benötigt der Tscheche 12,5 Sekunden. Wer vehement auf dem Gaspedal verharrt, nähert sich am Ende recht flott der Höchstgeschwindigkeit von knapp 180 km/h. So weit, so gut. Auch fahrtechnisch wirft der Kamiq keine Fragen auf. Das Fahrwerk ist fein abgestimmt, da rumpelt und poltert nichts beim Überfahren von Querfugen und Kanaldeckeln. Nicht einmal dann, wenn die 17-Zoll-Felgen in den Radhäusern stehen. Willig folgt der Tscheche den Lenkbefehlen und lässt sich auch ohne größeres Vertun mal etwas schneller durch die Kurven zirkeln.

In der Reichweite beschränkt

Doch kommen wir zurück zur Kraftstoffversorgung. Bei den G-Tec-Modellen nimmt der Tank, der das Gas aufnimmt, eine klare Vorrangstellung ein. Insgesamt werden hier 14,2 Kilogramm CNG in zwei Tanks unterhalb von Kofferraum und Rücksitzbank gebunkert. Hinzu kommt ein Benzintank, der weitere neun Liter fasst. Nun könnte man meinen, dass das zur Überwindung einer Distanz von mindestens 500 Kilometern reicht. Aber die Enttäuschung ist groß, wenn man die Reichweitenanzeige bemüht. Hier wird der Gas-Weg mit maximal 200 Kilometern und der Benzin-Weg mit etwa 80 Kilometern beziffert. Nach Adam Riese sind das also am Ende 280 Kilometer.

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Die Sitze in der ersten Reihe des Kamiq sind klasse und in der zweiten Reihe bietet der TGI, trotz mehrerer Tanks, so viel Platz wie Benziner und Diesel.

(Foto: Holger Preiss)

Wer bereits bei E-Autos ob solcher Reichweitenangaben zurückzuckt, wird jetzt ebenfalls nicht begeistert sein. Natürlich erfolgt die Betankung ähnlich schnell wie bei einem Benziner oder Diesel, aber eine CNG-Säule will erst einmal gefunden sein. Deutschlandweit gibt es nämlich lediglich 854 Tankstellen, die das Erdgas anbieten, in ganz Europa sind es 3525. Auf der Suche nach Tankmöglichkeiten macht sich also wie beim Elektroauto eine App bezahlt, die dem G-Tec-Fahrer den Weg weist. Angesichts der Reichweite und des im Kurztest ermittelten Durchschnittsverbrauchs von 6,4 kg/km wird das auch häufiger nötig sein. Herstellerseitig wird der kombinierte Verbrauch übrigens mit 3,5 kg/km angegeben.

Hier liegt das Sparpotenzial

Doch wie gesagt: Ist eine Tanksäule gefunden, geht das Befüllen der zwei Tanks so schnell wie an der normalen Zapfsäule und der Preis ist momentan noch um einiges geringer als die Preise für Benzin oder Diesel. Das mag beim puren Vergleich nicht so ins Gewicht fallen, denn im Jahresdurchschnitt zahlten Autofahrer für einen Liter Super 1,43 Euro, für die gleiche Menge Diesel 1,26 Euro und für Erdgas 1,13 Euro (H-Gas). Rechnet man das Ganze aber auf die Energieäquivalenz um, dann ergibt sich ein anderes Bild. Ausgehend von den 1,43 Euro für Super kostet der Liter Diesel dann 1,09 Euro und Erdgas nur noch 0,72 Euro. Rechnet man das gemessen an 10 Euro auf die Reichweite um, dann kommt man im Durchschnitt mit Super 143 Kilometer, mit Diesel 189 Kilometer und mit Erdgas 247 Kilometer weit.

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Die Reichweite des Kamiq TGI ist kombiniert mit etwa 280 Kilometern nicht üppig.

(Foto: Holger Preiss)

So gesehen ist so ein Erdgasauto wie der Kamiq TGI dann wohl auch in erster Linie eine interessante Alternative für Pendler. Anders als beim Elektroauto bedarf es keiner langen Ladezeiten, eine eigene Ladestation ist nicht notwendig und die Dichte an CNG-Tankstellen ist momentan - vor allem an den Autobahnen - noch besser als die von E-Ladesäulen. Und an noch einer Stelle gibt es Sparpotenzial: bei der Kfz-Steuer. Die bemisst sich bereits seit 2012 für Neufahrzeuge am CO2-Ausstoß. Beim von ntv.de gefahrenen Kamiq G-Tec bemisst der sich laut Datenblatt auf maximal 97 g/km. Insofern beträgt die Kfz-Steuer für den Wagen etwa 24 Euro.

Der Preis ist recht üppig

Nachdem wir die Sparmöglichkeiten durchexerziert haben, soll aber nicht verschwiegen werden, dass Skoda den Kamiq TGI nur in der Ausstattungslinie Monte Carlo für stolze 27.180 Euro anbietet oder als Sonderedition Drive 125, was den Käufer immer noch dazu zwingt, mindestens 24.880 Euro zu bezahlen. Allerdings sind in dem Preis sehr empfehlenswerte Feature nicht enthalten. Dazu zählt beispielsweise der Fernlichtassistent, der automatisch auf- und abblendet (410 Euro), der Spurwechsel- und Ausparkassistent (410 Euro) und der adaptive Abstandsradar (390 Euro), wobei man sich den beim Handschalter eigentlich klemmen kann. Nicht zu verachten ist hingegen der Parklenkassistent, der den Kamiq ganz allein in Parklücken manövriert (610 Euro) oder auch nur die Parksensoren vorn, die mit 310 Euro zu Buche schlagen. Wer also am Ende bei den hier aufgezählten Dingen ein Kreuz in der Optionsliste setzt und dann auch noch die 17-Zoll-Räder für 520 Euro ordert, landet bei einem Preis von 27.400 Euro. Von einem Schnäppchen ist dieser Preis dann aber meilenweit entfernt.

Was es für den Kamiq TGI G-Tec nicht gibt, ist ein zusätzliches Navigationssystem. Das ist auch gar nicht schlimm, denn die Multimediaeinheit lässt sich über Bluetooth mit dem Smartphone verwalten. Je nach System kann Apple Carplay oder Android Auto auf dem Monitor gespiegelt werden. Und damit ist natürlich auch ein Navi in Form von Google Maps, Apple Karten, Waze oder Here WeGo verfügbar. Die Krux an der Sache ist nur, dass die Nutzung der Kartenprogramme zulasten des eigenen Datenvolumens geht. Aber das kostet ja heute nicht mehr die Welt.

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Der Kofferraum des Kamiq TGI schrumpft wegen der darunter liegenden Gastanks von 400 auf 274 Liter.

(Foto: Holger Preiss)

Werfen wir noch einen Blick in den Kofferraum. Der ist nämlich nicht so üppig bemessen wie bei einem herkömmlich betriebenen Kamiq. Sind es im Normalfall 400 Liter, die sich hinter der Heckklappe verstauen lassen, hat der TGI lediglich 274 Liter zu bieten. Auch wenn die Rückenlehne der zweiten Reihe flachmacht, stehen statt der 1395 Liter lediglich 1273 Liter zur Verfügung.

Fazit: Letztlich muss sich der Fahrer eines Kamiq TGI G-Tec mit den Gegebenheiten arrangieren. Auf der Habenseite stehen ein geringer Verbrauch, ein ebensolcher CO2-Ausstoß, kommode Tankkosten und eine geringe Kfz-Steuer. Auch die Einschränkungen beim Gepäckabteil sind für viele Nutzer zu vernachlässigen. Was etwas sauer aufstößt, ist der Umstand, dass der umweltfreundliche Kamiq recht teuer bezahlt werden muss. In allen anderen Belangen gibt es an dem "kleinen" Tschechen wirklich nichts zu meckern.

Quelle: ntv.de