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Wer's braucht, wird selig Skoda Kodiaq RS - im Sound-Rausch

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Breit und bullig steht der Skoda Kodiaq RS da. Allerdings ist der Tscheche inzwischen weit entfernt von preiswert.

(Foto: Skoda)

Mit dem Skoda Kodiaq RS krönt die tschechische VW-Tochter Skoda ihre SUV-Baureihe. Der stärkste je in einem Skoda genutzte Diesel leistet 240 PS, dazu kommen bis zu sieben Sitze, Allrad und ein künstlicher Sound. Die Preise starten bei knapp 50.000 Euro.

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Die äußerlichen Veränderungen des Skoda Kodiaq RS sind sehr dezent ausgefallen.

Stellen wir uns einfach ein modernes Tonstudio vor, in dem ein neuer Hit produziert wird. Ein Techniker mit Kopfhörern sitzt in einer schalldichten Kabine, seine Finger gleiten immer wieder über unzählige Schieberegler. Dann endlich nach viel Hin und Her stimmt der Sound mit dem Geschmack des Künstlers überein. So ähnlich wird es wohl auch im Ton-Labor bei Skoda gewesen sein, in dem ein kerniger Klang für ein neues Sportmodell mit Dieselmotor gesucht wird. Da die heutigen Triebwerke nun mal recht sanft klingen, müssen die Spezialisten tüfteln und ausprobieren. Bis ein akustisch braver Selbstzünder röhrt und bullert wie ein dicker Sechszylinder in einem Sportwagen.

Der Lautsprecher macht den Sound

Beim neuen Skoda Kodiaq mit den Buchstaben RS an Bug und Heck steckt die Musik in einem kleinen Lautsprecher hinten rechts unter der SUV-Karosse, mischt sich dort mit dem normalen Geräusch, das der Zweiliter-Diesel mit 240 PS aus den beiden verchromten Endrohren ins Freie entlässt. Heraus kommt mutmaßlich eine Geräuschkulisse, die je nach gewähltem Fahrmodus und Geschwindigkeit verschiedene Klangfarben liefert. Der zuständige Skoda-Ingenieur Radek Hošinský erklärt: "Der Vorteil unseres Systems liegt darin, dass wir das Geräusch des Fahrzeugs nachgestalten können, und zwar auch bei Autos mit Dieselmotor, bei denen das allein durch das Auspuffsystems nicht möglich ist".

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Der Sound des Skoda Kodiaq RS kommt nicht aus den Endrohren, sondern aus Lautsprechern.

Die Idee ist allerdings nicht neu und nur bedingt tauglich das zu ersetzen, was ein Klappengesteuerter Sound über die Endrohre entlässt, wie man ihn von echten Sportlern zum Beispiel aus der AMG-Schmiede kennt. Für das künstliche generieren des Sounds nutzt unter anderen Audi und VW schon seit Jahren einen sogenannten "Sound-Aktuator", also Lautsprecher, die den künstlichen Motorklang nach außen und in den Innenraum übertragen. Was den Schmaus für die Ohren betrifft hat man damit am Ende aber nur bedingt Erfolg. Häufig empfinden die Passagiere die Geräuschkulisse gerade auf der Langstrecke schnell als überladen und innervierend.

Schwarz ist Trumpf

So weit, so laut. Das neue Spitzenmodell des Skoda Kodiaq klingt also künstlich so potent wie es einem sportlichen SUV zukommt. "Dynamic Sound Boost" nennen die Tschechen ihre Tonleiter, die sie dem mit 50.000 Euro teuersten Kodiaq in die Wiege gelegt haben. Das Schwestermodell der langen Ausführung des VW Tiguan soll aber nicht nur durch seinen grimmigen Sound zahlungskräftige Skoda-Fans anlocken. Mit dem stärksten Dieselmotor unter der Haube, den je ein Modell aus Mladá Boleslav unweit von Prag angetrieben hat, könnte er interessant für all jene werden, die sich eine Mischung aus hochbeinigem, geräumigen SUV und einem Sportwagen schon immer gewünscht haben.

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Im Innenraum gleicht der RS den normalen Kodiaq-Brüdern.

Im Inneren des Power-Bären herrscht Dunkelheit, schwarz ist Trumpf. Alcantara-Sportsitze mit Lederwangen, ebenso gefärbter Kunststoff oberhalb des Armaturenbretts. Rote Steppnähte als Farbkontrast, dazu ein digitales Cockpit, in dem es ebenfalls rot leuchtet. Das bunte Kartenbild des Navis sorgt für etwas Aufhellung. Bis auf eben jene speziell für den RS programmierbare Anzeigetafel hinter dem Lenkrad ist alles wie in einem ganz normalen Kodiaq.

Ein reines Spaß-SUV?

Ende der vertrauten Normalität beim Drücken des Startknopfes. Da ist er, der "Fake"-Sound, provoziert durch Antippen des Sport-Modus. Die serienmäßige siebenstufige Doppelkupplung dreht ihre Gänge beim Beschleunigen kraftvoll aus, bevor sie hochschaltet. Dank der mit 500 Newtonmetern satten Durchzugskraft und der beiden Turbolader geht das alles ohne löchrige Rucke. Im Kurventanz auf engen Landstraßen in Andalusien kommt die sogenannte Progressivlenkung zu ihrem Einsatz. Feinfühlig auch bei geringen Einschlägen, erfreulich straff in langgezogenen Biegungen. Immerhin sind da gut 1,9 Tonnen zu manövrieren. Ein Spaß-SUV in Reinkultur, wenn der Hafer sticht. Allerdings dürfte das Grinsen sich aus dem Gesicht verflüchtigen wenn die nächste Zapfsäule angefahren werden muss. Skoda gibt den Durchschnittswert nach WLTP mit 6,4 Liter an. Davon dürfte der potente RS aber weit entfernt sein, wenn er unter Druck gerät.

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Für das sportliche Ambiente gibt es im Skoda Kodiaq RS natürlich Sportsitze.

Natürlich kann´s der Kodiaq auch gemütlich, in der Komfort- oder sogar Eco-Stufe. Sanftes Sightseeing-Gleiten entlang des Atlantiks, souveränes Mitschwimmen im Stadtverkehr von Cádiz oder auch Kolonnenfahren in der auf 120 km/h gedrosselten spanischen Autobahn. Hier bewährt sich das schnell reagierende bekannte Abstandsradar aus dem VW-Baukasten oder der behutsam, aber wirkungsvoll zurücklenkende Spurhalteassistent bei Annäherung an den aufgemalten Fahrstreifen. Ein alltagstaugliches, geräumiges Fortbewegungsmittel auch im Sportdress. Bei dem übrigens auf auffällige Äußerlichkeiten verzichtet wurde.

Kein Schnäppchen mehr

Erkennbar ist das RS-Modell vor allem durch seine speziellen 20-Zoll-Räder, in denen die rot lackierten Bremssättel durchscheinen. Das aus dem Octavia bekannte RS-Logo wurde für den Kodiac leicht verändert. An Bug und Heck wurde es durch ein "V" ergänzt, was für "Victory" ("Sieg") steht. Wer da besiegt werden soll, bleibt jedoch offen. Vielleicht ist ja der Sieg über die Untiefen der Aufpreisliste gemeint.

Denn der mit schon erwähnten 50.000 Euro doch recht teure Kodiaq RS federt den Skoda-untypischen Preisschock mit einer Fülle von serienmäßigen Extras etwas ab. Automatikgetriebe, elektronische Fahrwerksregelung, Allradantrieb, City-Notbremsfunktion mit Personenerkennung, LED-Lichttechnik vorn und hinten, Internetanbindung auch per App, und vieles mehr. Aufpreise werden fällig für die üblichen Assistenzsysteme wie Abstandsradar, das Navigations- und Kommunikationssystem, die 360-Grad-Kamera oder die dritte Sitzreihe, Soundsystem und Navigation. Aber auch der Fernlichtassistent, die Müdigkeitserkennung oder der schlüssellose Zugang müssen extra bezahlt werden. In Summe kann man auf den Grundpreis, wenn man wirklich alles in den Skoda konfiguriert, um gut 15.000 Euro erweitern.

Sicher ist das teure Sport-SUV auch für Skoda ein Experiment. Wobei durchaus gute Argumente pro Kodiaq sprechen. Beim Octavia zum Beispiel wählt ein gutes Viertel der deutschen Kunden die RS-Version.

Quelle: n-tv.de, hpr/sp-x

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